Oscar-Preisträger Nicolas Cage gehört zu den vielseitigsten Darstellern überhaupt, ist gleichermaßen bekannt für seine dramatischen Darstellungen wie auch als witziger Performer in schrulligen Komödien, während er gleichzeitig in hochtaktigen Action-Abenteuern weltweit Kassenrekorde aufstellt. Aus seiner erfolgreichen Zusammenarbeit mit Jerry Bruckheimer gingen Blockbuster hervor, die weltweit die Herzen der Zuschauer eroberten. Der soeben gestartete Film "Duell der Magier" ist Nicolas Cages siebter Film für Produzent Jerry Bruckheimer.

 

CHEXX Beschreiben Sie bitte, welche Geschichte "Duell der Magier" erzählt.

 

Nicolas Cage Es ist eine Geschichte über den einsamen Magier Balthazar Blake, der seit 1.000 Jahren nach dem Obersten Merlinier sucht, dem einen Magier also, der Merlins Kräfte erben und die Welt retten wird. Jay Baruchel spielt Dave Stutler, der möglicherweise dieser Oberste Merlinier ist, denn er ist der Einzige, der den Drachenring tragen kann. Nachdem Balthazar Dave gefunden hat, muss er ihn auf seinen Kampf gegen das Böse vorbereiten und ihn trainieren.

 

CHEXX Wie kamen Sie auf die Idee zu "Duell der Magier"?

 

Nicolas Cage Ich war schon lange an der Mythologie von König Artus interessiert - an der Legende und an der Überlieferung. Ich hatte beträchtliche Zeit in England verbracht, ganz besonders in Somerset, dem Ursprung all dieser Legenden. Beim Lesen der Geschichten über König Artus ging es mir so ähnlich wie als Kind, als ich Comics gelesen habe - mein Interesse wurde neu entfacht und ich wurde inspiriert. Und mir kam die Idee, dass ich Filme drehen wollte, in denen das alles irgendwie Nachhall finden konnte - Filme, die eine heilende Kraft und eine positive Aussage besaßen. Ich wollte sehen, ob ich Magie und Fantasie zur Unterhaltung der Zuschauer einsetzen konnte, ohne Blutrausch zu fördern und auf Gewalt zurückzugreifen.

 

CHEXX Sie sind Hauptdarsteller und Ausführender Produzent des Films. Können Sie ausführen, wie Sie Ihre ursprüngliche Idee schließlich auf die große Leinwand brachten?

 

Nicolas Cage Wir präsentierten unsere Idee einigen Autoren und erhielten schließlich eine erste Drehbuchfassung. Dann führte eines zum anderen. Wir gaben das Skript Jerry Bruckheimer, der davon sehr angetan war. Jerry versteht es großartig, Menschen zu unterhalten und ihnen ein großes rasantes Spektakel zu bieten - ein echtes Abenteuer. Jerry schafft es auch, Dinge schnell in Gang zu bringen. Dass er das Skript mochte, fand ich großartig, denn ich wusste, dass wir jetzt einen großen Filmspaß für die ganze Familie machen würden. Dann haben wir Jon Turteltaub zu dem Projekt gebracht. Jon und ich haben sehr gut bei "Das Vermächtnis der Tempelritter" und bei "Das Vermächtnis des geheimen Buches" zusammengearbeitet. Jon besitzt eine Gabe für Komödie und versteht es, mich so zu führen, dass ich locker, zugänglich und in der Spaß-Zone bleibe.

 

CHEXX Haben Sie als Kind Disneys klassischen Zeichentrickfilm "Fantasia" gesehen?

 

Nicolas Cage Ich war sehr jung, als ich "Fantasia" das erste Mal sah. Ich glaube, "Fantasia" könnte auch der erste Film gewesen sein, den ich mit meinen Eltern im Kino gesehen habe. Durch ihn wurde ich in die Welt des Films, der Zeichentrickkunst Walt Disneys und natürlich auch in die Welt der klassischen Musik eingeführt. Während des ganzen Films, nicht nur in der Sequenz vom Zauberlehrling, entführten mich die Bilder aus meiner Welt. Der Film hat mein Leben beeinflusst, alles an ihm hat mich inspiriert. "Fantasia" schaue ich mir immer noch jedes Jahr an, drehe das Licht herunter und verliere mich völlig in diesem Film. Ich begebe mich in diese animierten Wälder, sehe die kleinen Glühwürmchen und die Pilze tanzen - es ist einfach ein Trip. Ich kann einfach nicht anders - ich liebe diesen Film.

 

CHEXX Obwohl "Duell der Magier" kein Remake des Disney-Klassikers ist, kann es sein, dass die Zuschauer den Film anfangs mit "Fantasia" in Verbindung bringen. Waren Sie sich dessen bewusst, als Sie den Film drehten und fühlten Sie sich davon unter Druck gesetzt?

 

Nicolas Cage Ich wurde mehrfach gefragt, ob ich nervös wäre, weil wir uns an einem Disney-Klassiker zu schaffen machten. Ich war aber nicht nervös. Wir haben meines Erachtens einen Film gemacht, der auch Walts Zustimmung bekommen würde. Ich glaube, dass ich zur rechten Zeit am rechten Ort war, um diesen Film zu machen - und zwar so, dass ich Vertrauen in ihn haben würde. Ich habe keine Erwartungen, die ich mit dem Film verknüpfe, hoffe nur, einigen Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern zu können. Besser könnte ich meine Fähigkeiten als Schauspieler nicht einsetzen.

