braucht eine Flegelversicherung. Der 27jährige Kultmoderator, der jeweils montags, mittwochs und freitags bei VIVAsion Prominente und Passanten auf der Straße foppt, fällt unter den Unartenschutz. Als er mit seinem Gassenhauer "Böörti Böörti Vogts" in der ZDF-Hitparade auftrat, textete die Bild am Sonntag gar: Sänger randalierte - Moderator in Klinik. Wir trafen Raab auf der PopKomm in Köln.

 

COCKTA!L Zunächst vielleicht mal ein paar Sätze über deine Vergangenheit.

 

Stefan Raab Ich war eine leichte Geburt. Ich kam raus aus dem Bauch und bin dann sofort losgelaufen. Später war ich auf dem Jesuiten-Internat in Bad Godesberg und habe Abitur gemacht. Da habe ich auch gelernt, fünf Minuten am Stück zu reden, ohne zu wissen, worüber.

 

COCKTA!L Hattest du da viele Möglichkeiten, so zu sein wie jetzt?

 

Stefan Raab Naja, ich habe immer schon ziemlich viel erzählt. Zum Beispiel, dass ich zu Hause ein Schlagzeug habe. Aber dann sollte ich das in den Musikunterricht mitbringen und hatte gar keins. Da hat mein Vater dann schnell ein gebrauchtes gekauft, um keinen Ärger zu machen. Und das war eigentlich der Beginn meiner Musikkarriere. Ich habe mir dann gleichzeitig Schlagzeug, Klavier, Gitarre und Ukulele beigebracht und immer viel gespielt. Eine Ukulele kriegt man ja schon für 80 Mark. Die ist so leicht, dass man sie in die Tasche stecken kann, und damit kann man wunderschöne Stücke spielen und die Leute erfreuen.

 

COCKTA!L Dann kannst du also gar keine Noten lesen?

 

Stefan Raab Nee. Aber ich glaube auch, die besten Komponisten sind die ohne Notenkenntnisse. Ich sage nur Irving Berlin. Oder Beethoven: Der konnte ja nicht mal hören, was er geschrieben hat. Ich kann zwar keine Noten lesen, arrangiere aber trotzdem für Big-Bands.

 

COCKTA!L War Musiker schon immer dein Berufswunsch?

 

Stefan Raab Nee. Ich wollte Kopfgeldjäger, Fußballprofi oder Cowboy werden. Am liebsten eigentlich Cowboy, weil man bei Cowboystiefeln keine Schleife binden muss. Doch davor kamen erst mal eine Metzger-Lehre und fünf Semester Jura. Dann habe ich mir aber doch auf dem Dachboden ein Tonstudio eingerichtet und mich bei großen Werbeagenturen als Chief Creative Director beworben: Da habe ich kleine Beilagen mitgeschickt, wie ein Glas Honig oder einen Pinsel. Und alle haben sich gefragt, wer so dreist ist, sich als CCD zu bewerben, wo sie schon einen haben. Und wenn ich dann eingeladen wurde, habe ich tausend Geschichten erzählt. Das fanden die irgendwie immer gut.

 

COCKTA!L Und was für Aufträge hast du dann bekommen?

 

Stefan Raab Den Auftrag, den Soundtrack für den Kleinen Vampir zu schreiben zum Beispiel. Oder die Musik für das ARD-Morgenmagazin und für die Spots von Burger King und Blend-a-med. "Böörti Böörti Vogts" ist eher aus Zufall entstanden: Ich war für VIVA ohne Akkreditierung zur Fußball-WM nach Chicago geflogen, kam per Zufall an einen Presseausweis, und da ist mir nebenbei die Zeile "Wer ist der schönste Trainer der Stadt, Börti Vogts, Börti Vogts" eingefallen. Und als ich das ein paar Mal gesungen hatte, rief das VIVA-Management an und meinte: Mensch, das singen die Leute schon in der U-Bahn. Wieder in Deutschland habe ich dann am Freitag einen Vertrag unterschrieben, am Samstag die Nacht durchproduziert, und eine Woche später stand die Platte in den Läden. Und hat sich bis jetzt 150.000mal verkauft.

 

COCKTA!L Und wann gehst du zu Sat.1?

 

Stefan Raab Wahrscheinlich werde ich 1995 parallel was bei einem anderen Sender machen. Ich habe 14 Angebote bekommen. Aber mir geht es nicht so um die Kohle. Der Spaß muss stimmen. Bloß: Wenn es irgendwie geht, möchte ich zwischen 30 und 40 Jahren finanzielle Unabhängigkeit erreicht haben. Und dann drei Jahre lang mit meinem Boot um die Welt segeln - falls ich das hinkriege. Ich bin irgendwie ein bisschen rastlos...