Der deutsche Entertainer und Schauspieler mit australischem Pass, Joachim "Blacky" Fuchsberger, wurde in den 50er Jahren mit den Edgar Wallace-Filmen bekannt. Später war er vor allem mit Unterhaltungssendungen im deutschen Fernsehen vertreten. Nun tritt er in "Neues vom Wixxer" auf.

 

CHEXX Lassen Sie uns zuerst über die alten Edgar Wallace-Filme sprechen. Da interessierte mich immer schon eine Frage: Wie ernst nahmen die sich, wie viel Ironie steckte in ihnen?

 

Joachim Fuchsberger Die nahmen sich überhaupt nicht ernst. Eines ihrer Erfolgsgeheimnisse war, dass die Menschen selbst in den gruseligsten Szenen begriffen: Das hier ist Fiktion, nicht Realität. Anders als beispielsweise Jürgen Rolands "Stahlnetz" gaben sie nicht vor, die Wirklichkeit zu zeigen. Sie hatten immer ein Augenzwinkern und waren manchmal bis ins Groteske übersteigert. Das Publikum sollte sich im Kino ein bisschen gruseln. Aber hinterher zu Hause gut schlafen können.

 

CHEXX Vor Klaus Kinski habe ich mich damals aber doch schon ein bisschen gefürchtet...

 

Joachim Fuchsberger... trotzdem wusste jeder, dass das überzeichnet war. Der Klaus natürlich auch, deshalb hat er immer seinem Affen Zucker gegeben. Der hat immer gesagt: "Na - wenn schon, dann auch richtig."

 

CHEXX Natürlich spielte damals die erste Liga der deutschen Schauspieler mit. Aber was darüber hinaus machte den Erfolg aus?

 

Joachim Fuchsberger Die totale Hinwendung zur Qualität! Alles was Rang und Namen hatte, wollte mitmachen. Das liegt daran, dass die Wallace-Reihe so etwas wie die andere Seite des deutschen Kinos war, das ansonsten ja immer läppischer wurde. Es war auch mein Beweggrund. Für mich war es die Rettung aus dieser faden, langweiligen Zeit des "jungen Liebhabers". Genau im richtigen Moment kam etwas Neues. Und dazu auch noch aus der Rubrik "das können wir nicht", die mich immer gereizt hat.

 

CHEXX "Das können wir nicht" bezieht sich auf die landläufige Meinung, die Deutschen könnten keine Kriminalfilme machen...

 

Joachim Fuchsberger Genau. Wobei man historisch korrekt sagen muss: "Der Frosch mit der Maske" war im Grunde genommen ja auch noch eine dänische Produktion. Heute denken alle, Horst Wendlandt habe die Wallace-Reihe erfunden. Das stimmt so nicht, auch wenn er natürlich für den späteren Erfolg verantwortlich war. Aber der erste Produzent war Preben Philipsen, ein Multimillionär und damals Besitzer von Rialto Film. Gedreht haben wir auch noch in Dänemark - und in Deutschland hieß es: Die werden bestimmt auf die Schnauze fallen. Dann war der erste ein großer Erfolg und alle meinten: Dann wird eben der zweite ein Flop. Und so ging es immer weiter bis zur Nummer 30.

 

CHEXX Sie nannten gerade schon Preben Phillipsen. Wer sonst waren die wichtigsten Köpfe hinter der Kamera bei der Wallace-Reihe?

 

Joachim Fuchsberger Zuallererst muss man natürlich einen genialen Menschen namens Edgar Wallace nennen, der in den 30er Jahren Bücher geschrieben hat, die Welterfolge wurden. Bei den Filmen war es zuerst die Handschrift von Harald Reinl. Später Alfred Vohrer, der ein genialer Regisseur für dieses Genre war. Und der wohl genialste überhaupt war der Drehbuchautor Herbert Reinecker. Das war das große Dreigestirn der Reihe: Horst Wendlandt als Produzent, Reinecker als Autor und Vohrer als Regisseur. Wir hatten also hervorragende Bücher, die hervorragend besetzt und von hervorragenden Regisseuren inszeniert wurden. Und für uns junge Schauspieler war es vor 40 Jahren eine Offenbarung, mit den Großen des deutschen Films zusammenzuarbeiten. Wir haben nur geschaut, wie ein René Deltgen oder eine Lil Dagover im Studio gearbeitet haben und haben von ihnen gelernt.

 

CHEXX Welchen Stellenwert haben diese alten Filme heute noch?

 

Joachim Fuchsberger Da können wir einen Bogen ziehen vom "Hexer" zum "Wixxer": Die Faszination bestätigt sich eigentlich so richtig erst heute, nach 40 Jahren. Ganz junge Menschen, die durch die geballten Wiederholungen im Fernsehen überhaupt erst auf das aufmerksam werden, was wir damals gemacht haben, kommen heute auf der Straße auf mich zu. Sprechen mich an und fragen: Warum machst Du denn so was nicht mehr, das war doch fantastisch? Die vergessen völlig, dass seitdem vier Jahrzehnte vergangen sind.

 

CHEXX Was antworten Sie ihnen?

