Detlev Buck ist Schauspieler, Autor, Regisseur und Produzent. Für seine Filme erhielt Detlev Buck zahlreiche Preise, darunter den Bayerischen Filmpreis für seinen ersten abendfüllenden Spielfilm "Karniggels" sowie den Deutschen Filmpreis in Silber für den Besten Film für "Wir können auch anders …" und "Knallhart".

 

CHEXX Wieso heißt der Film "Rubbeldiekatz"?

 

Detlev Buck Wir wollten was Freches. Anika Decker schlug den Titel vor: Rubbeldiekatz ist ein Ausdruck, den sie selbst oft verwendet, wenn sie will, dass etwas schnell erledigt wird. Wo sie herkommt, sagt man das. Ich fand das sehr witzig. Er ist nicht anzüglich gemeint, sondern frech, er bringt Spaß, ist schnell - wie der Film. Der Ursprung des Ausdrucks ist jüdisch: Das Geld von jüdischen Kaufleuten war in ein Katzenfell eingenäht, und wenn man ein schnelles Geschäft macht, dann rubbelt man die Katze, das Katzenfell. Ist also historisch.

 

CHEXX Wie ist die Zusammenarbeit mit Drehbuchautorin Anika Decker?

 

Detlev Buck Wir haben sie gar nicht als Arbeit empfunden. Wir haben es einfach laufen lassen, und das war gut. Wir beide hatten den Ehrgeiz, das zu schaffen. Wir spielen uns gegenseitig die Bälle zu - einfach toll. Wir lachen über dieselben Sachen.

 

CHEXX Woher stammt die Film-im-Film-Idee?

 

Detlev Buck Film im Film interessiert mich normalerweise nicht, weil nichts langweiliger ist als der Job eines Filmemachers. Für mich geht es in "Rubbeldiekatz" eher um "Arbeiterklasse meets Glamour". Ich liebe Kontraste, ich liebe Veränderungen, wenn sich jemand auf eine Reise begibt. Für mich gibt den Ausschlag, dass hier viele Elemente zusammenkommen: Jede Figur hat ihren eigenen Plan, und jede Figur hat auch ihre eigene Würde. Ich will keine Gags machen, keine Figur verkaufen - so etwas liefe für mich unter "Comedy". Wir haben eine "Komödie" gemacht, die viel mit Würde zu tun hat.

 

CHEXX Warum nach so langer Zeit wieder eine Komödie?

 

Detlev Buck Ist das schon so lange her? Es bot sich an. Ich entscheide nicht überlegt, sondern nach Gefühl. Same Same But Different hat sicherlich auch komödiantische oder komische Elemente, weil das Leben immer tragikomisch ist, und mir hat die Geschichte imponiert. Aber die Dramatik steht im Vordergrund. Deswegen habe ich nicht gesagt: "Ich muss jetzt wieder eine Komödie machen." Ich habe mich nie in Schubladen stecken lassen. Mich interessiert die Geschichte - ich will keine Genres bedienen. Ich habe vielleicht eine wiedererkennbare Handschrift, aber keinen eindeutigen Stil. Ich finde möglichst unterschiedliche Filme interessanter.

 

CHEXX Wer sind die Honks?

 

Detlev Buck Eine Familie: Der Älteste, Jürgen, war ein nicht geplantes Kind. Doch die Eltern sind zusammengeblieben. Dann kam Sebastian, der Basti, ein Sandwich-Kind, das besonders viel Liebe braucht und auch der Sensibelste ist. Dann kommt der Filou, also der Benjamin, der Alexander. Der Alexander hat in der Schule den Jan kennen gelernt, und der kam immer zum Mittagessen. Dadurch gehört er zur Familie. Und irgendwann sind sie aus der Provinz in die Stadt gezogen, weil es nicht so recht Arbeit gab, und der Alexander ist Schauspieler. Sie machten aus der Not eine Tugend, sodass Jürgen Alex’ Manager wurde.

