Auf Einladung der Stadtverwaltung Moskau reiste der Tourismus-Experte Prof. Dr. Frank Schaal von der EBC Hochschule Berlin in die russische Hauptstadt. Moskau. Eine Stadt mit großer Geschichte und herausragender Architektur. Mit imposanten Bauwerken wie dem Kreml, dem GUM (das große russische Einkaufsparadies am Roten Platz), der Basilius-Kathedrale. Sieben nahezu identische Gebäude, im Volksmund Stalins Kathedralen oder Stalinfinger genannt, stehen majestätisch über die Kernstadt verteilt. Viele Museen prägen das Stadtbild. Allerdings auch nicht enden wollende Schlangen von Autos, die sich jeden Tag durch die Stadt wühlen. Überall weht der Wind der vielfältigen und spannenden Geschichte Russlands. Im Grunde ist Moskau, wenigstens für den Innenstadtbereich, eine Bilderbuchstadt für den Tourismus. Doch leider wird die Stadt ihrem Potenzial nicht gerecht. Warum ist das so? Die Gründe lassen sich wie folgt skizzieren: Einreisebestimmungen und Visa, Geografische Lage und Erreichbarkeit als Hemmnis. Es ist nicht so ganz einfach mit der Einreise nach Russland. Ohne Visum keine Einreise. Also sollte man sich insbesondere als Individualreisender sehr frühzeitig darum kümmern. Reiseveranstalter nehmen einem diese Hürde jedoch ab. Die Kosten für das Visum betragen rund 60 Euro. Sich also schnell mal einen Russlandurlaub gönnen und übers Wochenende mit einem Low-Cost-Carrier nach Moskau fliegen funktioniert nicht. Aus dem westlichen Europa ist es dann doch kein Katzensprung. Als nahezu einziges Verkehrsmittel kommt das Flugzeug in Frage. Ein Direktflug von Frankfurt dauert gute drei Stunden. Nur von Reisespezialisten wird gelegentlich der Zug genommen. Teures Image adieu: Heftiger Preisverfall in Russland. Moskau gilt als eine für Touristen teure Stadt. Tourismus vor Ort ist meist einfach zu kalkulieren: Je höher das Lohnniveau und die Lebenshaltungskosten dort sind, umso mehr verlangen auch die Hotels von ihren Gästen. Dieser Mechanismus ist in Russland besonders gut zu beobachten. Doch seit das Land mit heftigen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat (für das Jahr 2015 rechnet die russische Regierung mit einer sehr ernsten Rezession), ist der Rubel im heftigen Sinkflug, man könnte es auch als Taumeln bezeichnen. Für ausländische Touristen ist dies jedoch ein Vorteil, denn das macht wiederum - über den Wechselkurs - auch die Unterkünfte in Moskau günstig. Am 23. Dezember 2013 bekam man für einen Euro lediglich ca. 45 Rubel, am 22. Dezember 2014 waren es etwa 73 (zwischenzeitlich sogar über 90 Rubel). In Sachen Vergleichbarkeit wird schnell deutlich, wohin Moskau steuert: Adieu hohe Preise. So ermittelte zum Beispiel das Portal GoEuro im Dezember einen durchschnittlichen Zimmerpreis von nur noch 55 Euro für die russische Hauptstadt, die damit das Niveau von San Sebastian in Spanien und Istanbul in der Türkei erreicht hat. Teuer ist anders: Gut für den Gast - schlecht für den Gastgeber. Und in Sachen Rubel-Abwertung ist kein Ende ist in Sicht. Um dem entgegenzuwirken hob Russlands Notenbank die Zinsen an. Im Kampf gegen die steigende Inflation im Land und den anhaltenden Wertverfall des Rubels hatte sie ihren Leitzins im Dezember um 6,5 Punkte auf 17 Prozent angezogen. Höhere Zinsen machen die Währung grundsätzlich attraktiver für Investoren. Zum Vergleich: In der Euro-Zone liegt der Leitzins nur bei 0,05 Prozent. Durch diese enorme Leitzins- Erhöhung will Russland potenziell künftig wieder mehr Kapital anlocken. Ob das klappt ist allerdings sehr ungewiss. Das Land hat bisher mit heftigen Geldabflüssen zu kämpfen. Auch das setzt wiederum die Währung unter Druck. Und damit auch die wirtschaftliche Stimmung, die dann doch immer wieder auch mit dem Tourismus korreliert. Moskau zählte in 2013 rund 14,9 Millionen Übernachtungen. Das ist zu wenig, um in der Tourismus Champions League Europas mitzuspielen. Die oberen Plätze werden durch London (ca. 45 Millionen Übernachtungen), Paris (ca. 35 Millionen Übernachtungen) und Berlin (ca. 27 Millionen Übernachtungen belegt. Zu wenig also, um ein touristisches Schwergewicht darzustellen und das, obwohl die internationalen Ankünfte merklich zugelegt haben: von 3,7 in 2009 Millionen auf 5,6 Millionen in 2013. Das ist beachtlich. Allerdings war das auch vor der internationalen Krise und dem Ukraine-Konflikt. Die Zahlen aus 2014 liegen nicht vor, aber man muss kein Prophet sein, um die Richtung des Trends zu erkennen. Wohin geht der Tourismus in Moskau? Eine gute Frage, die angesichts der aktuellen politischen Lage nicht einfach zu klären ist. Zwar wird Moskau durch den Preisverfall des Rubels für ausländische Gäste sehr interessant. Aber die Wirtschaft Russlands taumelt schon jetzt und es wird ganz sicher in 2015 nicht besser werden. Das damit verbundene Ungewisse, die miese Stimmung zwischen den Politikern Russlands und der EU gibt damit vielen potenziellen Gästen auch ein ungutes Gefühl für die Zukunft. Und Touristen reisen nun mal nicht gern in eine Destination mit einem unguten Gefühl im Bauch. Schade für Moskau. Und für die vielen guten Gastgeber vor Ort.

 

Prof. Dr. Frank Schaal ist Vorstandsmitglied im TourismusDialog.Berlin mit Lehrauftrag an der EBC Hochschule Berlin. Foto: Dr. Hubert Thielicke, Pressearbeit WeltTrends.