Er studierte Cembalo und Klavier am Mozarteum, arbeitete in New York als Journalist, war Pressereferent im Österreichischen Generalkonsulat, erfand als MAD-Chefredakteur die Wörter "lechz", "würg" und "hechel", spielte Theater und drehte neben "Schmidteinander" und "Pssst" unterhaltsame Reiseberichte und Tierfilme: Herbet Feuerstein.

 

COCKTA!L Warum soll man sich Ihren Auftritt anschauen?

 

Herbert Feuerstein Weil er kurz ist. Da muss man nicht lange auf die viel besseren Sachen von den anderen Leuten warten, die dadurch angekündigt werden: Sabine Bulthaup und Cordula Stratmann. Die hat ja den Götz Alsmann schon öfter bei "Zimmer frei" als Nachbarin gestört. Und dann kommt noch Granato Rambocco. Von dem weiß ich eigentlich persönlich noch nichts, aber ich freue mich drauf. Das Ganze wird eine einmalige Sache werden.

 

COCKTA!L Sie machen jetzt ja viele Sachen, die vorübergehend sind. Im Juli waren Sie zum Beispiel für 14 Tage auf dem Luxusdampfer Caronia im Eismeer und haben aus Ihrem neuen Buch "Feuersteins Reisen" vorgelesen.

 

Herbert Feuerstein Na ja, was heißt vorübergehend. Erstens geht das Leben vorüber, und zweitens habe ich mich immer total geweigert, mich in eine Sache einspannen zu lassen, die ewig weitergeht. Dazu bin ich zu neugierig und auch zu eitel. Ich hab also keine Lust, da irgendwelche wöchentlichen Witzsendungen runterzureißen, wenn´s für mich andere Sachen gibt. Das Fernsehen hat leider die blöde Präsenz, dass man immer das nur ernst nimmt, ne. Aber die Sachen, die mich wirklich interessieren, die finden außerhalb statt. Ich habe jetzt fast zwei Monate lang Theater gespielt, hab das Buch geschrieben, moderiere im "Klassikforum" auf WDR 3, Sonntag halte ich einen Vortrag mit Konzert am Schloss in Koblenz, halt so ein bisschen aufgelockert, ich war letzte Woche in Berlin, hatte da bei diesem Jugendfestival das schottische Orchester betreut und so Sachen... das sind Dinge, die mir sehr am Herzen liegen. Na ja, und bei der Kreuzfahrt hatte ich halt keine Lust, für meine Frau und mich 40.000 Mark zu zahlen für 14 Tage, deshalb hab ich drei Kapitel aus meinem Buch vorgelesen. Da sind wir wunderbar umsonst mitgefahren.

 

COCKTA!L Es heißt, Sie sind auch bei der Wiederaufnahme von "Was bin ich?" dabei.

 

Herbert Feuerstein Ja, das fängt im Oktober an. Norbert Blüm ist mit im Rateteam, Vera Int-Veen und die Tanja Schumann von "Samstag Nacht". Das ist die erste große Eigenproduktion von Kabel 1, die versprechen sich sehr viel davon. Ich hab ja damals schon meinen Spaß gehabt bei "Psst" im Rateteam. Da hab ich ja den Schmidt kennengelernt: Da saß so´n hässlicher Riese mit Mundgeruch, und ich dachte: Mein Gott.

 

COCKTA!L Das sind die größten Pläne, die Sie haben, ja?

 

Herbert Feuerstein Nee, ich plane auch noch zu sterben, und ich plane noch so unglaublich viele Sachen, dass ich immer ganz nervös werde, wenn ich da dran denke. Dann muss ich mich sofort ins Bett legen, sonst wird mir schwindlig. Ich würde auch gerne einen Film schreiben und wollte als Musikstudent immer Wagner in Bayreuth als Porno inszenieren, ne. Das Leben ist bunt und reich, und ich hab mich derzeit auch ein bisschen übernommen, aber das ist besser, als wenn man auf der Parkbank sitzt und in die Häuser kuckt. Ich habe letzte Woche auch noch das ARD-Morgenmagazin gemacht, mit Liveschaltungen als "Wessi auf Rügen" - das werden Sie nie erleben, weil Sie nie so früh aufstehen, ne -, drehe jetzt gerade für den WDR ein Porträt mit dem Bastian Pastewka, wo wir zusammen sein Leben durchgehen, aber mit der Unterhaltung im WDR, da läuft also gar nichts mehr. Die haben da kein Geld, keine Lust. Die jubeln alle über "Schmidteinander" und "Feuersteins Nacht" und reden darüber, aber machen ist ne andere Geschichte.