 

CHEXX Warum spielst du den Jürgen?

 

Detlev Buck Ich habe "Tootsie" angeguckt und mir gesagt: Sydney Pollack spielt den Manager, also kann das ich auch.

 

CHEXX Bringt das Schauspielern dich als Regisseur näher an die Protagonisten?

 

Detlev Buck Manchmal ja, das stimmt. Ich habe das öfter schon gemacht, und es fällt mir nicht schwer. Schon beim Schreiben erlebe ich eine Szene als Schauspieler. So sind die Honks entstanden - sie waren zunächst nur eine WG, aber keine Familie.

 

CHEXX Wie hast du aus Matthias Schweighöfer eine Frau gemacht?

 

Detlev Buck Wir waren früh schon beim Kostümbildner, haben Kleider ausprobiert und Fotos gemacht. Matthias stürzt sich in die Rolle, er will entdecken, wie das funktioniert, ist sehr neugierig, gar nicht unsicher. Er versteckt sich nicht hinter einer Brille wie Tootsie und Mrs. Doubtfire. Der Regisseur in unserem Film sucht die "nordische Frau". Wie sieht die aus? Natürlich ist sie eine etwas stabilere Frau mit Ausdruck. Wenn Matthias sich in eine Frau verwandelt, muss er überzeugen. Und das tut er auf ganzer Linie.

 

CHEXX Hast du dich in Matthias verliebt?

 

Detlev Buck Jeder Regisseur verliebt sich in seine Hauptdarsteller. Muss er!

 

CHEXX Wie ist Alexandra Maria Lara dazugekommen?

 

Detlev Buck Ihr hat die Rolle sehr gefallen, weil sie viele Facetten zeigen kann, sie darf auch mal arrogant sein, gleichzeitig aber auch total unglücklich - die ganze Bandbreite. Und sie passt sehr gut zu Matthias. Die Chemie muss immer stimmen. Das ist ein angenehmes Verhältnis zwischen den beiden, sehr liebevoll.

 

CHEXX Sind die Schauspieler der anderen Honks über das Casting dazugekommen?

 

Detlev Buck Ja. Man muss sich kennen lernen. Das ist schon wichtig. Ich will dabei gar nicht viel erfahren, ich will nur wissen, ob man Katastrophen beim Dreh voraussehen und vermeiden kann. Trotzdem gibt es natürlich immer Katastrophen.

 

CHEXX Warum Guido Maria Kretschmer als Kostümbildner?

 

Detlev Buck Von ihm kam dieser großartige Satz: "Ach, Nazis! Also Strickmoden und Schnitte, emanzipierte Schnitte, das konnten sie. Und Frisuren." Guido ist genau der Richtige, weil er diesen Glamour beherrscht, Frauen schön machen kann und gleichzeitig Humor hat. Er geht mit großer Liebe an die Sache - das sieht man den Kostümen an. Sie sind nicht dezent, sie haben Verve. Das mag ich.

 

CHEXX Wieso hast du dich für Kameramann Marc Achenbach entschieden?

 

Detlev Buck Ich kannte Marc von sehr vielen Werbespots - da hat er ganz hervorragende Arbeit geleistet. Er ist sehr ehrgeizig - das schätze ich an meinen Mitarbeitern, denn dadurch geben sie auch mir Kraft.

 

CHEXX Woher kommt die Geschichte mit dem gemeinsamen Konto der Honks?

 

Detlev Buck Das habe ich mir nicht ausgedacht, das gibt es wirklich: Die Autoren, die "Knallhart" geschrieben haben, Zoran Drvenkar und Gregor Tressnow, sind Freunde und haben tatsächlich eine gemeinsames Konto. Ihre Ehefrauen finden das nicht so toll, aber ich umso mehr. Deshalb habe ich übernommen, dass jeder der Honk-Brüder nur eine Ziffer der PIN-Nummer kennt, und Jürgen zwei.