Der 1968 geborene Axel S. Meyer studierte Germanistik und Geschichte. Während des Studiums verdiente er sein Geld unter anderem mit dem Zeichnen von Comicstrips, die er in Tageszeitungen und Erotikmagazinen veröffentlichte. Seit Ende der 90er-Jahre lebt er in Rostock, wo er als Reporter und Redakteur tätig ist. Mit seinem Roman "Das Buch der Sünden" gewann er den ersten Preis im Wettbewerb "Historischer Roman des Jahres" des Rowohlt Verlags. Das Buch ist mittlerweile in der vierten Auflage. Im September 2012 ist Axel S. Meyers zweiter historischer Roman "Das Lied des Todes" bei Rowohlt erschienen.

 

CHEXX Wie sind Sie als Journalist zum Schreiben fiktiver Geschichten gekommen?

 

Axel S. Meyer Als Journalist gehört das Schreiben zum Handwerk, und da ist der Schritt zum Schreiben auch fiktiver Geschichten nicht so sehr weit. Die Lust daran hat mich aber schon zu Jugendzeiten gepackt, als ich mir Comicstorys ausgedacht und dann gezeichnet habe. Vor einigen Jahren habe ich einen Krimi geschrieben, der seither in der virtuellen Schublade meines Computers liegt. Die Faszination an den historischen Romanen hat mich vor gut fünf Jahren gepackt. Anlass war ein Besuch im Wikinger-Museum Haithabu, nach dem ich dachte: Vor so einer Kulisse lässt sich bestimmt eine tolle Geschichte entwickeln.

 

CHEXX Was fasziniert Sie besonders am Mittelalter?

 

Axel S. Meyer Am Mittelalter – und insbesondere am frühen Mittelalter - fasziniert mich, dass das Leben damals vollkommen anders war, als es heute ist. Es gab kein Handy, keine Autos, keine Zeitung, keine Zentralheizung. Die Menschen froren sich im Winter die Füße ab, wenn das Hausfeuer ausging. Sie ritzten oder hämmerten das, was sie der Nachwelt erhalten wollten, als Runen in Holzstäbe oder Steine. Wenn jemand eine wichtige Mitteilung zu machen hatte, musste er zum anderen laufen, reiten oder mit dem Schiff fahren. Auch viele soziale Bedingungen sind mit den heutigen in Europa kaum vergleichbar: die starke Präsenz und Macht der Kirche beispielsweise, der Sklavenhandel, usw.

 

CHEXX Viele Autoren schreiben sich aus Wikipedia Sachbücher zusammen. Andere für die Schublade. Sie aber hatten Glück: Ihr erstes Werk, "Das Buch der Sünden", erschien 2010 beim Rowohlt Verlag. Wie kam es dazu?

 

Axel S. Meyer Im Jahr 2009 hatte der Rowohlt Verlag den Wettbewerb "historischer Roman des Jahres" ausgelobt. Ich hatte mich mit meinem Manuskript beworben und unter etwa 300 Einsendungen den ersten Preis gewonnen, der dann die Veröffentlichung des Romans war.

 

CHEXX Ihr neues Werk, "Das Lied des Todes", spielt im zehnten Jahrhundert. Vieles aus dieser Zeit ist historisch schwer zu belegen. Wie recherchieren Sie da?

 

Axel S. Meyer Den Handlungsrahmen im "Lied des Todes" markieren zwei historisch überlieferte Eckdaten: zum einen die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955, zum anderen die Krönung des Königssohnes Otto II. in Aachen im Jahr 961. In der Zeit bewegt sich die Geschichte an Handlungsorten wie dem heutigen Trondheim in Norwegen, Haithabu, Köln oder Aachen. Um mich in diese Zeit eindenken zu können, besuche ich - wenn möglich - die Handlungsorte und Museen, und ich lese entsprechende Fachliteratur. Dazu gehören wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Abhandlungen, also von archäologischen Fachbüchern über Ausstellungskataloge oder Bücher über die Ottonen bis hin zu den "Isländer Sagas".

