Jürgen Drews im Gespräch über seine Midlife-Krise, Frauen, deren Namen er sich nicht merken kann und Behauptungen, die vor Gericht enden würden. Seinen Karrierehöhepunkt feierte Jürgen Drews im vergangenen Monat im Helmstedter "Plumsklo": einen einstündigen Auftritt, den er singend auf einem Tisch absolvierte, weil der Veranstalter vergessen hatte, für Spot, Bühne und vernünftige Musikanlage zu sorgen. Doch dann gibt es auch wieder Open-Airs vor 8.000 Leuten oder Auftritte wie den zur Jahreswende, bei dem er verdiente, "wofür andere ein halbes Jahr arbeiten". Seit 1967 - kurz, nachdem er mit 15 bester Banjo-Spieler Schleswig-Holsteins wurde -, ist Drews mittlerweile schon im Geschäft. Am 2. April wird er 50! Grund genug, mal mit ihm zu sprechen.

 

COCKTA!L Stimmt es eigentlich, dass Sie schwul sind?

 

Jürgen Drews (verdutzt) Nee. Wenn das jemand schreiben würde, würde ich gerichtlich vorgehen. Genauso wie, wenn jemand schreiben würde, dass ich pädophil bin. Weil das irgendwo das in Misskredit bringen würde, was ich persönlich möchte. Sonst habe ich eigentlich ein dickes Fell.

 

COCKTA!L An sich weiß man gar nichts über Sie. Es wird immer nur thematisiert, ob Sie nun geliftet sind oder nicht, ob Sie einen Sohn haben und ob Sie nun 1.000 Frauen hatten oder 5.000. Vielmehr weiß man eigentlich gar nicht über Sie.

 

Jürgen Drews (lacht sich kaputt) Nee.

 

COCKTA!L Warum lassen Sie sich denn immer wieder darauf ein? Sie könnten doch auch sagen: Lass uns doch mal über was anderes reden.

 

Jürgen Drews Ja gut, ich könnte natürlich alles abblocken. Dann würde ich dastehen als ganz normaler Schlagersänger, wie sie alle dastehen. Aber ich muss Ihnen eines sagen: Für mich entbehrt das nicht einer gewissen Komik, weil: Erstens weiß ich, wer ich bin, zweitens weiß ich, dass ich keinen gelifteten Hintern habe, und drittens ist mir das wirklich egal, ob die Leute mich manchmal kopfschüttelnd angucken. Wenn sie mich kennenlernen, dann revidiert sich das Bild sowieso total. Für mich ist das alles ne Persiflage. Ich amüsier mich wie Bolle.

 

COCKTA!L Aber das war doch nicht immer so.

 

Jürgen Drews Das liegt vielleicht an meinem Alter, dass ich über den Dingen stehe. Wenn ich jetzt 20 Jahre jünger wäre, dann würde es mich so anfechten, dass ich außer Landes gehen würde - so, wie es mich auch getroffen hat, als ich zum ersten Mal in der Bildzeitung las, ich hätte meinen Po angeblich geliftet. Das hat mich so aufgeregt, dass ich Pickel bekommen hab. Da habe ich lange überlegt, ob ich klagen soll. Aber dann habe ich mich entschieden, mit der Geschichte zu gehen und die Sau rauszulassen. Solange das im Rahmen bleibt, kannst Du über mich schreiben, was Du willst. Das ist mir völlig egal. Und das ist ne Basis, auf der die Medien gerne mit dir arbeiten, weil du dann immer irgendwelche Dinge hast, die die Leute kopfschüttelnd, schmunzelnd oder begeisternd zur Kenntnis nehmen. Diese Geschichten "Ich gebe keinen Kommentar" und "Wenn Ihr das schreibt, dann ist das", das habe ich alles hinter mir. Das ändert nichts. Dann schreiben die nur noch über den mit debilis mentalis behafteten Schlagerträllerer, der angepasst in der Ecke steht. Das muss ich auch nicht haben.

 

COCKTA!L Stimmt es eigentlich, dass ein Facharzt Sie mal untersucht hat, um zu bestätigen, dass es keine Eingriffe gegeben hat?

 

Jürgen Drews Ja, der hat mir bestätigt, dass da nie im Leben ein Skalpell dran war - was dann schon wieder ne neue Story für die Bildzeitung war. Ich hatte damit ein halbes Jahr gewartet, und als das dann raus war, habe ich nur noch Blödsinn geredet und überhaupt keine Angst mehr gehabt. Und seitdem läuft´s tierisch. Ich habe mir deren Regeln zu eigen gemacht. Jetzt habe ich ewig ne Kamera vor der Nase, weil die wissen, irgendwas Bescheuertes kommt bestimmt. Ich hab ja seit eineinhalb Jahren keine Scheibe mehr gemacht, wo Ihr dann sagen würdet: Hey, das ist ja geil. Das kommt aber noch, warte mal ab.

