Mein Gott, wie seriös. In einem Raum voll bunter Sperrholzästhetik warten wir auf SIE. Auf Theresa Moser, Künstlername Orlowski. Beruf: Porno-Produzentin. Nichts deutet hier auf ihr Gewerbe hin. Vor uns liegt ein Stapel Zeitschriften: Für Sie, Brigitte und das Deutsche Telefonkarten-Journal. In jeder Arztpraxis liegt unchristlichere Lektüre. Doch die Anfeindungen gegen Teresa Orlowskis Firma sind groß. Deshalb wird hier lieber der bürgerliche und moralisch-solide Schein gewahrt. Plötzlich steht sie im Raum. Lächelnd wie zwei schelmische Schuljungen folgen wir ihr ins Büro.

 

COCKTA!L Guten Tag, Frau Orlowski. Da sind wir...

 

Theresa Orlowski Es ist so, wenn man nur den Namen Teresa Orlowski hört, dann stellt man sich sofort eine Hexe vor, die nackt durch die Gegend läuft und alle Leute vergewaltigt - die Frau kann eigentlich gar nichts anderes tun. Sie kennt wahrscheinlich keine Gesetze, ist irgendeine Verrückte, sieht nur ihren Profit, ist sexbesessen oder eine Nymphomanin, die nie genug kriegt. So denken die Leute und unterschätzen, dass dahinter vielleicht noch etwas mehr steckt - Verantwortung und andere Sachen. Also, es ist mir schon unangenehm, dass die mir alles mögliche zutrauen.

 

COCKTA!L Sie zahlen doch eine Menge Steuern. Das Land müsste doch über eine gute Einnahmequelle glücklich sein, oder nicht?

 

Theresa Orlowski Ja, man nimmt dieses dreckige Geld gern, man fragt nicht, woher es kommt - der Staat ist der größte Zuhälter. Nach seiner Einstellung ist das, was wir machen, Prostitution. Doch letztendlich erlaubt er unsere Arbeit doch. Und kassiert. Also ich würde sagen, viel zu viel, tut mir sehr weh.

 

COCKTA!L Reagieren die Leute vielleicht nicht einfach nur neidisch auf Ihren Erfolg?

 

Theresa Orlowski Absolut. Beispielsweise Günther Jauch - dieser Mann hat gesagt: Stellen Sie sich vor, Teresa Orlowski verdient pro Tag 200.000 DM, egal ob Samstag oder Sonntag. Das wird einem nicht gegönnt, denn dieser Verdienst bedeutet einfach auch, Steuern und andere Sachen zu zahlen. Hier wird bewusst spekulativer Umsatz mit Gewinn gleichgesetzt. Es gibt Leute, die verdienen viel mehr. Dass ich verteufelt werde, liegt einfach an meinem Geschäft. In unserer Gesellschaft ist es nicht gesellschaftsfähig, Pornographie oder Sexfilme zu konsumieren. Es wird unterschwellig behauptet: Männer, die Pornos konsumieren, sind bloß nicht in der Lage, eine ehrliche Partnerschaft aufzubauen. Das ist doch Quatsch! Selbstverständlich werden sich junge Leute nicht aus diesem Grund für Pornographie interessieren. Wenn sie aber mit einer Frau leben, zehn, zwanzig Jahre und die hat ständig Migräne, selbstverständlich juckt es dann da unten und man muss etwas dagegen machen. Die Natur kann man nicht betrügen - das würde sich rächen!

 

COCKTA!L Ist es in den letzten Jahren schwieriger geworden, Pornos zu machen?

 

Theresa Orlowski Wie kommen sie auf diese Frage?

 

COCKTA!L Weil Deutschland moralischer, konservativer geworden ist, und weil Sie vorhin selbst erwähnten, dass Sie hier in Deutschland immer wieder verteufelt werden, als Porno-Hexe, die nur Böses will!