 

Joachim Fuchsberger Natürlich "Ihr seht doch selbst, dass ich heute nicht mehr 35 sondern 80 bin und nicht mehr über Tische und Bänke springen kann. Damals habe ich alle meine Stunts selbst gemacht." Die realisieren gar nicht, wie lange das alles her ist. Das ist eigentlich das schönste Kompliment, das man uns heute machen kann. Und letztendlich war das der entscheidende Grund für mich, meine Voreingenommenheit gegen das Projekt "Wixxer" aufzugeben.

 

CHEXX Beim ersten "Wixxer" waren Sie dazu noch nicht bereit. Was hat Sie bewogen, Ihre Meinung zu ändern?

 

Joachim Fuchsberger Damals hatten die ja keine richtige Aufgabe für mich, sondern nur so einen Cameo-Auftritt geplant. Das habe ich abgelehnt, wie ich es bestimmt auch schon zehnmal vorher getan hatte. Weil ich zu gute Erinnerungen an unsere damalige Arbeit hatte. Ich habe mir den "Wixxer" dann auch nicht angeschaut, bis mir Olli Kalkofe und Christian Becker eine DVD nach Australien geschickt haben. Die musste ich mir erst mal auf den dortigen Videostandard umarbeiten lassen. Aber dann haben meine Frau und ich sie uns angesehen und wir waren fasziniert, wie dieser Film die Atmosphäre von vor 40 Jahren voll und ganz getroffen hat. Ich habe dann dem Olli sofort eine Mail geschrieben und mich für meine Voreingenommenheit entschuldigt und dafür, dass ich solange über den "Wixxer" gemeckert hatte, ohne ihn gesehen zu haben.

 

CHEXX Also ist Ihr Auftritt jetzt auch ein kleiner Bußgang?

 

Joachim Fuchsberger Naja... - er hat mich dann natürlich sofort in die Zange genommen und gesagt: Wir machen eine Fortsetzung. Und ich habe ihm geantwortet: Wenn Ihr wieder keine richtige Aufgabe für mich habt, sage ich auch diesmal "nein"! Aber dann kamen er, Bastian Pastewka und Oliver Welke mit einem Buch, in dem es eine wirklich akzeptable Rolle für mich gab. So kam alles zustande. Und nachdem ich den Film jetzt sehen durfte kann ich nur sagen: Ich bereue keine Minute!

 

CHEXX Kein Kritikpunkt aus der Sicht des alten Hasen?

 

Joachim Fuchsberger Nein! Der ist genau mit der Sorgfalt und Liebe gemacht, wie wir vor vier Jahrzehnten Filme gemacht haben. Wenn überhaupt, leidet er nur ein bisschen unter dem Fluch des Namens.

 

CHEXX Der Fluch des Namens?

 

Joachim Fuchsberger Naja - nach dem "Hexer" kam "Neues vom Hexer". Folgerichtig musste nach dem "Wixxer" jetzt eben "Neues vom Wixxer" kommen. Bei der Arbeit haben wir uns daran gewöhnt und darüber gelacht. Aber wenn jetzt Menschen auf dich zukommen und fragen "Du hast doch demnächst eine große Premiere - wie heißt denn der Film?" zuckst du schon kurz zusammen, wenn du den Titel nennst. Das habe ich dem Produzenten Christian Becker aber auch immer gesagt. Natürlich hat der Titel nicht mehr den Hautgout, wie er ihn beim ersten Film hatte. Weil man mittlerweile dessen Qualität erkannt hat.

 

CHEXX Kalkofe erzählte davon, wie Sie an Ihrem ersten Drehtag durch die Kulissen gingen und zahlreiche Details wieder erkannten, von denen selbst er nicht wusste, wie genau sie den alten Filmen entsprachen. Was war das für ein Gefühl für Sie?

 

Joachim Fuchsberger Ich war fast betroffen. Man erwartet so etwas nicht - und heute schon gar nicht mehr. Mein erster Tag in Prag war wie das Zurückfallen in eine andere Welt. Und zwar in eine bessere. Es war beeindruckend zu sehen, dass dies alles von ganz jungen Leuten gemacht war, die zum Teil noch zehn Jahre jünger sind als mein Sohn. Dazu kam dann bei der Arbeit eine Atmosphäre, wie ich sie in 50 Jahren im Beruf und 85 Spielfilmen wirklich nur ganz selten erlebt habe. Ganz abgesehen von der persönlichen Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft - in meinem Alter ist man eben nicht mehr ganz so gut auf den Beinen - die mir entgegengebracht wurde. Das spiegelt sich natürlich im Film wider: Du merkst jemandem einfach an, ob er sich bei der Arbeit wohl gefühlt hat.

 

CHEXX Kann man die Arbeitsbedingungen von heute in irgendeiner Weise mit denen der alten Wallace-Filme vergleichen?

 

Joachim Fuchsberger Das ist schwer zu sagen. Nein... - eigentlich kann man es nicht. Aber in diesem einen Fall eben doch. Wobei ich ganz besonderen Wert darauf lege, zu sagen: Es war bei "Neues vom Wixxer" in Prag WIEDER so gut wie damals. Und das ist ein sehr hohes Lob!

 

CHEXX Letzte Frage: Kalkofe spricht ja schon seit dem ersten "Wixxer" gern von Teil 3. Sind Sie dabei, wenn es wieder eine passende Rolle gibt?

 

Joachim Fuchsberger Na logisch! Wenn es eine gescheite Rolle gibt, bin ich immer dabei.