 

COCKTA!L Das mit dem Pornodarsteller, der sich als Ihr Sohn ausgegeben hat, ging Ihnen also nicht zu weit?

 

Jürgen Drews Als es mir irgendwann zu weit ging, hat mein Rechtsanwalt eine eidesstattliche Erklärung erwirkt, die er dem Typen vor der Schreinemakers-Sendung unter die Nase gehalten hat: Mein Lieber, ein falsches Wort on air, und du bist dran. Die Idee an sich fand ich aber schon witzig. Unterm Strich war es Werbung für mich und Werbung für den Jungen. Der war bloß vom Kopf her nicht clever genug. Wenn er die richtige Scheibe gebracht hätte, könnte er jetzt im Medium mit schwimmen. Die Sache wäre längst vergessen, und jeder würde ihm auf die Schulter klopfen - ich selbst auch.

 

COCKTA!L Am 2. April werden Sie 50. Machen Sie sich eigentlich oft Gedanken über das Alter?

 

Jürgen Drews Ich mache mir genauso meine Gedanken darüber wie, glaube ich, jeder normal denkende Mensch. Was ich nach außen hin mache, ist ja höchstens ein Viertel meiner Wesensstruktur. dass ich überlegt habe, wann werde ich gebrechlich, wann gebe ich den Griffel ab und so, das hatte ich schon mit 20. Meine Midlife-Krise hatte ich vor drei, vier Jahren - wo du sagst: Schade, Mensch, ich würde jetzt gerne stehenbleiben. Aber bisher hatte ich in Krisen eigentlich immer das Glück, dass ich im zwischenmenschlichen Bereich aufgefangen wurde. Wenn ich jetzt irgendwo in ner Ehe leben würde, wo mir die Frau nicht mehr gefällt, dann würde ich wahrscheinlich eine echte Midlife-Krise bekommen. Aber dafür habe ich einen zu guten Motor, glaube ich. Sobald etwas nicht stimmt, würde ich wahrscheinlich wieder mehrere Frauen haben, wie ich´s immer eigentlich hatte. Aber zur Zeit habe ich ne junge Frau, die ist 25, hab ne junge Tochter von zweieinhalb Jahren, und ich bin so bis untern Stehkragen voll der Liebe, dass es für mich wirklich ein tolles Refugium ist.

 

COCKTA!L Was haben denn eigentlich Ihre jetzigen Schwiegereltern gesagt, als Ramona erzählt hat: Ich bin jetzt mit Jürgen Drews zusammen?

 

Jürgen Drews Die war´n absolut nicht dafür. Aber das ist ja klar. Wenn man ne zu behütende Tochter hat, dann würde ich genauso reagieren. Woher sollen die mich kennen?

 

COCKTA!L Ist Ihre Familie auch bei den Konzerten dabei?

 

Jürgen Drews Wir haben ein Klettenverhältnis miteinander. Wir sind fast nur zusammen. Jetzt holen wir uns gerade eine kleine Bleibe in der Münsteraner Gegend, dann wohne ich schon urlange in einem Reihen-Eckhaus in München und noch auf Mallorca, und wir sind immer zusammen. Wir pendeln.

 

COCKTA!L Ist Ihr Kind gerade dabei?

 

Jürgen Drews Ja, mein Kind ist gerade im Wagen. Das habe ich heute mal mitgenommen. Schläft, fühlt sich wohl, kommt normalerweise mit auf die Bühne und solche Geschichten. Das macht einem Kind überhaupt nichts. Ich plädiere dafür, am Busen der Mutter groß zu werden - auf der nackten Haut. Dann steht das Kind auf richtig gesunden Füßen.

 

COCKTA!L Gibt es eigentlich auch Frauen, denen Sie ausweichen, weil das so komisch geendet ist?

 

Jürgen Drews In meinen langen Beziehungen keine einzige. Alles wunderbar. Gut, da gibt´s Querelen. Ich habe mit meiner Ehefrau, mit der ich mal verheiratet war, tierischen Zoff - aber nur wegen meiner Frau, mit der ich jetzt zusammenlebe. Das ist eigentlich alles.

