"Eine Chance für die Liebe" auf RTL war 1987 ihr TV-Durchbruch. Doch auch heute - mit 60 Jahren - ist die Münchnerin Erika Berger immer noch sehr energievoll und charmant. Für das nun folgende Interview rief sie im Vorfeld sogar viermal persönlich (!) an, bis sie endlich jemanden dran hatte, der einen Termin mit ihr vereinbarte. Anschließend erzählte die zweifache Mutter u. a., wie sie zu dem wurde, was sie ist und wie sie reagiert hat, als sie ein Telefongast mal "bumsen" wollte.

 

COCKTA!L Sie sind doch eine Kapazität auf dem Gebiet der Liebe und Sexualität...

 

Erika Berger Das ist mein Schicksal.

 

COCKTA!L Warum haben Sie sich dann von ihrem ersten Mann scheiden lassen?

 

Erika Berger Kein Mensch ist vollkommen. Und als ich damals geheiratet habe, war ich 19. Die Scheidung lief, als ich 27 Jahre alt war. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich mit diesen Themen noch nicht so wahnsinnig beschäftigt.

 

COCKTA!L Wenn Sie sich von außen betrachten - möchten Sie dann Ihre eigene Frau sein?

 

Erika Berger Wenn ich ein Mann wäre, würde ich sagen: Lass die Finger von der, die ist ja furchtbar anstrengend, Mensch!

 

COCKTA!L Würden Sie sich als hyperaktiv bezeichnen?

 

Erika Berger Im weitesten Sinne ja, doch. Ich lebe meinen Job, und es gibt so viele schöne Sachen, die man machen kann. Ich möchte immer etwas tun, mit Menschen sprechen, ich möchte mich mitteilen, höre aber auch sehr, sehr gerne zu.

 

COCKTA!L Was würden Sie Ihrem Lebensgefährten niemals verzeihen?

 

Erika Berger Ich würde ihm nicht verzeihen, wenn er mich nicht liebt. Das wäre für mich auch ein Grund, mich zu trennen.

 

COCKTA!L Sie haben sich lange Zeit mit beiden Geschlechtern beschäftigt: Worin besteht der Unterschied, wenn Männer über Frauen oder Frauen über Männer reden?

 

Erika Berger Männer und Frauen sind total unterschiedlich.

 

COCKTA!L Es heißt ja, dass Männer, wenn sie über Frauen reden, schweinischer sind. Ich habe aber festgestellt, dass der umgekehrte Fall vorliegt.

 

Erika Berger Knallhart, ja. Wenn Männer über Frauen reden, geht es schon sehr viel um die Sexualität, es geht um Traumfrauen, um die eigene Potenz. Männer reden gerne davon, wieviele Frauen sie haben und dass sie jede Frau kriegen können. Männer... und das meine ich jetzt nicht böse, Männer sind einfach so gestrickt, dass sie keine Niederlage zugeben. Sie möchten nicht zugeben, dass sie irgendetwas nicht können. Und wenn Frauen über Männer reden, dann geht es einfach darum, dass sie sich untergebuttert fühlen. Sie sagen oft, Männer verstehen uns nicht und modeln sie gerne um. Das ist ein Fehler: Auf der eine Seite wollen wir den Macho, dann wollen wir den Softi, dann wollen wir den guten Hausmann und einen wunderbaren Vater, dann einen fabelhaften Geliebten - das alles unter einen Hut zu bringen, ist für einen Mann zugegebenermaßen außerordentlich schwierig.

 

COCKTA!L Haben Sie jemals Angst gehabt, dass Ihr Ex-Mann über die Beziehung mit Ihnen auspackt, dass er Intimitäten verrät?

 

Erika Berger Also, ich habe da eigentlich auf seinen guten Geschmack vertraut.

 

COCKTA!L Haben Sie schon mal einer Freundin den Kerl ausgespannt?

 

Erika Berger Nee, das habe ich nie gemacht. Und wenn es mir so ergangen wäre, dann wäre ich zur Furie geworden.

 

COCKTA!L Bevor Sie bei "Punkt 9" abgefangen haben, haben Sie Horoskope im Frühstücksfernsehen erstellt. Glauben Sie denn daran?

 

Erika Berger (lacht) Ich glaube genauso an Horoskope wie sie.

 

COCKTA!L Ich glaube aber gar nicht dran.

 

Erika Berger (lacht schallender) Ganz egal. Jeder von uns ist anfällig dafür, wenn etwas Positives in seinem Sternzeichen steht. Ich habe nicht Astrologie studiert, aber es gibt wunderbare Computerprogramme, mit denen man sich das aneignen kann. Horoskope sind eine wunderbare Lebenshilfe.

 

COCKTA!L Sie haben mal bei der Bild-Zeitung gearbeitet. Bekommt man als Angestellte viel darüber mit, ob dort Dinge ablaufen, die nicht ganz ehrlich...

 

Erika Berger Das ist eine Frage, die ich ungern so beantworte, wie ich Ihnen das eigentlich sagen möchte. Ich persönlich habe dort unwahrscheinlich viel gelernt für meinen beruflichen Lebensweg. Ich habe exakt recherchieren gelernt, immer auf den Punkt zu fragen, keine Scheu zu haben, und ich habe gelernt, meine Ellenbogen zu gebrauchen. Ich bin sehr happy, dass ich dort gewesen bin.

