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BAJAZZO ROAD OPERA

05
Mai
2017
BAJAZZO ROAD OPERA

05. Mai 2017 20:00 Uhr

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Emmaline, Kudamm Karree



BAJAZZO ROAD OPERA
„La commedia è finita!“ Fast auf den Tag genau 125 Jahre nach der Uraufführung der Oper Pagliacci (Der Bajazzo) erfährt die veristische Oper von Ruggero Leoncavallo ausgerechnet im Berliner Kudamm Karree ein postdramatisches Update.

Dort am Kurfürstendamm, wo sich gerade und wieder einmal gefühlte, gespielte und tatsächliche Realitäten – Theater- und Stadtgeschichte(n), die stille Ödnis des Verfalls und Massen von Bauplänen, enttäuschte Hoffnungen und hochfliegende Zukunftserwartungen, das Glitzern protzigen Konsums, staunende Touristenschwärme und zweifelnde Anwohner – ineinander verhaken und einander überlagern, nimmt BAJAZZO ROAD OPERA vom Solistenensemble Kaleidoskop, dem Regisseur Ludger Engels und dem Musiker und Performer Thomas Mahmoud ihren Ausgang.

Ein Repertoireliebling der italienischen Oper als Spielmaterial von Kaleidoskop, wohlbekannt und renommiert für seine genreübergreifenden Musikprojekte? Die eigentliche Geschichte ist kurz und tragisch. Aus dem Eifersuchts-Theaterspiel wird am selben Ort blutige Realität, der Bajazzo - der tragische Clown -  tötet die Liebe seines Lebens, seine Existenz liegt in Trümmern. Der Einbruch der Alltagswelt auf die Bühne stellte für das damalige Publikum von Pagliacci Theater als getrennte Erlebenssphäre schockartig in Frage. „Die Tränen der Bühne sind falsch“, heißt es im Prolog.

BAJAZZO ROAD OPERA greift diese Situation auf und transformiert sie in einem verlassenen Loft im Kudamm Karree zu einer musikalischen Performance, die die Grenzen zwischen Theater und Wirklichkeit verwischt. Bajazzo löst sich auf im medialen Strudel. Thomas Mahmoud ist Stimme und Auge dieses Verlorenen, ein letztes, erschöpftes Fragment. Er und die Instrumentalisten von Kaleidoskop verkörpern jeweils einen emotionalen Zustand der zersplitterten Existenz der Figur des Bajazzo. Er begegnet sich in diesen Splittern wie im Spiegel, streift durch  Gänge und Räume im Kudamm Karree, irrt über nächtliche Straßen der Stadt, gerät gegen seinen eigenen Willen in den Strudel der Unterwelt seiner Gefühle, die er nicht kennt - denen er aber gehorcht. Der Bajazzo ist sich selbst das größte Rätsel und wird sich selbst zuviel.

BAJAZZO ROAD OPERA nimmt diesen Faden auf und verhandelt das Schicksal des Bajazzo in der Verbindung von Text, Musik, Performance und Raumerkundung neu. Durchaus als Experiment zu verstehen, wird in Soloperformances und mit für Streicher und Stimme arrangierter, elektronisch bearbeiteter Musik Leoncavallos Bajazzo für die Gegenwart paraphrasiert. Heraus aus dem Repertoirebetrieb, hin zu einer vitalen, offenen Plattform, um im Austausch zwischen Musikern, Performern und ihrem Publikum über soziale und gesellschaftliche Verhältnisse nachzudenken.

BAJAZZO ROAD OPERA entfaltet sich langsam und über gedehnte Verläufe. Insgesamt 12 Stunden dauert dieses musiktheatral mäandernde Gesamtkunstwerk im Kudamm Karree. Aus dem klanglichen und visuellen Material der Aufführungen entsteht eine Installation, die tagsüber besucht werden kann. Die einzelnen Performances und Video-Streams sind die Module, aus denen sich das Publikum seine eigene theatrale Erlebniswelt zusammensetzen kann. Offen für Zuschauer, die zu unterschiedlichen Zeiten ein- oder mehrfach hereinschauen, hören und fühlen möchten, und für solche, die sich für zwei oder zwölf Stunden „on the road“ begeben mit einer Truppe fahrender Komödianten der Jetztzeit.

BAJAZZO ROAD OPERA nach Ruggero Leoncavallo „Pagliacci”

Von Ludger Engels, Tilman Kanitz, Thomas Mahmoud

Musik und Performance Solistenensemble Kaleidoskop, Thomas Mahmoud

Regie Ludger Engels Musikalische Leitung Thomas Mahmoud, Tilman Kanitz

Dramaturgie Roland Quitt Couture Pam Hogg  Video Design Rodrik Biersteker

Licht und technische Leitung Jurgen Kolb Presse k3 berlin

Eine Produktion von Solistenensemble Kaleidoskop.

Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Über das Solistenensemble Kaleidoskop

Das Solistenensemble Kaleidoskop wurde 2006 von Michael Rauter und Julian Kuerti gegründet. Im Laufe der Jahre hat sich das Ensemble stetig gewandelt und immer wieder innovative Formen der Musikvermittlung erprobt. Unter der künstlerischen Leitung von Tilman Kanitz und in Zusammenarbeit mit Künstlern aus anderen Genres sucht Kaleidoskop nach neuen Aufführungsformen; die Musiker werden dabei auch selbst zu Performern und Darstellern. Das Repertoire reicht vom Frühbarock bis zur aktuellen Musik, auch eigene Musikkonzepte werden entworfen. Kaleidoskop ist zu Gast bei renommierten Festivals wie dem Kunstfest Weimar, den Kunstfestspielen Herrenhausen, dem Sydney Festival, dem Holland Festival, operadhoy Madrid, Wien Modern oder den Donaueschinger Musiktagen und war „Ensemble in Residence“ bei den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker und dem Klara Festival in Belgien. Kaleidoskop spielt an Häusern wie dem Concertgebouw Brügge, Harpa in Reykjavík, Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste Dresden oder Kampnagel Hamburg, dem Berghain und der Philharmonie. Im Laufe des künstlerischen Engagements hat das Solistenensemble mit Künstlern wie Sasha Waltz, Sabrina Hölzer, Jennifer Walsh, Georg Nussbaumer, Laurent Chétouane, Sebastian Claren und der Band Mouse on Mars zusammengearbeitet.

Performance

Freitag, 05. Mai, 20 Uhr

bis Samstag, 06. Mai, 8 Uhr

Samstag, 06. Mai, 20 Uhr

bis Sonntag, 07. Mai, 8 Uhr


Installation

Samstag, 06. Mai, 8 bis 20 Uhr

Sonntag, 07. Mai, 8 bis 20 Uhr

Ort

Emmaline, Kudamm Karree

Kurfürstendamm 206 - 209

10719 Berlin

Einlass jederzeit

Tickets unter

www.kaleidoskopmusik.de

und an der Abendkasse

Eintrittspreise

Performance

15 EUR, erm. 10 EUR

Late Night Tarif ab 2 Uhr:

7 EUR

Installation

Eintritt frei





Berliner Augenblicke

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