Irgendwie ist jeder von Peter Lustig geprägt. Denn jedes Kind, das in den letzten 20 Jahren nicht durchgehend Fernsehverbot hatte, konnte dem glatzköpfigen Latzhosen-Träger gar nicht entgehen. In "Löwenzahn" brachte er uns bei, wie Seife hergestellt und Brot gebacken wird. Und in der Folge "Peter geht zur Feuerwehr" konnten unzählige Kinder (die Einschaltqoute bei den Kids liegt bei bis zu 40 Prozent!) sogar Nägel kauend miterleben, wie Lustigs Wohnwagen in Flammen aufging. Der war jedoch schnell wieder renoviert, so dass nun schon über 170 Folgen "Löwenzahn" gesendet werden konnten. Und noch immer steht der mittlerweise 63jährige aus Berlin vor der Kamera. COCKTA!L war bei dem Dreh der neuesten Folge "Löwenzahn" dabei und sprach mit Peter Lustig über den Erfolg einer Glatze vor der Kamera, das Leben im Wohnwagen und die Teletubbies.

 

COCKTA!L Wie kamen Sie zum ersten Mal vor die Kamera?

 

Peter Lustig Ich komme ursprünglich aus der Rundfunk-Ecke und bin gelernter Tonmeister und Toningenieur. Zum Fernsehen kam ich zuerst per Zufall. Da sprach mich mal einer an: "Du, wir haben hier einen schwierigen Fall. Mit schwierigen 0-Tönen, kannst du nicht mal helfen?" So kam ich zum Tonfilm und habe meine ersten Fehler gemacht. Das erste Mal vor der Kamera ist auch schon sehr lange her. Das war in Berlin. Wir hatten dort eine Produktion fertig gemacht, hatten jedoch noch Licht und Film übrig, und da sagte der Regisseur: "Also, dieser Tonmeister, wenn man dem ein rohes Ei auf die Glatze knallt, das wäre doch sehr putzig. Er soll irgendwas Blödes dazu sagen!" Das hab ich dann gemacht, und es war irgendwie lustig - alle haben gelacht und gesagt: "Mach doch nochmal", und das habe ich dann getan.

 

COCKTA!L Als Sie vor 20 Jahren mit "Löwenzahn" angefangen haben, hieß es als erstes: "Kaufen Sie sich mal eine Perücke! Glatzen kommen bei Kindern nicht an".

 

Peter Lustig Ja, das ist richtig. Es hieß: "So können sie doch keine Kindersendung moderieren. Da müssen sie schon ein bisschen jünger aussehen, sie mit ihrer Halbglatze". Da hab ich gesagt: "Nein, das kommt gar nicht in Frage. Ich bin so, wie ich bin. Und so wird man mich schon akzeptieren - und wenn nicht, dann nicht."

 

COCKTA!L Inzwischen gibt es 170 Folgen mit Themen wie "Wie kommen Schnecken zu ihrem Haus?", "Warum fliegt ein Flugzeug?" oder "Wie wird Würfelzucker hergestellt?". Das Internet haben Sie bislang allerdings noch nicht versucht. den Kindern zu erklären.

 

Peter Lustig Also, Computer habe ich schon versucht zu erklären. Ich bin ja kein Technik-Feind, aber ich bin auch kein Technik-Freak. Und deshalb kam bei mir jetzt auch noch nicht das Internet vor, denn da gehe ich noch mit gemischten Gefühlen dran. Ich find's eine so tolle Erfindung nun auch wieder nicht. Und außerdem kann man schlecht eine Sendung darüber machen, wenn der Film erst in einem Jahr gesendet wird. Die Redaktion recherchiert pro Folge rund ein Vierteljahr, und bis es dann gesendet wird, ist man schon wieder total veraltet.

 

COCKTA!L Was halten Sie von den neuen Kinderserien? Zum Beispiel von den "Teletubbies"?

 

Peter Lustig (schüttelt sich) Brrrr! Das ist mein Kommentar dazu! Naja, also ich find diese Art von Sendung halt nicht so besonders glücklich. Ich meine überhaupt, dass es Kindersendungen gar nicht gibt. Es gibt halt das Fernsehen, und das sollten alle amüsant oder lehrreich finden. Dieses Spartenfernsehen finde ich nicht besonders glücklich. Und am allerwenigsten gut finde ich ein Fernsehen, das sich speziell an Kinder richtet, die erst noch eine Sprache lernen wollen, zuhören wollen und etwas lernen wollen . Und denen setzt man nur so was vor, naja ... Aber ich möchte nichts Schlimmes über die Konkurrenz sagen.

 

COCKTA!L Glauben Sie, dass der Erfolg von "Löwenzahn" daher kommt, dass Sie die Kinder ernst nehmen und mit ihnen ganz normal sprechen - eben nicht Kindersprache?

 

Peter Lustig Ja, das haben Sie gut gesagt! Genauso möchte ich es verstanden wissen. Man soll mich nehmen, wie ich bin, und ich verstell mich auch nicht. Ich bin nicht der Kinderonkel. Und die Kinder honorieren das.

 

COCKTA!L Als Lieblingstier haben Sie in einem Fragebogen mal "alle Tiere außer Spinnen" angegeben. Spinnen müssten für Sie als Forscher doch eigentlich besonders faszinierend sein.

 

Peter Lustig Die sind faszinierend, aber ich habe auch einen Grusel davor. Und da bin ich ja nicht der Einzige. Das hat sicherlich mit einem Ur-Programm im Gehirn zu tun, als wir noch Krokodile waren. So erkläre ich mir die Angst vor solchem vielbeinigen Getier. Und das hat sich noch gehalten, und deshalb mag ich Spinnen immer noch nicht so besonders.

