Dirk Plasberg im Gespräch mit Oliver Kalkofe über neue Vorhaben, Ulla Rock am Ring und eine Tätigkeit, die er gerne mit seiner Freundin macht. Große Auszeichnung für Okerwelle-Schlagermoderatorin Miriam Wilbert: Im neuen Presseinfo von Oliver Kalkofe wird sie ausführlich zitiert - als treuer und ewiger Patrick-Lindner-Fan, der schrieb: "Sehr geehrter Herr Kalkof! Sie haben permanent versucht, unseren Kometen der Volksmusik Patrick Lindner, in Misskredit zu bringen, indem sie sich stets unfachlich und negativ über ihn äußerten. Mir ist bewusst, dass Sie noch nicht die nötige Reife besitzen... aber ich möchte Sie bitten... sich aus diesem Grund öffentlich und aufrichtig bei unserem Allrounder Patrick Lindner zu entschuldigen." Anlass für den Pressetext: Kalkofes Herbstoffensive. Neue "Mattscheiben"-Folgen ab 4. Oktober, neue CD ab 5. Oktober und dazu noch ein Hintergrund-Buch. Wir trafen ihn in Hannover.

 

COCKTA!L Die Ränder unter Deinen Augen verraten es - ich sage nur: Morgens um sechs Uhr. Was machst Du die ganze Nacht?

 

Oliver Kalkofe Morgens sechs Uhr ist die Zeit, wo ich langsam ins Bett gehe, wenn ich es noch schaffe, mich die Treppe hochzuziehen. Ich mache immer den gleichen Fehler - dass ich merke: Verdammt, ich habe zu viel zu tun. Momentan arbeite ich an dem Buch, die "Mattscheiben"-CD kommt raus, die neue Staffel wird vorbereitet, und kurz vorher gab´s ja noch das Special mit Ulla Kock am Brink. All das parallel. Und eigentlich klingelt dauernd das Telefon. Jeder sagt mir, was schon seit gestern hätte da sein müssen.

 

COCKTA!L Wo kommen eigentlich die tollen Kostüme für die "Mattscheibe" her?

 

Oliver Kalkofe Och, die schneidere ich selber abends bei einem Glas Rotwein. Ich hab so ´ne alte Nähmaschine. Das wär vielleicht ne Idee, das Kalkofe-Schnittmusterbuch rauszubringen. Nein! Das ist die Theaterkunst Hamburg. Die haben einen riesigen Fundus und müssen sich immer darum kümmern, die Kostüme so zu finden, wie ich sie brauche. Das ist sehr schwierig. Selbst wenn man etwas findet, ist es niemals in meiner Größe vorhanden. Und so müssen mindestens drei Kostüme zusammengenäht werden. Die Dirndls sind hinten offen und nur mit Klebestreifen zugeklebt. Gut, dass wir nicht noch eine Backstage-Version machen, wo man zeigt, wie ich hinten aussehe.

 

COCKTA!L Das wird dann grausam.

 

Oliver Kalkofe Sehr häufig ist da gar kein Stoff mehr. Der reicht einfach nicht. Das ist auch nicht im Budget drin. Die Stoffkosten gehen ins Unendliche. Während wir drehen, bin ich deswegen hinten verschlüsselt und vorne unverschlüsselt.

 

COCKTA!L Wie sieht es inzwischen mit Reaktionen von Deinen Opfern aus? Judith und Mel oder die Schlagerecke um Ralph Siegel, heißt es, wollten ja mal jemanden anheuern, der Dich zusammenschlägt.

 

Oliver Kalkofe Früher waren die extrem sauer. Inzwischen sagen sie lieber, dass sie es auch lustig finden. Aber dann läuft ein Blutfaden die Lippe runter, weil sie sich in die Wange gebissen haben. Man merkt schon, wer es ehrlich meint und wer nicht.

 

COCKTA!L Und die Leute laden Dich dann in Ihre Talkshow ein?

 

Oliver Kalkofe Ja, ich könnte, wenn ich wollte, wochenlang täglich bei allen Talkshows hintereinander auftreten. Aber es geht immer nur um "Ich hasse Schlager" oder "Ich finde Volksmusik scheiße". Na ja, ich habe meine Sendung, da muss ich mich nicht bei "Arabella" oder "Sonja" verdingen, um Anti-Gespräche zu führen.

 

COCKTA!L Was hast Du bloß gegen Talkshows?

 

Oliver Kalkofe Talkshows sind nett, sie sind ja auch nötig. Die sind ja ein Tummelplatz der Arschgeigen und ein Platz für Leute, die keinen Friseur haben und kein Geld für einen Therapeuten und reden möchten, damit ihre Meinung wahrgenommen wird.

 

COCKTA!L Kannst Du Dich noch an Deine erste "Mattscheiben"-Folge bei ffn erinnern?

 

Oliver Kalkofe Die erste richtige Folge war zum "Musikantenstadl". Früher entstand die "Mattscheibe" immer über Nacht. Das heißt, ich musste in den Sender kommen, schaute immer bis 22 Uhr fern und habe dann den Text geschrieben. Um fünf Uhr morgens war ich fertig, die Produktion ging meistens bis acht. Dann war ich völlig hinüber. Ich bin mehrfach bei der Produktion eingeschlafen, hab mich auf den Studioboden gelegt und wachte auf, weil die Hauskatze auf meinem Gesicht lag.

