Herbert Feuerstein über vergangene Flops, Harald Schmidt und die Arbeit im Fernsehen. 60 Jahre ist Herbert Feuerstein vor kurzem geworden. Und der einzige, der`s wußte, war sein Versicherungsvertreter. Gegenüber allen anderen hält Feuerstein sein Geburtsdatum geheim, "weil Geburtstag nichts zum Feiern ist".

 

COCKTA!L In letzter Zeit sind Sie vor allem durch platte Auftritte in Fernsehshows aufgefallen. Warum eigentlich?

 

Herbert Feuerstein Ich hab sehr viel Scheiße gemacht und schäm mich da auch relativ. Aber ich musste das machen, weil ich ein paar hunderttausend Mark Steuern nachzuzahlen hatte. Wenn sie mit den Kollegen so reden: Es gibt keinen, der nicht irgendein Finanzamtproblem hat derzeit - keinen, der nicht bis zum Gehtnichtmehr gefilzt wurde.

 

COCKTA!L Heißt das, Sie wussten immer schon, wie schlecht die Sendungen werden?

 

Herbert Feuerstein Sehr oft gehe ich auch wirklich im Zustand der Unschuld in Sendungen rein. Ich denke immer, wenn man zu jemandem geht, mit dem man gut kann, dass das auch eine Sendung ist, die der macht. Und dann stellt sich aber oft heraus, dass nicht er das macht, sondern seine Redaktion. Selbst Götz Alsmann rudert ja hilflos in Casino Royal herum, weil er da irgendwas untergejubelt bekommt, mit dem er nichts anfangen kann. Oder Holger Weinert in "Holger´s Tankstelle": Die wollten ja alles mögliche machen. Da hab ich dann gesagt, ich setz mich jetzt in den Wagen und bleib da sitzen. Im Zweifelsfall setze ich mich hin und mach ein böses Gesicht, ne.

 

COCKTA!L Und wie war es mit Ihrer Nebenrolle in Dieter Thomas Kuhns Kinofilm "Der Trip"?

 

Herbert Feuerstein Da war damals das Argument: Hey, komm, die Esther Schweins macht auch mit. Lustig war vor allem, dass der Kuhn so geschwäbelt hat, dass man seine ganze Rolle nachsynchronisieren lassen musste. (Pause) Ein Flop war übrigens auch die Single "Marmor, Stein und Eisen bricht" zum Leo-Film mit Jürgen von der Lippe. Die wird relativ oft eingespielt, wenn ich in Hörfunkstationen zu Gast bin. Und dann merke ich immer an den Gema-Abrechnungen, dass das die einzigen Male waren.

 

COCKTA!L Nach "Schmidteinander" haben Sie interessante Reisesendungen und Tierfilme gedreht, im Radio Klassiksendungen moderiert, den Frosch in der Strauß-Operette "Die Fledermaus" gespielt und Reiseberichte und Essays für den Playboy geschrieben. Dennoch definieren viele Sie ausschließlich über Ihre Zusammenarbeit mit Harald Schmidt. Ärgert Sie das?

 

Herbert Feuerstein Das ist so ein Mythos, der mich zum Teil ehrt, zum Teil aber auch ein bisschen zu langweilen beginnt. Ich glaube, dass ich ihm etliche Impulse gegeben habe, und ohne ihn hätte ich auch nicht die Basis, das zu machen, was ich da jetzt tue, und das war´s dann auch. Eine persönliche Beziehung gab´s nie.

 

COCKTA!L Hat es Sie eigentlich geärgert, wenn Schmidt Ihnen Ihre Pointen kaputtgemacht hat? Wenn er gesagt hat: "Gleich kommt Feuerstein und hat sich einen Bart angeklebt?"

 

Herbert Feuerstein Natürlich gab´s Probleme. Aber Sie können Schmidt nicht angehen. Dann wird er entweder schlecht, weil er dann trotzdem das letzte Wort haben muss, oder penetrant. Man muss ihm den Lacher geben, dann wird er auch gut. Das hat ja meine Rolle leichter gemacht. Ich hab ja auch gelernt, dass es viel mehr erzeugt, wenn ich nicht antworte, sondern nur auf eine bestimmte Art in die Kamera gucke. Dann habe ich zwar verloren, aber gleichzeitig gewonnen.

 

COCKTA!L Haben Sie von Schmidt auch sogenannte Taktiken der Macht gelernt?

 

Herbert Feuerstein Nicht wirklich. Ich kann damit nicht umgehen. Jemand, der in irgendwelche Verliererpositionen gerät, der tut mir leid. Ich könnte zum Beispiel auch nie jemanden feuern. Das einzige, was ich gelernt habe, ist, die Aufnahmeleiter zu quälen - weil die einfach nur den Zweck haben, einen zu nerven. Schmidt war sehr genial bei unseren Livesendungen, indem er etwa so fünf Minuten vor der Sendung verschwunden war. Wirklich unauffindbar. Und die Uhr tickt weg, und die Auftrittsmusik kommt, und der Schmidt ist nicht da. Ich wusste, dass es ein Spielchen war, und er war auch immer auf die Sekunde da. Aber neue Aufnahmeleiter hat das jedes mal in den Wahnsinn getrieben - weil die ja dafür verantwortlich sind, dass derjenige genau am richtigen Punkt steht. Sowas tue ich halt auch gern. Aber ansonsten bin ich eigentlich ein friedlicher Mensch.