 

Theresa Orlowski Klar habe ich lernen müssen, damit umzugehen. Ich muss es akzeptieren, dass ein Teil unserer Gesellschaft das, was ich mache, nicht positiv sieht. In jeder Gesellschaft sucht man nach Fußabtretern, damit sich jeder andere sauberer und besser fühlt. Wir sind die Branche, in der man immer etwas Schlechtes sehen kann und die Nation fühlt sich dabei sauber. Ich muss das akzeptieren und damit leben. Und ich mache wirklich die größten Umsätze mit den nicht vorhandenen Kunden. Das ist auch in Ordnung. Okay, ich will nicht grollig sein. Ich war fünfzehn, als ich zum ersten Mal ein Pornobild sah, ein ganz kleines Schwarz-Weiß-Foto. Ich habe das Gefühl, als ich das Bild sah, nicht gekannt, da ich erst mit zwanzig zum ersten Mal mit einem Mann geschlafen habe. Trotzdem war es ein herrliches Gefühl, ich wollte damals mehr davon, wollte dieses Gefühl genauer kennenlernen - es hat mir keiner gesagt, das ist etwas Dreckiges oder das tut man nicht. Klar, ich habe es nicht getan - diese Ängste, dass die Jungs darüber reden würden oder man schwanger wird. Ich habe viel versäumt. Aber das hole ich alles nach - ich muss das sagen, mein Image! Naja, ganz so schlimm ist es auch nicht. Ich hatte vielleicht 30 Männer in meinem Leben. Mein Gott, jede Putzfrau hat mehr.

 

COCKTA!L Gibt es Ambitionen, irgendwann doch nochmal einen eigenen Sender zu machen oder ist das jetzt endgültig vom Tisch?

 

Theresa Orlowski Da kennen Sie mich nicht. Ich bin ein Kämpfer! Ich finde, erwachsene Menschen können das tun, was sie für richtig halten und sollten sich nicht bevormunden lassen. Es gibt viele viele Männer, die alleine leben, die vielleicht nicht mehr so mobil sind, weil sie kein Fahrzeug haben, oder es in der Nähe keine Videotheken gibt. Diese Leute schreiben mir, ob ich sie vergessen hätte. Habe ich natürlich nicht. Es gibt Leute, die wollen einfach nicht in die Videothek gehen. Ich möchte die Entwicklung Satellitenfernsehen nicht verschlafen. Dafür bin ich nicht der Typ. Also kämpfe ich und weiß ganz genau, dass mich die Leute unterstützen - auch wenn niemand auf die Straße geht und sagt: Ich will das aber unbedingt! Letztendlich geht es nicht um Jugendschutz, das ist eine dumme Behauptung. Da hat sich der Staat irgendwas ausgedacht; was er immer macht, wenn er etwas verbieten will. Es geht ganz einfach darum, dass die Leute entscheiden. Außerdem läuft das, was wir machen wollen seit langem in Belgien, Dänemark, Frankreich und Holland und niemand regt sich auf. Da frage ich mich, wo bleiben die Deutschen - haben die sich isoliert von der ganzen Welt?

 

COCKTA!L Typisch Deutsche, ein bisschen verklemmt, oder?

 

Theresa Orlowski Ja und Nein, das wollte ich nicht so negativ sehen. Ich bewundere die deutsche Mentalität. Deutsche sind zuverlässig, verantwortungsvoll und fleißig, das sollte man auch mal sagen, nicht nur negativ sehen. Dass die natürlich auch ihre Macken haben ist klar. Deutsche sind beispielsweise keine geborenen Schauspieler, dafür sind sie zu selbstkritisch. Damit muss man sich abfinden. Wenn sie einen Amerikaner sehen, der hat fünf Dollar in der Tasche, sagt aber: Ich bin der Größte. Darum können die sich auch vor der Kamera besser bestätigen, sie sind freier und können alles leichter umsetzen. Trotzdem bin ich lieber mit einem deutschen Mann zusammen als mit einem, sagen wir, Engländer.

 

COCKTA!L Die Maueröffnung ist vier Jahre her, inzwischen stagniert die Wirtschaft. Man müsste meinen, die Leute haben etwas anderes im Kopf als Pornofilme zu sehen. Wie steht Ihre Branche wirtschaftlich da?