 

CHEXX Entwickeln Sie Handlung und Figuren beim Schreiben oder steht der rote Faden schon vorher fest?

 

Axel S. Meyer Vor dem Schreiben erstelle ich ein grobes Konzept, wo es in der Geschichte hingehen soll, was Dramatisches geschieht, welche Protagonisten dabei sind. Dann arbeite ich die Figuren in ihren Biographien und Charaktereigenschaften aus, bevor dann die Handlung immer weiter verfeinert wird. Allerdings kommt es auch immer mal wieder vor, dass ich in einer fortgeschrittenen Version noch eine neue Figur einbauen muss, weil es für die Handlung wichtig ist.

 

CHEXX Ihr Erstlingswerk hatte sagenhafte 800 Seiten, diesmal sind es mehr als 600 Seiten. Wie lange brauchen Sie, um so viele Seiten zu füllen?

 

Axel S. Meyer Die eben beschriebenen Arbeitsschritte sind bei so vielen Seiten natürlich wesentlich umfangreicher, als bei einem Krimi von 200 Seiten. Hinzu kommt die Recherche. Die Arbeit am "Buch der Sünden" hat gut zweieinhalb Jahre gedauert, die am "Lied des Todes" etwa zwei Jahre.

 

CHEXX Gibt es literarische Klischees, die Sie unbedingt vermeiden möchten?

 

Axel S. Meyer Schwer zu sagen. Eine literarische Gattung wie die Belletristik lebt ja durchaus von Klischees: Da gibt es beispielsweise die Guten und die Bösen. Mal kriegen die einen auf die Nase, mal die anderen, aber zum Schluss gewinnt der Held. Das sollte er zumindest, denn das erwarten die Leser, und als Autor solcher Geschichten sollte man es vermeiden, hier besonders innovativ zu sein, indem man etwa den von den Leserinnen und Lesern geliebten Helden – oder natürlich die Heldin – im Finale sterben lässt.

 

CHEXX Welches Buch lesen Sie gerade?

 

Axel S. Meyer Ich lese quer durch die Genres, zur Zeit "Verachtung" von Jussi Adler-Olsen, "Naschmarkt" von Anna Koschka und dann natürlich Bücher über die Wikingerzeit.

 

CHEXX Und wie heißen Ihre Lieblingsautoren?

 

Axel S. Meyer Bei Thrillern ist das der Norweger Jo Nesbo, bei Fantasy Tolkien, bei Horror Stephen King und bei den historischen Romanen Bernard Cornwell.

 

CHEXX Bekommen Sie Resonanz von den Lesern, haben Sie auch schon Fans?

 

Axel S. Meyer Es kommt vor, dass mir Leserinnen und Leser eMails schicken oder mich über Facebook anschreiben, was mich sehr freut. Als Autor einer Literatur für ein Massenpublikum ist mir die Rückmeldung der Leser wichtig. Außerdem bekomme ich Resonanz auf diversen Blogs und Literaturportalen im Internet und über die Kundenrezensionen bei Internethändlern wie Amazon. Und ja, es scheint auch Fans zu geben, zumindest schreiben einige, sie seien Fans meiner Bücher. Und das ist großartig – denn wenn sich Leser so in meine Geschichten hineinfühlen können, ist das ein großes Lob für den Autor.

 

CHEXX Bleibt es auch künftig bei historischen Themen?

 

Axel S. Meyer Die Zeit des frühen Mittelalters, in der ich mich mit meinen bisherigen Büchern bewege, bietet noch viel Potenzial für weitere spannende Geschichten. Es ist aber auch gut möglich, dass es mich eines Tages ins Fantasy-Genre zieht.

 

CHEXX Wann kommt Ihr nächstes Buch und worum wird es gehen?

 

Axel S. Meyer Das nächste Buch wird im Sommer 2014 bei Rowohlt erscheinen. Es spielt wie das "Lied des Todes" in der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts, und auch einige Figuren sind wieder dabei, etwa der Normanne Hakon oder Bischof Poppo.