Dagmar Berghoff über ein enttäuschendes Erlebnis mit Caterina Valente, eine Nachricht, die sie gerne mal vorlesen würde und eine originelle Art, Lampenfieber zu bekämpfen. Am 31. Dezember wird Dagmar Berghoff (56) ein letztes Mal auf merkwürdige Art ihr Nachrichtenmanuskript halten (An der linken Hand fehlt ihr angeblich ein Finger). Um mehr Zeit für ihren - seit 1998 pensionierten - Ehemann, den Chirurgen Dr. Peter Matthaes (63), zu haben, geht sie in den Ruhestand. Vorab trafen wir die Chefsprecherin, die pro 20 Uhr-Moderation laut Bildzeitung kümmerliche 359 Mark erhält, in Braunschweig.

 

COCKTA!L Braunschweig haben Sie noch nie unter den großen Schlagzeilen erwähnt, oder?

 

Dagmar Berghoff Nein, ich glaube nicht.

 

COCKTA!L Wollten Sie schon früher, in der Schule, immer alles vorlesen?

 

Dagmar Berghoff Also, ich habe natürlich auch mal vorgelesen - aber ich war nicht diejenige, die bekannt für ihre Lesekünste war. Ich war auf einer reinen Mädchen-Oberschule, wo wir verschiedene Stücke - meistens Dramen - aufgeführt haben. "Maria Stuart" zum Beispiel. Dort hat sich eher meine Vorliebe für die Schauspielerei entwickelt. Bevor ich als Fernsehansagerin engagiert wurde, habe ich ja auch vier Jahre an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg studiert. Mein Berufswunsch war, Schauspielerin zu werden.

 

COCKTA!L Haben Sie jetzt auch im Fernsehen Lampenfieber?

 

Dagmar Berghoff Ja, besonders vor den Showmoderationen. Ein gutes Mittel dagegen ist, kurz vorher tief und oft zu gähnen.

 

COCKTA!L Bei welcher Nachricht fiel es Ihnen schwer, Ihre Emotionen zu unterdrücken?

 

Dagmar Berghoff Bei mehreren: zum Beispiel bei der Feuerkatastrophe von Ramstein, dem Tod von John Lennon oder dem Anschlag auf Wolfgang Schäuble. Man schluckt und muss weiter lesen.

 

COCKTA!L Und was für eine Nachricht würden Sie gerne mal vorlesen?

 

Dagmar Berghoff Die Zahl der Arbeitslosen ist weit unter eine Million gesunken.

 

COCKTA!L Sind Sie auch, wie viele Sprachwissenschaftler, der Meinung, dass die deutsche Sprache ausstirbt?

 

Dagmar Berghoff Ja, ich finde das sehr schade, dass sich die Leute immer mehr vom ursprünglichen Deutsch entfernen, also bezogen auf die Aussprache. Es ist eine ganz besondere Pflicht der Nachrichtensprecher, dafür zu sorgen, dass die deutsche Sprache nicht verschlurt. Also, es heißt Erde und nicht "Ärde" und werden und nicht "wärden". Ich finde, wir haben eine sehr schöne Sprache, mit der sich ja auch besonders schön dichten lässt. Es ist eine vielseitige Sprache, und es ist schon schade, dass sie durch so viele ausländische Ausdrücke verziert wird. Wobei ein witziges Wort ja "Handy" ist. Das gibt es in keiner anderen Sprache. Das allerdings halte ich für ein griffiges Wort, das wirklich gut passt.

 

COCKTA!L Was schauen Sie sich selbst im Fernsehen an?

 

Dagmar Berghoff Ich gucke gerne spannende Filme, so Psychothriller. Außerdem liebe ich Science-Fiction-Filme. Aber was ich auch gerne schaue, ist Reich-Ranicki, "Das literarische Quartett". Das ist amüsant und informativ. Und natürlich die Tagesschau! Ich weiß sogar ohne auf die Uhr zu schauen, wann es 20 Uhr ist. Nach einer gewissen Zeit hat man die innere Tagesschau-Uhr einfach im Blut.

 

COCKTA!L Was war das schönste Kompliment bzw. Geschenk, das Ihnen je gemacht wurde?

 

Dagmar Berghoff Oh, da muss ich jetzt etwas nachdenken. Das schönste Geschenk war sicherlich mein Ehering, aber das war Schmuck, was Materielles. Also, die Ideen meines Mannes, so ganz spontan kleine Überraschungen zu organisieren, sind eigentlich die Schönsten.

 

COCKTA!L Waren Sie jemals in dem Zwiespalt, einerseits im Mittelpunkt stehen zu wollen und andererseits dem Druck standhalten zu müssen, um den Erwartungen zu entsprechen?

 

Dagmar Berghoff Es ist ja meistens so, dass sich Menschen von anderen immer ein gewisses Bild machen. Und wenn der Mensch dann in der Realität nicht den Erwartungen entspricht, dann sind sie enttäuscht. Ich denke, dass es auch als sogenannter prominenter Mensch am Wichtigsten ist, einfach der Mensch zu bleiben, der man ist. Damit kann man eigentlich nie ganz falsch liegen.

 

COCKTA!L Haben Sie eigentlich jemals einem Prominenten einen Brief geschrieben?

 

Dagmar Berghoff Als ich so 13, 14 Jahre alt war, war ich ein großer Fan von Caterina Valente. Da habe ich ihr einen Brief nach Amerika geschrieben, in dem stand, dass ich gerne ein Autogramm hätte. Damals verehrte ich Elvis Presley, Donovan und Bob Dylan, aber von ihr wollte ich so ein Autogramm. Ich fand das ganz toll, wie sie tanzte, sie war einfach großartig und sehr talentiert. Also habe ich mir ein Foto gekauft und dazu geschrieben: "Bitte schreiben sie was drauf", also irgendwas Nettes. So, und drei Monate später bekam ich dann ein völlig anderes Foto, wo nur "C. Valente" draufstand. Das hab ich dann weggeschmissen. Und vier Jahre später war ich Hörfunk-Moderatorin, und da habe ich sie kennengelernt und ihr diese Geschichte erzählt. Da sagte sie mir, dass sie in Amerika gar nicht an ihre Fanpost rankäme und die Leute dort einfach nur die von ihr vorgeschriebenen Autogrammkarten verschickten. Das hatte ich damals natürlich nicht gewusst und war todentsetzt und sehr böse auf Caterina Valente, dass sie nicht auf mein Foto, was ich für teuerstes Geld gekauft habe, unterschrieben hat.