 

Theresa Orlowski Der Branche im allgemeinen geht es nicht so gut. Ich habe da ganz großes Glück gehabt mit dem Satelliten, aber ich habe immer viel Glück in meinem Leben. Als dieses Satellitenthema reinkam, haben die Medien mir einen großen Gefallen getan, ich war in jeder Zeitung, im Fernsehen, überall - bundesweit. All das hat mir einen wahnsinnigen Vorsprung vor den anderen Produzenten ermöglicht. So merke ich nichts davon, dass es wirtschaftlich runtergeht. 30 bis 40 % vom Umsatz machen wir mit etwas ganz anderem als mit Videos. Es gibt Magazine, Kalender, Poster, Prospekte, dann sind wir wahnsinnig stark im Computerbereich - BTX und Spiele. Die Spiele gibt es noch nicht, aber wir wollen sie bald auf den Markt bringen, sie sollen gut werden, deshalb dauert es länger.

 

COCKTA!L Worum wird's gehen? Ein Jump 'n' run-Spiel mit Teresa, die Vibratoren aufsammeln muss?

 

Theresa Orlowski Nein, was ganz anderes. Ich werde entführt, aber mehr darf ich noch nicht verraten. Es wird zwei Versionen geben, eine für Kaufhäuser und eine für Sexshops.

 

COCKTA!L Also Hardcore und Software?

 

Theresa Orlowski Ja. Ich kann die Menschen ja nicht enttäuschen. Schließlich macht es mehr Freude, einen Orgasmus so billig zu bekommen, als ein Vermögen für einen dummen Urlaub auszugeben. Die Deutschen sind so verrückt nach Urlaub und das verstehe ich nicht. Ich bin trotz des vielen Geldes zwar sparsam, habe es aber zu Haus sehr gemütlich. Hier kenne ich mich aus - ich komme zurecht, ob es beim Arzt oder bei der Polizei ist. Ich kenne die Gesetze, ich weiß, wie die Leute denken. Ich lasse mich doch nicht in Frankreich verarschen! Und müsste ich noch weiter wegfliegen, da gibt es verschiedene Insekten und ich müsste mich spritzen lassen und ich lasse mich nicht spritzen, weil ich vor Spritzen Angst habe. Das ist der absolute Horror! Und dann Koffer packen, furchtbar, ich kann das nicht. Also, ich kann Koffer packen, mag es aber nicht.

 

COCKTA!L Waren es wirtschaftliche Gründe, dass Sie nach zwei Jahren Pause wieder in einem Porno mitspielen?

 

Theresa Orlowski Das sind die Endverbraucher, die machen ein bisschen Druck. Die sind so lieb, die fragen warum nicht? Was soll ich denen sagen? Ich möchte jetzt nicht mehr? Es geht darum, dass ich seit vier Jahren in einer Beziehung lebe. Ich mag ich es auch nicht, wenn mein Freund nach anderen Frauen grapscht und er mag es im umgekehrten Fall auch nicht. Das finde ich besser als Hans Moser, der immer sagte: Machs mal mit dem, das macht mich so heiß. Bei Lady Domina, meiner Filmfigur, geht es nur um verbale Erziehung. Ich habe nur mit ein paar Männern gearbeitet - da hatte ich es aber bequem, ich habe nur erzählt, was jetzt gemacht wird - das war alles.

 

COCKTA!L Macht Ihnen das eigentlich Spaß, als peitschenschwingende Domina auf Männer Druck, Gewalt und Macht auszuüben?

 

Theresa Orlowski Sie werden sich wundern, in Deutschland sind gerade die Männer sehr unsicher geworden, die haben ständig nur was auf die Finger bekommen, die trauen sich immer weniger. Die Emanzipation hat sie wirklich sehr unsicher gemacht und sie wünschen sich jetzt eine Frau, die weiß, um was es geht. Die Männer haben nämlich Angst zu sagen: Ich finde dich geil, denn die Frauen fühlen sich dabei als Lustobjekt missbraucht. Ich verstehe das gar nicht, ich bin gerne Lustobjekt. Ich nutze den Mann mehr aus als er mich. Manchmal habe ich echt Mitleid mit den Männern, denn sie sind von Sex mehr abhängig als Frauen. Sie haben größere sexuelle Triebe als Frauen und es gibt zu wenig naturgeile Frauen, vielleicht zehn Prozent.

 

COCKTA!L Gehören Sie dazu?