 

CHEXX Warum entschieden sich die Filmemacher, "Duell der Magier" in New York zu drehen?

 

Nicolas Cage Man hat das Gefühl, dass es jeden und alles nach New York zieht und auch alles von dort kommt. Die Stadt ist eine Art Epizentrum der Welt. New York gehörte zu den ersten dreizehn Kolonien. Als die Pilgerväter mit der Mayflower nach Amerika kamen, war das eines ihrer ersten Ziele. Deshalb spürt man immer noch diese historische Aura und eine Art kulturelles Schicksal. Und dann gibt es dort im Stadtzentrum mit dem Chrysler Building und dem Empire State Building diese einzigartige amerikanische Spielform der Art-Deco-Architektur. Außerdem hat die Stadt auch eine geheimnisvolle und unheimliche Seite. Denkt man an all die Filmklassiker, die hier gedreht wurden, wie etwa "King Kong", ist es geradezu unmöglich, von New York als magische Kulisse nicht überwältigt und inspiriert zu werden.

 

CHEXX Was ist das Geheimnis Ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit mit Jerry Bruckheimer?

 

Nicolas Cage Dieser Film ist mein siebter mit Jerry, deshalb vertrauen wir einander und fühlen uns in der Zusammenarbeit wohl. Er versteht, was ich, sozusagen mathematisch, zusätzlich in ein Projekt einbringe – man könnte es den X-Faktor nennen. Ich vertraue darauf, dass Jerry Filme dreht, die der Zuschauer unterhaltsam findet, denn das ist seine oberste Priorität. Und er vertraut darauf, dass ich den XFaktor einbringen werde, der hilft, dem Ganzen in puncto Charakterzeichnung irgendwie Sinn zu verleihen und der sich dann auch in die Geschichte einpasst. Meines Erachtens engagiert er deshalb Schauspieler, die eine andere Perspektive haben als er, weil das seine Erfolgsformel um eine zusätzliche Dimension erweitert. Deshalb ist es eine glückliche Ehe, man versteht sich selbst mit wenigen Worten. Ich kenne seine Arbeitsweise, und er auch meine.

 

CHEXX Sie arbeiten zum dritten Mal mit Regisseur Jon Turteltaub zusammen. Wie darf man sich diese Arbeitsbeziehung vorstellen?

 

Nicolas Cage Jon versteht sich auf Komödie, weiß, wie er aus einer Szene Komik entwickeln kann. Ich interessiere mich für die etwas düsteren Aspekte, für Elemente, die nicht so glatt sind. Deshalb achtet Jon darauf, dass ich die geheimnisvollen Aspekte einer Figur stärker erforsche, und ich helfe ihm, das Komödiantische besser herauszuarbeiten, um den Kontakt zum Zuschauer herzustellen. Es ist also eine gute Mischung, wir sorgen gegenseitig für ein Gleichgewicht.

 

CHEXX Die Chemie zwischen Ihnen und Jay Baruchel scheint im Film mehr als zu stimmen. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

 

Nicolas Cage Ich halte ihn einfach für urkomisch, unglaublich smart und sehr belesen. Man kann ihm zu jedem Thema eine Frage stellen. Er wird sie beantworten, sie mit etwas anderem verknüpfen, und daraus wird man etwas lernen können. So einen Verstand liebe ich. Ich denke, dass wir uns gegenseitig aufrichtig respektierten und schätzten. Wenn wir zur Arbeit gingen, taten wir das mit Freude, weil wir improvisieren konnten, was dann die Szene kreativ nur bereichern würde. Viele Schauspieler mögen es nicht, wenn man improvisiert. Sie fühlen sich dann nicht mehr sicher und ziehen es vor, nah am Drehbuch zu bleiben. Wenn Jay aber in Filmen spielt, nimmt Improvisation großen Raum ein - und bei mir ist das genauso. Deshalb bot sich hier die Gelegenheit für eine Art Jazz-Performance - und das im wahrsten Sinne des Wortes, insofern ich einen anderen Musiker zur Seite hatte, mit dem ich improvisieren konnte.

 

CHEXX Haben Sie als Kind an Magie geglaubt?

 

Nicolas Cage Natürlich, wenn ich es mir recht überlege, habe ich nie damit aufgehört. Ich halte das für sehr wichtig. Ich glaube, dass kein Künstler erfolgreich sein kann, wenn er nicht versucht, etwas aus der kindlichen Gedankenwelt für sich zu behalten. Magie ist kein Hokuspokus.

 

CHEXX Es gibt verblüffende visuelle Effekte in "Duell der Magier". Empfinden Sie diesen Aspekt der Produktion als besondere Herausforderung?

 

Nicolas Cage Als Darsteller mit visuellen Effekten zu arbeiten, finde ich nicht schwierig. Denn diese Situation unterscheidet sich nicht von der eines Kindes, das im Hinterhof oder Garten so tut, als säße es im Cockpit eines Raumschiffs oder befände sich, mit Schwert Excalibur in der Hand, mitten in der Schlacht. All das habe ich nämlich getan, habe es mir einfach in meiner Fantasie vorgestellt. Und darum geht es auch in der Schauspielerei, einfach um Vorstellungskraft.