 

COCKTA!L Auch unsportlich sollen Sie sein.

 

Peter Lustig Ja, total!

 

COCKTA!L Und wie halten Sie sich dann fit?

 

Peter Lustig Ich bin auch so fit- also fit genug jedenfalls für das tägliche Leben.

 

COCKTA!L Was würden Sie fürs Fernsehen tun? Sich vor Publikum über 100 Tage in einen Containersperren lassen?

 

Peter Lustig Ganz sicher nicht! Ich bin kein Komödiant. Ich mache nur das im Fernsehen, was ich auch normalerweise im Leben mache.

 

COCKTA!L Heißt das, privat erklären Sie Kindern auch gerne mal was?

 

Peter Lustig Ich erkläre es mir selber. Das ist das Geheimnis. Wenn ich irgendwo rumstehe, würde ich mich nie langweilen, weil ich mich dauernd frage: "Warum ist irgendetwas so und nicht anders?" oder "Wie funktioniert irgendetwas"? Und dann kommt man ins Grübeln, "aha, so und so ist das ... " Und wenn ich es dann herausgefunden habe, na, dann gebe ich es auch gerne weiter. Aber in erster Linie frage ich mich immer selber.

 

COCKTA!L Was ist das Überraschendste, was Sie mal während einer Folge von "Löwenzahn" erfahren haben? Wo Sie gesagt haben "hoppala, das wusste ich auch noch nicht!"

 

Peter Lustig Och, das passiert eigentlich in jeder Folge. Irgendwas ist immer dieses "hoppala"! Manchmal passiert auch etwas Abenteuerliches. So zum Beispiel. als wir mit dem Heißluftballon unterwegs waren und in 1000 Metern Höhe in einer Wolke steckten. In derselben Wolke waren auch Düsenjäger am Üben, und die wussten nicht, dass wir auch drin stecken. Na, solche Sachen passieren dann manchmal. Aber es ist ja alles gut ausgegangen.

 

COCKTA!L Es heißt. Sie nehmen auch Vorschläge von Kindern mit in die Sendung auf.

 

Peter Lustig Ja sicherlich! Da kam schon vieles. Von Sauriern bis zu "Wie funktioniert ein Fahrrad oder ein Auto?" oder sonstwas. Die besten Fragen kommen allemal von Kindern, weil die so schön "naiv" fragen können. "Warum hat ein Hund vier Beine?" oder "Warum ist der Himmel blau?" oder "Wie kommt es, dass der Satellit nicht vom Himmel fällt?" Das sind die besten Fragen!

 

COCKTA!L Momentan läuft auf den ZDF-Seiten im Internet ein Erfinder-Contest, bei dem die Zuschauer aufgefordert werden, Eipell-Maschinen, Bettenmach-Automaten oder ähnliches einzureichen. Was haben Sie da bisher schon bekommen?

 

Peter Lustig Da sind schon schöne Maschinen gekommen. Eine "Socken-AnziehMaschine", eine "Schuh-Putz-Maschine", eine "Wie-kriege-ich-meinen-Gegner-zum-Schweigen-Maschine". Indem man ihm nämlich ein Bonbon in den Mund steckt. Da kann kommen, was will, das ist sicherlich alles sehr Lustig. Und ich bin mal gespannt, was noch kommt.

 

COCKTA!L Auf den ZDF-Online-Seiten gibt es auch einen Wohnwagen zum Ausmalen. Der "Löwenzahn"-Bauwagen hat ja inzwischen schon Kultstatus. Eine Ferienfreizeit wirbt sogar mit dem Slogan "Einmal wohnen wie Peter Lustig". Haben Sie privat eigentlich auch schon mal im Wohnwagen gelebt?

 

Peter Lustig Ja sicher. Und zwar im selben Wagen, in dem auch gedreht wird! Das ist alles echt und benutzbar. Allerdings im Winter, wenn es kalt wird, dann ziehe ich doch lieber an eine Zentralheizung. Aber das Leben im Wohnwagen ist herrlich. Man hat alles auf engstem Raum. Man muss sich schon ganz gut überlegen, wie man alles einrichtet und wie man darin lebt. Wenn man das aber richtig tut, ist es einfach ... tja, selber machen, kann ich nur empfehlen.

 

COCKTA!L Wo steht dieser Wohnwagen?

 

Peter Lustig In Bährstadt! Und Bährstadt ist überall. Es ist vielleicht in der Nähe von Entenhausen …

 

COCKTA!L Was war das schönste Geschenk, das Sie zum "Löwenzahn"-Jubiläum bekommen haben?

 

Peter Lustig Eine richtig schöne, fette Torte. Aber auch Gerhard Schröder hat gratuliert. Ich habe mich sehr gefreut. Eine ganze Menge Prominente waren da. Auch einige, die ich gar nicht kannte. Also junge Musiker, wo ich nicht mehr so ganz auf dem Laufenden bin, weil ich doch lieber Mozart höre.

 

COCKTA!L Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, am Ende einer jeden Folge "Abschalten" zu sagen?

 

Peter Lustig Das war eigentlich ein Zufall. Ich hab's am Anfang mal aus Jux gesagt und dann noch ein zweites Mal in demselben Jahr. Das wurde dann zufälligerweise hintereinander gesendet. Und als es dann beim dritten Mal nicht mehr kam, kriegten wir sofort jede Menge Zuschauerbriefe: "Wo bleibt denn das Abschalten? Das wollen wir wieder hören!" Naja, und so ist es dann dabei geblieben.