 

COCKTA!L Im Internet empfehlen Sie auf der RTL-Seite regelmäßig Bücher. Diesmal unter anderem das Werk "Wenn ich mich selbst verführe". Haben Sie alle diese Bücher wirklich gelesen?

 

Erika Berger Ich habe das Buch gelesen, ja...

 

COCKTA!L Und worum geht es da?

 

Erika Berger Es geht um Selbstbefriedigung.

 

COCKTA!L Danke, reicht. Das war ne` Fangfrage. Ich hätte nicht gedacht, dass Sie wirklich alle Bücher tatsächlich im Kopf haben.

 

Erika Berger Also, nicht mit mir!

 

COCKTA!L Ich denke, das kann man Ihnen zumuten. Welchen Beruf hätten Sie sich noch vorstellen können?

 

Erika Berger Ich bin ein Mensch, der optisch sehr reagiert. Ich wollte wahnsinnig gerne Maskenbildnerin werden. Das habe ich mir dann aber abgeschminkt. Danach wollte ich Schauspielerin werden, aber da hat mein Vater gesagt: Nein, erst einen ordentlichen Beruf! Später bin ich irgendwie in den Journalismus gerutscht und ich bin superhappy darüber.

 

COCKTA!L Gab es denn Abstecher in die Schauspielerei?

 

Erika Berger Oh ja! (lacht sich kaputt). Ich habe bei "Unter uns" gespielt in fünf Folgen und kürzlich erst in einer Komödie, die am 1. Dezember um 20.15 Uhr in der ARD läuft. Das Teil heißt "Seitensprung ins Glück". Das war meine erste Filmrolle, mit richtig ordentlich Text.

 

COCKTA!L Sie wollen aber jetzt nicht etwa noch die Seiten wechseln und zum Film?

 

Erika Berger Ich glaube, ich gehe nicht nach Hollywood - ich bin nicht Verona, verstehst Du!

 

COCKTA!L Sie kennen sich sicher auch mit dem Kamasutra aus. Welche Stellung würden Sie mir als 21jährigem empfehlen?

 

Erika Berger Ha! Sie sind noch wahnsinnig gelenkig, oder?

 

COCKTA!L Ja! Sehr!

 

Erika Berger Dann können Sie das probieren, wo man die Füße hinter die Ohren nimmt!

 

COCKTA!L Haben Sie ne` Nummer im Kopf, wo muss ich da nachschlagen?

 

Erika Berger Weiß ich jetzt nicht! Die orientalischen Liebeslehren klappen nicht einfach so: Man muss sich danach ernähren, und man muss die Kultur verstehen. Wenn man dann schon so alt ist wie ich, dann braucht man am nächsten Tag einen Chiropraktiker... das ist auch blöd!

 

COCKTA!L Wo wir gerade bei Büchern sind: Sie haben sieben Stück geschrieben. Könnten Sie davon leben?

 

Erika Berger Es sind keine Bestseller, außerdem denke ich nicht darüber nach, weil mich mein Beruf nicht anekelt.

 

COCKTA!L Auf welchen Typ Mann stehen Sie?

 

Erika Berger Auf meinen eigenen. Er ist einen Kopf größer als ich, schön rund - also nicht fett: ein gestandenes Mannsbild da, wo ich herkomme.

 

COCKTA!L Wie kommt man von der Zeitung zum Fernsehen?

 

Erika Berger Ich habe 1986 mein erstes Buch geschrieben. Das landete unter anderem bei RTL, die riefen dann an und fragen, ob ich das Thema auch vor der Kamera verkaufen könnte. Es war einfach Glück.

 

COCKTA!L Hape Kerkeling hat Sie mal am Telefon verarscht. Haben Sie danach mal mit ihm darüber gesprochen?

 

Erika Berger Ein guter Freund von mir! Wir haben sogar zusammen gearbeitet. Am Telefon bin ich erst drauf gekommen, als er sagte Bremen. Da dachte ich: Dieser Hund, jetzt hat er mich genagelt! Es war wirklich lustig, genial. Aber ich kannte Hape schon vorher und bin auch jetzt noch gut mit ihm befreundet.

 

COCKTA!L Gab es bei "Eine Chance für die Liebe" oft Situationen, bei denen Sie gedacht haben: Das kann nicht wirklich so sein, da legt mich jemand rein?

 

Erika Berger Aber sicher. Man darf aber über nichts wirklich lachen, damit niemand verletzt wird. Im Laufe der Jahre wird man aber sicherer und weiß mit solchen Situationen umzugehen.

 

COCKTA!L Was war das Seltsamste, was ein Anrufer am Telefon geschildert hat?

 

Erika Berger Das Blödeste - das klingt jetzt vielleicht ein bisschen derb - aber es hat jemand angerufen, und der sagte: "Hallo Erika, du, ich will dich jetzt bumsen!" Da habe ich zu ihm gesagt: "Das ist eine wahnsinnige Idee, aber jetzt geht`s nicht, ich muss jetzt arbeiten!" Und habe aufgelegt.

 

COCKTA!L Worüber würden Sie niemals in einem Interview Auskunft geben?

 

Erika Berger Ich würde niemandem erschöpfende Auskunft über mein Privatleben geben...