Bedeutende Schauspieler werden nicht immer auch zu großartigen Regisseuren - aber Robert De Niros zweiter Regie-Ausflug "Der gute Hirte" beweist, dass er die besten Chancen hat, seine Erfolge vor auch hinter der Kamera zu wiederholen. Der Film skizziert die Anfänge der CIA von 1939 bis zur Invasion in der Schweinebucht 1961 und erzählt eine starke, menschliche Geschichte. In der Rolle des von Matt Damon gespielten Edward Wilson wird klar, welche Opfer diese Patrioten erbringen mussten, die ihr Leben einsetzten, um ihr Land zu beschützen.

 

CHEXX Sie haben an ihrer eigenen CIA Story gearbeitet, sich aber dann entschieden, sich mit Eric Roth zusammen zu schließen?

 

De Niro Ja, es ging um eine etwas andere Geschichte, die nicht unbedingt mit der CIA zu tun hatte. Ich versuchte herauszufinden, um was es sich genau handelte. Die Geschichte ging in eine andere Richtung , an der ich nicht so sehr interessiert war wie an der ganzen Kalten Krieg-, Ost gegen West, der traditionellen CIA-KGB-Geschichte also. Meine Story spielte zu einer etwas späteren Zeit, und als ich Der gute Hirte las, fragte ich Eric Roth, ob er Interesse daran hätte an diesem Projekt mit zu arbeiten. Er hatte kein Interesse, aber wir einigten uns, dass wenn ich Regie bei "Der gute Hirte" führe, er eine zweite Folge schreiben würde, wenn wir das Glück dazu hätten. Dafür gibt es keine Garantie; es ist nicht so einfach.

 

CHEXX Woher kam die Entscheidung zwischen den verschiedenen Zeitperioden hin und her zu springen?

 

De Niro Das ursprüngliche Skript war sehr geradlinig, und über die Jahre entwickelte es sich zu diesem Hin- und Zurückspringen, das ich sehr mochte. Es schien der geeignete Weg zu sein, diese komplizierte Geschichte anzugehen.

 

CHEXX Sie sagen also, dass die CIA direkt aus der Skull & Bones Verbindung aus Yale entstanden ist?

 

De Niro Ja, im Grunde schon. Mehr als nur ein paar der Leute aus der Office of Strategic Services im Zweiten Weltkrieg, so wie der Charakter von Matt Damon, kamen von Eliteuniversitäten wie Yale und Princeton und einige aus Harvard. Sie stammten alle aus der Oberschicht und ihnen lag natürlich mehr an der Zukunft Amerikas aufgrund ihrer Stellung, die quasi dem Adel entsprach. Darum ging es am Anfang.

 

CHEXX Ist die Geschichte heute relevanter, wenn man sich anschaut, wie die CIA heute gegen den Terror ankämpft?

 

De Niro Wie wir wissen, bekommt die CIA jede Menge Aufmerksamkeit, daher ist der dieser Film zu dieser Zeit natürlich recht interessant.

 

CHEXX Glauben Sie, dass das Stigma, dass der CIA heute anhaftet, gerechtfertigt ist?

 

De Niro Ich persönlich glaube das nicht. Ich glaube, es ist viel komplizierter als das. Man weiß einfach zu wenig von dem, was sie tun, und um was es da ganz genau geht. Sie rechnen gewisse Dinge einfach nicht als ihren Verdienst an, aber sie machen natürlich Fehler, wie wir gesehen haben, und hoffentlich werden sich die Dinge ändern. Und dank der Enthüllungen wird das vielleicht irgendwann doch alles in Ordnung gehen.

 

CHEXX Können Sie mir von ihrer umfangreichen CIA-Tour mit Milt Bearden erzählen?

 

De Niro Wir waren in Pakistan und haben auch einen Abstecher nach Afghanistan gemacht. Das war eine schöne Reise. Außerdem sind wir in die frühere Sowjetunion gefahren und haben Milts ehemaligen Gegenspieler vom KGB getroffen, zu dem er in den frühen 80ern Kontakt hatte. Sie hatten einige gemeinsame Interessen, wie den Terrorismus zu bekämpfen, und daher war es eine interessante Reise. Diese Typen waren sehr reale, menschliche Wesen und sehr intelligent.

 

CHEXX Konnten Sie sich einen Eindruck über die Opfer machen, die diese Männer und Frauen bringen?

 

De Niro Ja, das konnte ich. Auf jeden Fall, und sie stehen dafür nie im Rampenlicht. Darum geht es ja - und das ist was ziemlich Besonderes.

 

CHEXX Warum haben Sie so lange gewartet, um ihren zweiten Film zu drehen. A Bronx Tale ist ja bereits 1993 erschienen?

 

De Niro Da ich an "Der gute Hirte" über sieben oder acht Jahre gearbeitet habe und an einem weiteren Projekt für eines oder zwei, das zusammen schon einmal zehn Jahre. Nein, so lange war es nun auch wieder nicht. Aber es hat schon eine sehr lange Zeit gedauert, um fertig zu werden.

 

CHEXX Haben Sie den echten Typen getroffen, auf dem Ihre Figur im Film basiert?

 

De Niro Donovan. Nein, er ist Mitte der 70er gestorben, vor ziemlich langer Zeit. Aber ich hätte mich natürlich ziemlich gefreut, ihn kennen zu lernen.