Bei den Roadies des Bayerischen Abends hat Margot Hellwig einen Stein im Brett: "Die ist richtig nett", schwärmt einer mit langer Mähne und ausgelatschten Schuhen . "Als die vorhin hier angekommen ist, hat sie erst mal beim Ausladen mit angepackt." Dass ich fast 30 Minuten zu spät komme (niemand wusste, wo die Garderobe ist), stört sie nicht im geringsten: "Ich habe ja noch Zeit, bis ich dran bin."

 

COCKTA!L Sie haben als junge Frau in München Gesang studiert. Wäre da nie eine andere Musikrichtung für Sie in Frage gekommen?

 

Margot Hellwig Jeder hat ja seinen Traum, den er träumt. Mein Traum ist es gewesen, zur Oper zu gehen. Aber mein Gesangslehrer hat damals zu mir gesagt: "Du hast eine schöne Naturstimme, aber für die Oper ist sie zu leise. Du würdest in einem kleinen Haus landen, wo du dich aufreibst und nicht mehr verdienst als die Garderobiere." Damals habe ich das nicht gerne gehört. Aber heute bin ich froh, dass er so ehrlich gewesen ist. Womöglich hätte ich meine Familie kaputtgemacht. Oder ich wäre eine abgetakelte Diva, die keiner mehr sehen will. Heute singe ich zwar ab und zu auch etwas, was ich nicht so toll finde. Aber das Publikum erwartet eben manches.

 

COCKTA!L Könnten Sie sich eigentlich auch vorstellen, sich selbst zu persiflieren, indem sie Ihre Lieder verrappen?

 

Margot Hellwig Das ist witzig, dass Sie das fragen. Vor kurzem ist man an uns mit der Idee herangetreten, einen Weißwurscht-Rap fürs Oktoberfest aufzunehmen. Das machen wir jetzt auch. Ich bin schon gespannt, weil ich von solcher Musik überhaupt keine Ahnung habe. Die Mami hört sich sowas schon eher mal an. Eventuell soll es auch einen Weihnachtsrap geben. Aber das müssen wir erst noch sehen. Denn peinlich soll es ja nicht werden.

 

COCKTA!L Seit fünf Jahren touren Sie auch ohne Ihre berühmte Mutter. War die Umstellung sehr schwer für Sie?

 

Margot Hellwig Ja. Die Mami hat gesagt, du musst auch mal allein was machen. Und es war wirklich fünf vor zwölf für eine Solokarriere. Leider haben manche überhaupt nicht begriffen, dass wir zweigleisig fahren. Ich habe ja weiter meine Auftritte mit der Mami, nur nicht mehr so oft. Sie hat ja noch das Hotel und das Restaurant "Zum Kuhstall" in Reit. Aber gerade die Presse hat anfangs so Schlagzeilen gebracht wie "Die Hellwigs haben sich zerstritten". Als ich da alleine aufgetreten bin, sind mir die Leute sehr reserviert begegnet, weil sie dachten: So eine Rabentochter. Lässt ihre Mutter jetzt im Alter im Stich. Es hat bald zwei Jahre gedauert, bis sie gemerkt haben, dass es gar nicht so ist.

 

COCKTA!L Nutzen Sie Ihre Position eigentlich auch, um sich für andere zu engagieren?

 

Margot Hellwig Es gibt immer wieder Benefizkonzerte, bei denen ich auch auftrete - oft zugunsten kranker Kinder. Durch unsere Auftritte haben wir viele Leute kennengelernt, die schwere Schicksalsschläge hinter sich haben. Manche schreiben uns regelmäßig, obwohl sie wissen, dass wir nicht immer die Zeit haben zu antworten. Es gibt auch einige wenige, die unsere Privatnummer haben und uns immer anrufen können. Außer uns haben sie sonst niemanden mehr. Ich habe auch ein Patenkind in Indien, das ich monatlich finanziell unterstütze. Das Mädchen ist mit seiner Familie aus Tibet nach Indien geflohen und lässt sich dort jetzt im buddhistischen Tempeltanz unterweisen. Sie soll sehr gut sein und auch eine schöne Stimme haben.

 

COCKTA!L Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade auf Tournee sind?

 

Margot Hellwig Dadurch, dass ich so oft weg bin, mag ich ganz banale Dinge wie zum Beispiel das Haus putzen oder im Garten arbeiten. Wir haben ein kleines Reihenhaus in München und leben da ganz normal. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, haben wir uns einen Hund aus dem Tierheim geholt, damit wieder ein bisschen was los ist. Außerdem bin ich ein großer Jazz-Fan, und abends gehen mein Mann und ich sehr gern in den Biergarten. Da kann man so viele verschiedene Leute treffen. Das ist eine ganz schöne Atmosphäre.

 

COCKTA!L Angenommen, Sie hätten einen Beruf ergreifen müssen, der gar nichts mit Musik zu tun hat. Was wären Sie geworden?

 

Margot Hellwig Kindergärtnerin! Ich mag Kinder sehr und kann auch gut mit ihnen umgehen.

 

COCKTA!L Und welches waren Ihre skurrilsten Konzert-Erlebnisse?

 

Margot Hellwig Als ich mit der Mami mal in Berlin in der Deutschlandhalle gesungen habe, ist das Mikrofon ausgefallen. Ohne Mikro ist in dieser riesigen Halle natürlich gar kein Durchkommen mit der Stimme. Also sind wir auf der Bühne von Mikrofon zu Mikrofon getanzt in der Hoffnung, dass eins geht. Aber alle waren tot. Oder im Elsass ist einmal der Koffer mit den Bühnenschuhen nicht zu finden gewesen. Da mussten wir in den Schuhen, die wir gerade anhatten, auftreten. Es war Winter, und so kam es, dass wir im Dirndl und dicken Schneeboots gesungen haben. Zum Glück sind die Elsässer ein fröhliches Volk. Die fanden´s lustig.