Fips Asmussen über unlustige Kollegen, neue Witze und eine Sendung, die er mittendrin verlassen hat. Fips Asmussen, das weckt bei vielen Erinnerungen an endlose Busreisen mit aufgekratzten Fahrern, die alternativ Häschenwitze, Za-Za-Zabadak oder Asmussens Karussell-Cassetten in ihr Deck schoben. Dass der Humorist (Richtigen Namen und Alter hält er geheim) in Wolfenbüttel wohnt, ist weitgehend unbekannt.

 

COCKTA!L Wir haben eine Messung vorgenommen: Wenn jeder Deiner Jokes zehn Zentimeter lang wäre, dann würden alle zusammen ungefähr drei Viertel des Erdumfangs entsprechen. Ist das nicht beeindruckend?

 

Fips Asmussen Ja, klar, schon.

 

COCKTA!L Wieviele Cassetten hast Du denn inzwischen schon verkauft?

 

Fips Asmussen Über sechs Millionen. 40 verschiedene Tonträger - alle eine Stunde lang, immer live vor Publikum. Da ist unheimlich viel drin. Zum Teil habe ich ja früher auch Parodien gemacht: Ein Korn im Feldbett und so.

 

COCKTA!L Bist Du reich?

 

Fips Asmussen Reich? An Erfahrung, ja.

 

COCKTA!L Welches war denn Dein erster Witz?

 

Fips Asmussen (überlegt) Das ist schwierig. Der neueste ist auf jeden Fall, wie der Kleine sagt: Mami, was ist eigentlich ein Werwolf? Sagt sie: Sei ruhig und kämm dein Gesicht.

 

COCKTA!L Beschäftigst Du auch Gagschreiber?

 

Fips Asmussen Nee, das denke ich mir alles am Computer aus. Früher habe ich ja nur Seemannslieder gesungen, habe ne Gesangsausbildung gemacht, und als ich dann Sprechen und Gesang auf der Bühne verbunden habe, sind immer alle Leute zum Pinkeln gegangen, wenn ich gesungen habe. So ist mein Programm entstanden.

 

COCKTA!L Ist es okay, wenn man Dich als Vertreter des deutschen Volkshumors bezeichnet?

 

Fips Asmussen Ich erzähl ja auf den Cassetten einige Sachen, um eine Cassette auch mal zu füllen. Da ist auch mal ein Gag drin, den ich nicht mag - so die Richtung: Sagt ein Elefant zur Maus... Aber auf jeden Fall sind es immer Sachen, mit denen sich die Leute identifizieren können. Wenn mich ein Redakteur vom Fernsehen mal zweieinhalb Stunden auf der Bühne gesehen hätte, dann würde ich auch viel mehr Fernsehen machen. Statt dessen kommen Sendungen wie der Pro 7-Quatsch-Comedy Club: Der schwule Typ, der da rumläuft, der ist so was von penetrant - wenn der nicht ein paar Fans dabei hätte, dann würde da kein Mensch lachen. Oder der Mittermeier: In fünf Jahren ist der garantiert nicht mehr zu sehen.

 

COCKTA!L Wie lange bist Du jetzt dabei?

 

Fips Asmussen Ich mach das jetzt 25 Jahre. Aber kein Redakteur kennt mich, wie ich arbeite. Selbst die nicht, bei denen ich was gemacht habe - jetzt zum Beispiel bei Brainpool mit dem Stefan Raab. Ein Skandal! Der hat mich gar nicht zu Wort kommen lassen. Da bin ich dann aufgestanden und rausgegangen. Das ist ein richtiger Arsch. Am liebsten wäre ich zu ihm hingegangen und hätte sein Manuskript zerrissen: "Nun arbeite mal ohne Manuskript, ich mach das immer." Was meinst Du, was ich da für Applaus gekriegt hätte und was am nächsten Tag in der Zeitung gestanden hätte - aber es war leider keine Livesendung... Aber auch bei den norddeutschen Sachen, die ich mache, kennt mich kein Mensch: zum Beispiel bei "Freut Euch des Nordens": Da setzen die mich in der Sendung für so´n paar kleine Dinger ein - primitiv -, und dann sing ich drei Seemannslieder im Vollplayback. Was soll das?

 

COCKTA!L Wenn aktuelle Humoristen dieselben Witze erzählen wie Du, dann wird´s ja bei denen oft als Kult bezeichnet und bei Dir als Zote.

 

Fips Asmussen Ich bin frech, aber ich erzähl nie ne Zote. Zum Beispiel, wenn ich den Gag erzähle: "Kommt einer in die Apotheke und sagt: Guten Tag, ich hätte gerne etwas gegen meine Hämorriden. Ja, meint der Apotheker, dann suchen sie sich mal irgendwas aus hier. Sagt er: Wieso denn das? Ja, ist alles fürn Arsch.", dann hört jemand das Wort Arsch und schreibt sofort, das war ganz schön unter der Gürtellinie. Der hat den Gag gar nicht begriffen, diese Wortspielerei: "das ist alles umsonst, das ist fürn Arsch", wie man sagt, verstehst Du?

 

COCKTA!L Gibt es für Dich auch Tabuthemen?

 

Fips Asmussen Die gibt´s, aber Ausländer sind für mich zum Beispiel kein Tabu. Primitive Leute behaupten, ich wäre ausländerfeindlich, wenn ich das Wort Türke gebrauche. Aber wenn ich das Wort Österreicher oder Amerikaner gebrauche, bin ich´s nicht - warum dann beim Türken? Ich habe beim Karneval in Braunschweig einen kleinen Gag gemacht, wo ich sage: "1683 standen die Türken vor Wien. Wo stehen sie heute? Vor C & A." Kam riesig an. Ich habe keine Lust, so´n Larifarizeug zu machen. Deshalb erzähle ich, wenn große Geschäftsleute dasitzen, zum Beispiel auch über Arbeitslose - vom Ball der Arbeitslosen: "Man sagt immer, die Arbeitslosen haben gar nichts, aber die hatten alles: Kaltes Buffet, zwei Kapellen, riesige Tombola: erster Preis ein Arbeitsplatz. Kein Aas hat ein Los gekauft!" Da steht der Saal Kopf. Und an solche Themen muss man sich einfach ran wagen, weil viele wissen, dass es Arbeitslose gibt, die nicht arbeiten wollen. Die genauen Zahlen hat man noch nicht ergründet, aber man weiß, dass es mindestens zwei Millionen sind, die nebenbei schwarz arbeiten und dann unsere Steuern kassieren... Ich gehe auch immer auf alles ein, was vor der Bühne passiert - ohne meinen Faden zu verlieren. Die meisten Komiker machen im Fernsehen ihre kleinen Dinger und wären auf ´ner Bühne verloren. Stell zum Beispiel mal Esther Schweins auf die Bühne. Die gilt immer als Starkomödiantin: Aber die ist weder Star noch Komödiantin - die liest ein paar Gags vom Prompter ab, das ist für mich kein Können. Da müsst Ihr mal erleben, was ich so mache...