 

COCKTA!L Und wie kommen Sie klar mit den vielen Namen? Wenn Sie eine Ihrer Exfreundinnen wiedertreffen, wissen Sie doch gar nicht mehr, wie die heißt.

 

Jürgen Drews Das weiß ich grundsätzlich nicht, weil ich kein Namensgedächtnis habe. Das habe ich geerbt von meinem Vater, der seine Patienten oft mit ganz anderen Namen titulierte, obwohl er sie schon jahrelang kannte. Das ist auch das einzige Handicap, was ich immer bei der Moderation der Deutschen Schlagerparade hatte, dass mir die Namen von Kollegen einfach nicht einfielen.

 

COCKTA!L Ich habe gelesen, dass Sie eine Telefonmacke haben. Was ist denn darunter zu verstehen?

 

Jürgen Drews dass ich soviel telefoniere, dass ich in einem Monat im vorigen Jahr 4.500 Mark auf meinem Handy hatte. Das muss man eindämmen. Das ist wie´ne Krankheit.

 

COCKTA!L Lesen Sie eigentlich auch viel? DREWS Ich lese sehr viel. Momentan bin ich zwar mehr auf dem Spiegel-Trip, aber davor habe ich viele Bücher gelesen, ganz verschiedene. Manchmal habe ich Geschichtsbücher vor, dann habe ich jetzt gerade das Tao der Physik gelesen, das ist ein Buch von Professor Copolar oder wie er heißt, weiß ich jetzt gar nicht mehr, da geht es um die Frage, wieweit sich die Physik der Esotherik annähert und umgekehrt - also divergierend zu dem, was man eigentlich von einem Schlagersänger erwartet. Ich höre liebend gerne Klassik und Pop und bin zum Beispiel auch ein Grönemeyer-Fan, weil das einer der tiefsinnigsten und ehrlichsten im Rockbereich ist. Oder... äh, sag schon, ach, wie heißt der wieder? Heinz-Rudolf Kunze, das ist zum Beispiel einer der Begnadetsten. Der müßte eigentlich hoch und runter gespielt werden.

 

COCKTA!L Und welche CD haben Sie zuletzt gekauft?

 

Jürgen Drews Weiß nicht, vielleicht Phil Collins. Ach doch, die Dings. Die auch den Film von der Titanic da,... wie heißt die noch?

 

COCKTA!L Celine Dion. DREWS Celine Dion, die hab ich alle, die LPs. Und dann hole ich mir jetzt eine von dem Saxophonisten, äh...

 

COCKTA!L David Sanborn?

 

Jürgen Drews David Sanborn hatte ich selber mal auf ner Scheibe drauf von mir. Ähm... (sucht wieder) ...den habe ich auch in meiner USA-Zeit mal kennengelernt. So´n Sopransaxophonist, ich komm auf den Namen nicht. So einer mit ganz vielen lockigen langen Haaren, das ist´n geiler Typ.

 

COCKTA!L Kenny G.?

 

Jürgen Drews Ja, genau der.

 

COCKTA!L Was ist denn in der nächsten Zeit von Ihnen zu erwarten? Wollen Sie nicht mal eine Talkshow moderieren?

 

Jürgen Drews Das möchte ich nicht. Ich fühle mich erstens nicht dazu befähigt, und zweitens habe ich auch gar keine Lust dazu. Wenn, dann würde ich wieder mal ne Musiksendung moderieren. Da habe ich auch zwei Angebote. Ich habe ja von 1989 bis 1994 die Deutsche Schlagerparade moderiert - bis dann diese Geschichte mit dem gelifteten Hintern kam, da haben wir uns im gütlichen getrennt. Wir wollten sowieso nur 50 Sendungen miteinander machen, und nun hatte ich schon 65, und da haben wir gesagt, wer weiß, ob das Publikum mich meiden wird, wir setzen es erstmal aus. Aber wenn der liebe... ähm..., na, bin ich denn bescheuert,... Chris Rea... nee, wie heißt der noch, der jetzige Moderator?

 

COCKTA!L Jens Riewa.

 

Jürgen Drews Jens Riewa, natürlich. Ich hab nur den Sound vom Namen im Ohr gehabt. Wenn der irgendwann nicht mehr will, dann bin ich schon wieder auf der Startrampe, dass ich es vielleicht mal wieder mache. Ansonsten stricke ich an meiner Best of mit ganz neuen Versionen, bin ein Typ, der gerne auf Menschen zugeht, der auch mal fünfe gerade sein lässt und der für jeden Scherz zu haben ist. Und der möchte ich auch weiterhin sein.