Obwohl SPD und CDU im Koalitionsvertrag vereinbart haben, Tierversuche einzudämmen und Ersatzmethoden zu fördern, macht der Senat das Gegenteil. Wie aus der Antwort auf eine Anfrage (Drucksache 17/16185) der Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling hervorgeht, fördert der Senat eine zweite Tierversuchsanlage in Berlin mit 36,8 Millionen Euro. Der Baubeginn des Tierversuchslabors der Charité erfolgte bereits im Mai. Bekannt war bislang nur der Neubau eines Tierversuchslabors für das Max Delbrück Centrum für 24 Millionen Euro. Damit fördert der Senat allein die neue Infrastruktur für Tierleid mit 60,8 Millionen Euro. Leider trägt Berlin ohne die beiden Neubauten schon den zweifelhaften Ruf "Hauptstadt der Tierversuche". Wie der Senat auf eine weitere Anfrage (Drucksache 17/16184) mitgeteilt hat, wurden vom Landesamt für Gesundheit und Soziales im Jahr 2014 insgesamt 1007 Versuche und die Zucht von mehr als 1,2 Millionen Tieren genehmigt - darunter Mäuse, Ratten, Kaninchen, Schweine, Hunde und Katzen sowie Vögel und Fische. Tierversuche sind nicht nur zu Recht ethisch angreifbar, sondern auch laut der Tierschutzorganisation "Ärzte gegen Tierversuche" wissenschaftlicher Unsinn. 92 Prozent aller im Tierversuch erfolgreich getesteten Wirkstoffe scheitern in der klinischen Anwendung beim Menschen. Knapp die Hälfte aller Wirkstoffe scheitert bereits vor den klinischen Studien - etwa im Tierversuch. Auch Contergan wurde seinerzeit "erfolgreich" an Tieren getestet. Penicillin z. B. ist gut verträglich für Menschen, aber schädlich für Meerschweinchen. Arsen führt beim Menschen zum Tod, bei Schafen nicht. Das zeigt, dass die Übertragbarkeit von Versuchen an Tieren auf den Menschen schlichtweg hochgefährlich ist. Es wurden bereits geeignete und kostengünstigere Methoden entwickelt, deren Testergebnisse zudem sofort auf den Menschen übertragbar sind. Das gilt für die Anwendungstests und die Grundlagenforschung. Hier finden etwa erfolgversprechende Forschungen am Multiorganchip auf der Basis menschlichen Gewebes, dem "Human on a Chip", statt. An diesem Modell können künftig komplexe Wechselwirkungen auf den menschlichen Organismus simuliert werden - ohne Quälerei am Mitgeschöpf und mit Sicherheit für den Menschen. Informationen gibt es auch unter aerzte-gegen-tierversuche.de und peta.de.