Kennengelernt haben sich Marianne und Michael 1973 im Münchner "Platzl". Im selben Jahr entstand ihre erste LP "Rund samma, gsund samma", und Auftritte in Sendungen wie "Hüttenzauber", "Musikflipper", "Die schönsten Lieder der Berge" und "Fahrt ins Blaue" folgten. Als dann innerhalb kurzer Zeit noch "Zwei Herzen und ein Jodler", "Ein Busserl mit Musik" und "Mit Sang und Klang durchs Alpenland" erschienen - jede für sich eine der besten Platten des jeweiligen Jahres -, war die Erfolgsgeschichte der beiden nicht mehr aufzuhalten. Heute kann Marianne sich Fleurop-Lady 1992 nennen und sich zusammen mit Michael über den "Lustige Musikanten"-Moderationsvertrag freuen, der vom ZDF bis Ende 2000 verlängert wurde. Wir trafen das erfolgreiche Gespann vor ihrem Auftritt in der Braunschweiger Stadthalle.

 

COCKTA!L Ihre neue CD "Hand in Hand mit Dir" passt gut in die 90er Jahre. Sehr zeitgemäß. Wir ordnen Sie Ihre Musik denn selbst ein?

 

Michael Trendmässig rockig-volkstümlich. Man versucht, gewisse Elemente reinzubringen wie eine E-Gitarre, einen Bass oder Schlagzeug, das härter gespielt wird. Gleichzeitig versucht man, die traditionellen Instrumente wie Akkordeon, Bariton und natürlich Bläser so zu integrieren, dass es zwar modern-fetzig klingt, aber trotzdem noch diesen volkstümlichen Charakter hat.

 

Marianne Back to the roots.

 

COCKTA!L Die Texte sind auch sehr relevant.

 

Michael Entscheidend dabei ist, dass die Texte nicht mehr so banal sind wie früher: "Der Berg ist hoch, das Tal ist tief, der See ist blau, die Wiese grün". Es wird jetzt über Themen gesungen, die die Allgemeinheit interessieren oder bestimmte Erlebnisse umsetzen. Die Leute in Hamburg haben möglicherweise noch nie einen Hüttenzauber miterlebt: "Schau, wie die Sonne heut runterlacht, so ein Tag ist für uns wie gemacht". Das sind Gedanken, die eigentlich jeder empfinden kann.

 

Marianne Dieses Gefühl heißt: "Sorge Dich nicht - lebe!" Wir setzen diese Stimmung musikalisch um in Melodien, die das Volk eben liebt. Im Grunde sind wir fast Psychologen für das Volk. Wir geben einfach gute Laune weiter.

 

COCKTA!L Bewundernswert ist ja, dass bei Volksmusik-Konzerten nichts vom Band kommt, sondern Musik und Gesang immer live sind.

 

Michael Es kommt auch keiner mit auf Tour, der nicht live auftreten kann oder will. Selbst einer wie Hansi Hinterseer, der lieber mit Playback arbeitet, musste letztes Jahr bei uns auf Biegen und Brechen immer live spielen.

 

Marianne Und das war wirklich sehr gut.

 

COCKTA!L Als Zielgruppe haben sie sicher auch die jüngeren im Auge. Die gehen ja immer gern zu solchen Konzerten.

 

Michael Als Zielgruppe haben wir nur nicht die 12- bis 25jährigen, weil wir denen zu brav sind. Das hängt aber damit zusammen, dass es in Deutschland diese alte Volksmusik-Tradition überhaupt nicht mehr gibt. Die gibt es verstärkt in Bayern, in Baden-Württemberg und auf alle Fälle in Österreich, in der Schweiz und in Südtirol. Jung wie alt, rekrutieren sich dort die guten Musiker aus den Blaskapellen, Trachtenvereinen usw. Da ist der Anreiz auch da. Das heißt, junge Burschen machen Musik, und dann sehen sie, hoppla, der macht Geld damit, dann spiele ich auch mal so etwas.

 

COCKTA!L Kommen wir mal zum Privaten: Ist es nicht eigentlich das Schönste, was man sich vorstellen kann, wenn man alle Tage ständig zusammen verbringen kann, weil man auch beruflich zusammenarbeitet?

 

Michael Nach den 24 Jahren, die wir jetzt beieinander sind und trotz aller Geschichten, die in der Presse standen, nehmen wir mittlerweile eine Idolfunktion ein. Viele Leute orientieren sich an uns und sagen: "Die zwei packen es, dann können wir das doch auch."

 

COCKTA!L Sieht man sich eigentlich nach so einer langen Zeit im Showgeschäft noch die eigenen Sendungen an und sagt sich: "Das war aber nicht so toll" oder "Das hätte man anders machen müssen"?

 

Marianne Wahrscheinlich nicht, weil wir nicht da sind. Wenn die Aufnahmen für eine Sendung fertig sind, müssen wir sofort wieder weg. Meist sagt man: "Das hat mir gefallen", und mehr kann man nicht sagen.

 

COCKTA!L Sie machen ja sehr viel Werbung für Trachtenmode, Kalender, Goldschmuck usw. Gibt es etwas, wofür Sie nie Werbung machen würden?

 

Michael Wofür würde ich nie Werbung machen? (Schweigen) Also da hast Du mich auf dem falschen Fuß erwischt.

 

COCKTA!L Andere Frage: Sie sind rund neun Monate im Jahr unterwegs. Sind Ihre beiden Söhne Florian (17) und Alexander (15) da nicht manchmal traurig, dass Sie so selten zuhause sind?

 

Marianne Die beiden Omas und zwei Haushälterinnen kümmern sich schon. Aber die beiden sind schon sehr selbständig und kochen und waschen alleine. Außerdem ist das Haus immer voller Freunde, da ist es schon ganz gut, wenn wir nicht immer daheim sind.

 

COCKTA!L Schlussfrage - So natürlich wie Sie sind: Haben Sie da nach Ihrem Spielfilm-Debut in "Der Jäger von Fall" (1974) nicht noch viele Filmangebote bekommen?

 

Marianne Nein, bisher nicht.

 

Michael Das mag viele Gründe haben. Wenn man einen Terminplan mit 260 bis 290 Auftritten hat, dann ist das auch nicht so ganz einfach. Aber gerade vor zwei Tagen ist jemand an uns herangetreten. Mal schauen, was daraus wird.