 

Theresa Orlowski Ich denke ja, also ich denke schon, fragen Sie meinen Freund! Das ist auch das Pech der Männer, dass sie von diesen Frauen träumen. Ich wünsche allen Männern diese zehn Prozent zu treffen.

 

COCKTA!L Gibt es noch Kontakt zu Ihrem Ex-Mann?

 

Theresa Orlowski Nein, ich habe nur gehört, dass er umgezogen ist. Ich hätte mir was anderes gewünscht, aber das Ende war sehr tragisch. Wir haben uns getrennt, weil es der Firma sehr schlecht ging. Ich stand damals mit 20 Millionen Mark Schulden da und die Geschäfte gingen ganz schlecht. Jetzt geht es gut, weil ich kaufmännisch denken und gut organisieren kann. Außerdem komme gut mit meinen Leuten klar.

 

COCKTA!L Wie bewirbt man sich um eine Rolle in einem Pornofilm?

 

Theresa Orlowski Ich gebe fast jedem eine Chance. Voraussetzung: Sauber und Gesund. Wir bekommen wahnsinnig viele Bewerbungen von Männern. Am besten sind ganz kurze mit einem guten Foto. Die Interessenten werden eingeladen. Die Großmäuler bringen häufig nichts. Die ruhigen Jungs dagegen kriegen meist alles geregelt.

 

COCKTA!L Wie wird getestet?

 

Theresa Orlowski Da habe ich mir was ausgedacht: Marathonsex. Da haben wir zwanzig - dreißig Mann und eine Frau. Ich sage der Frau Du bist hier die Königin und Du bestimmst, was hier gemacht wird und sie beherrscht das Ganze. Die meisten Männer funktionieren, es ist viel leichter, als ihr euch das da draußen vorstellt. Tja, und die besten suchen wir uns aus. Es kommen auch Frauen, die wollen Sex vor der Kamera haben, weil ihr Freund es nicht bringt - das ist aber sehr selten.

 

COCKTA!L Was bedeutet für Sie Pornographie und Sex?

 

Theresa Orlowski Pornos hat es schon immer gegeben. Pornographie hat für mich keinen negativen Touch. Nur weil die Kirche uns sowas angedichtet hat? Das nur Leute, die dumm sind, Sex mögen und Leute, die klug sind keinen brauchen? Das heißt doch nichts anderes als: Sexualität muss unterdrückt werden - das ist wirklich nicht mehr normal in den 90er Jahren. Normal ist für mich - Essen, Trinken, Schlafen, Sex! Gesund und glücklich zu sein, bedeutet ausgeglichenen Sex zu haben. Bei der Zusammenbringung von Porno und Gewalt, könnte ich auf die Palme gehen. Gewalt hat mit Vernichtung zu tun - Sexualität hingegen hat mit Erhaltung, mit Leben zu tun.

 

COCKTA!L Was ist mit Pornographie und Aids. Sie hätten die Möglichkeit in Ihren Filmen aufzuklären, was Sie aber nicht machen. Warum werden beispielsweise keine Kondome benutzt?

 

Theresa Orlowski Das ist das Problem. Unsere Endverbraucher akzeptieren es nicht. Der Verbraucher wird sauer, das ist die Perversität, die in uns allen steckt. Credo ist: Der Sex macht "mit" nicht soviel Spaß wie "ohne" und da sollen einfach Opfer gebracht werden. Die Männer sollen sich in den Filmen abrackern und das Risiko tragen! Die Leute wollen es halt nicht anders haben. Und Gott sei Dank ist in unserer Branche keiner HIV-infiziert. Wäre es auch nur einer, könnte ich den Laden dicht machen. Wir treiben es nicht so wild, wie alle draußen glauben - draußen treiben sie es viel wilder, dort herrscht eine Sexorgie!

 

COCKTA!L Eine letzte Frage: Wer macht eigentlich sauber am Ende eines Drehtags?

 

Theresa Orlowski Also es wird nicht so dreckig wie Ihr meint. Es wird abgespritzt - auf Bauch, auf Brust, dann gibt es Handtücher. Also da kommt nicht ganz soviel raus, wie Ihr denkt.

 

COCKTA!L Und wenn es doch ins Polster geht?

 

Theresa Orlowski Die werden später noch teurer verkauft (Lacht).