 

COCKTA!L Stimmt es, dass Du bei premiere mal vergessen hast, einen Text für den Teleprompter zu Ende zu schreiben?

 

Oliver Kalkofe Die ersten Folgen bei premiere entstanden ähnlich chaotisch wie im Radio. Da gab es mal eine Folge über die "100.000 Mark-Show", ich spreche, und plötzlich endet der Text auf dem Teleprompter. Alle lachten sich kaputt. Die Szene gibt´s auch noch auf dem Pannenband, wie ich da stehe und merke, da fehlt die zweite Hälfte.

 

COCKTA!L Die "100.000-Mark-Show" ist eng verbunden mit Ulla Kock am Brink.

 

Oliver Kalkofe Knapp im Schritt, Kotz nach links, Kopp in Sack, Zupf am Ding - ich weiß es nicht mehr ganz genau.

 

COCKTA!L Auf jeden Fall hast Du eine wunderbare Beziehung zu ihr.

 

Oliver Kalkofe Ich kenne Ulla Rock am Ring seit einigen Jahren, hab ein Interview geführt mit ihr und musste bemerken, dass sie persönlich sehr sehr viel mehr Humor hatte als man nach "Verzeih mir" geahnt hatte. Es hat richtig Spaß gemacht, weil sie auch Kontra gegeben hat. Deswegen durfte sie mich beim letzten Special ja auch in der Zwangsjacke in den Schrank sperren.

 

COCKTA!L Inzwischen hast Du ja auch schon bei einem Kinofilm mitgemacht.

 

Oliver Kalkofe Eine kleine Gastrolle hatte ich, der Film läuft im November an: "Kai Rabe und die Vatikankiller", der neue von Thomas Jahn, der auch "Knockin on heaven´s door" gemacht hat. Da spiele ich mich selber in Form eines fiesen Talkshowmoderators: Kalkofes Too Light Show. Dahin lade ich den Hauptdarsteller ein und behandle ihn, wie man es von mir erwartet. Außer mir sind noch Heinz Hoenig, Hannelore Elsner und Mirco Nontschew dabei. Steffen Wink ist Hauptdarsteller. Ich bin schon gespannt, wie breit mein Gesicht im Kino wirkt. Weil, man hat ja bei mir schon im Fernsehen das Gefühl, es ist Breitwand oder 16:9.

 

COCKTA!L Und worum geht´s bei Deinem Video "Mystery Science Theatre 3000"?

 

Oliver Kalkofe Das ist ein Film nach einer amerikanischen Fernsehserie. Ein Mann allein mit zwei Robotern im Weltall. Die werden gezwungen, sich die schlimmsten Filme aller Zeiten anzugucken. Das können sie natürlich nur, indem sie die ganze Zeit darüber ablästern. Man sieht die dann als Schatten im Kino sitzen, und die labern die ganze Zeit über den Film. Das ist ne ganz alte Science-Fiction-Gurke von 54. Ich bin der eine Roboter, Oliver Welke der andere, mit dem zusammen habe ich auch das Drehbuch geschrieben.

 

COCKTA!L Was schaust Du Dir eigentlich privat an?

 

Oliver Kalkofe Ich war früher ein Fernsehkind. Heute versuche ich, soweit es geht, deutsche Unterhaltungsshows zu vermeiden, da ich die sowieso beruflich gucken muss. Ich bin ein großer "Akte X"-Fan, sehe die "Simpsons", alte Sachen wie "Mit Schirm, Charme und Melone", Krimiserien - das sehe ich gern.

 

COCKTA!L Mal zu Deinen Interviews: Welche Frage wurde Dir bisher am meisten gestellt?

 

Oliver Kalkofe Ich glaube, die häufigste Frage ist wirklich: Ey, sach mal, wenn de die Mattscheibe machst, biste da eigentlich immer besoffen? Stellste Dir nen Kasten Bier hin und dann laberste Scheiße, ne? Das denken die meisten. Dann vielleicht noch: Biste wirklich so dick wie im Fernsehen? Stimmt auch nicht, ich bin dicker! Samma, mit so viel Scheiß auch noch Geld verdienen - wie findeste das eigentlich? Ja, find ich geil!

 

COCKTA!L Welche Frage wurde Dir noch nie gestellt?

 

Oliver Kalkofe Darf ich das Essen bezahlen? Würde ich gerne mal hören.

 

COCKTA!L Zum Schluss: Was sind eigentlich Deine Hobbys?

 

Oliver Kalkofe Früher habe ich "Godzilla"-Filme geguckt, mit Big-Jim-Puppen gespielt. Richtige Hobbys habe ich nicht. Wenn ich mal Zeit habe, gehe ich ins Kino. Ich habe eine Play-Station geschenkt bekommen, hab jetzt so ein Spiel, wo ich mir mit meiner Freundin gegenseitig in die Fresse haue, wo man Kampfteams hat. Äußerst entspannend. Wenn ich richtig genervt bin am Abend und ganz lange schreiben muss, sage ich immer: Komm, lass uns mal ne Runde in die Fresse hauen. Dann hat man wunde Daumen, kann die Leertaste nicht ohne Schmerzen bedienen, macht aber viel Spaß. Wenn ich Zeit habe, bin ich froh, mich faul und bräsig aufs Sofa zu legen oder auszuschlafen. Ich erlebe so viel, da gestalte ich meine Freizeit so langweilig wie möglich. Klingt ziemlich öde, aber ist leider die Wahrheit. Ich bin ein sehr langweiliger Mensch!