 

COCKTA!L Obwohl Sie inzwischen so viele andere Sachen gemacht haben, definieren viele Sie immer noch ausschließlich über Ihre Zusammenarbeit mit Harald Schmidt. Ärgert Sie das?

 

Herbert Feuerstein Das ist so ein Mythos, der mich zum Teil ehrt, zum Teil aber auch ein bisschen zu langweilen beginnt. Ich glaube, dass ich ihm etliche Impulse gegeben habe, und ohne ihn hätte ich auch nicht die Basis, das zu machen, was ich da jetzt tue, und das war´s dann auch. Eine persönliche Beziehung gab´s nie.

 

COCKTA!L Haben Sie von Schmidt eigentlich sogenannte Taktiken der Macht gelernt?

 

Herbert Feuerstein Nicht wirklich. Ich kann damit nicht umgehen. Jemand, der in irgendwelche Verliererpositionen gerät, der tut mir leid. Ich könnte zum Beispiel auch nie jemanden feuern. Das einzige, was ich gelernt habe, ist, die Aufnahmeleiter zu quälen - weil die einfach nur den Zweck haben, einen zu nerven. Schmidt war sehr genial bei unseren Livesendungen, indem er etwa so fünf Minuten vor der Sendung verschwunden war. Wirklich unauffindbar. Und die Uhr tickt weg, und die Auftrittsmusik kommt, und der Schmidt ist nicht da. Ich wusste, dass es ein Spielchen war, und er war auch immer auf die Sekunde da. Aber neue Aufnahmeleiter hat das jedes mal in den Wahnsinn getrieben - weil die ja dafür verantwortlich sind, dass derjenige genau am richtigen Punkt steht. So was tue ich halt auch gern... A propos Arschloch. Das erinnert mich an meine Untersuchung auf Hämmorhoiden neulich, beim Proktologen. Das ist der geniale Arzt, der angeboten hatte, bei "Wetten, dass ..." aufzutreten und aus 20 Arschlöchern seine Patienten zu erkennen. Hat man aber nicht genommen. Irgendwie schade, ne.

 

COCKTA!L Eine themenverwandte Frage habe ich noch: Ich habe vor kurzem eine Ausgabe von "Cinema X" gefunden, die Sie betreut haben. Was wird die jetzt wohl wert sein?

 

Herbert Feuerstein Damit können Sie mich eigentlich erpressen, ne. Das habe ich mal mit dem Lutz Reinecke, dem jetzigen Besitzer von Zweitausendeins, gemacht. Das war so´n Softporno, bei dem wir zwei-drei Ausgaben lang in die amerikanischen Vorlagen deutsche Texte reingesetzt haben.

 

COCKTA!L Sie haben die inzwischen alle aufgekauft und vernichtet, habe ich gehört - bis auf meins.

 

Herbert Feuerstein Das ist eines der sonderbaren Gerüchte, die ich selbst gestreut habe. Ich glaube nicht, dass es da sehr viel aufzukaufen gibt. Im heutigen Zeitalter ist es eher harmlos. Haben Sie echt eins gesehen?

 

COCKTA!L Nee, nee, ich wollt Sie nur mal schocken.

 

Herbert Feuerstein Ach so, da hätte ich Sie sonst drum gebeten, mir das mal zu schicken, weil es ja echt... das sind halt so Erinnerungen. Ich gehe ja auch gerne immer zu unseren Klassentreffen, obwohl ich ja eigentlich gar kein Weggeher bin. Ich will doch sehen, was aus diesen Nieten geworden ist. Und was ist aus denen geworden? Rentner.

 

COCKTA!L Wollen Sie selbst, was das Arbeitsalter betrifft, Johannes Heesters nacheifern?

 

Herbert Feuerstein Das Wunderbare an Jopi Heesters ist ja, dass er jetzt, glaube ich, über 90 ist und aber inzwischen so wenig sieht und hört, dass er nicht mitgekriegt hat, dass er aufhören sollte. Er ist schon sehr, sehr präsent und hat einen hellwachen Verstand. Er hat wahnsinnige Probleme mit den Augen und muss da also Lupen nehmen und muss irgendwie so Buchstabe für Buchstabe seine Rollen lernen und hat deswegen auch das Fax, wo drin stand, dass die Theatertournee zu Ende ist, das war vor 14 Jahren, hat er immer noch nicht fertig gelesen. Aber so weit will ich's nicht..., nein nein, ich will vorher...

 

COCKTA!L Sie erzählen ja gerne Geschichten über sich, die gar nicht stimmen. Können Sie denn zum Schluss noch mal etwas verraten, das alle inzwischen glauben, was aber ausgedacht ist?

 

Herbert Feuerstein Zum Beispiel das Gerücht, dass ich nur 1,65 bin. Ich bin 1,94. Ich bin nur sehr bescheiden und halt mich zurück...