"Der schönste Platz für die Ferien im Sommer ist Griechenland", sagt mit tiefster Überzeugung und einem Lächeln Konstantinos Tornivoukas. Er ist mit seiner Frau Elina Eigentümer der kleinen Makedonian-Hotelkette. Im Jahr 1927 startete sein Großvater das Familienunternehmen. Konstantinos ist zu einem Viertel deutscher Abstammung. Sein Vater wurde 1925 in Dresden geboren.

 

Foto von Ronald Keusch, Juni 2015

 

Dann siedelte seine Familie 1933 um nach Griechenland. Einige der alten Möbel, wie Stühle in der großen Lobby des Resorts, stammen aus Dresden. In Thessaloniki eröffnete der Großvater eines der ersten Luxus-Hotels. Die Hoteliers Elina und Konstantinos sind bereits die dritte Generation und haben drei Hotels in ihrem Bestand. Besonders am Herzen liegt ihnen das in den 70er Jahren neu angelegte Resort auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki. Es liegt nahe Ouranoupolis, der Grenzstadt zur Mönchsrepublik Athos und mit der Sicht vom Hotelstrand auf den gleichnamigen Berg. An der hier vor 40 Jahren menschenleeren Küste kreisten Seeadler. So entstand der Name des Resorts, den es bis heute trägt: Eagles Palace.

 

Foto von Ronald Keusch, Juni 2015

 

Die Kolonien der Seeadler haben sich auf die knapp vier Kilometer entfernte Insel Amouliani zurück gezogen, auch in Sichtweise vom Hotel. Dafür sind heute auf dem weitläufigen Gelände Eagles Palace viele Schwalben unterwegs. Und in den üppigen Gartenanlagen mit hohen Palmen, Pinien, Zypressen,Wacholder und Blumenrabatten singen im Frühjahr und Sommer sogar die Nachtigallen.

 

Vorsaison mit vielen Gästen

 

Gut belegte Hotelbetten zur Hoch-Saison am Mittelmeer sind, so die einhellige Meinung der Tourismus-Kenner, kein großes Kunststück. Das Eagle Palace hat aber eine hohe Auslastung der Zimmer schon zu Beginn der Vorsaison im Mai und zum Ende im Oktober, bevor es für sechs Monate schließt. Diese Pause wird ausgiebig genutzt, um Jahr für Jahr die Räume zu renovieren und die Anlage weiter auszubauen. Derzeit gibt es 160 Zimmer, Suiten sowie einzelne in sich abgeschlossene Areale mit Bungalows, darunter auch einige sogar mit dem Luxus eines kleinen privaten Swimmingpools. Viele Räume sind individuell gestaltet. Die Bungalows in griechischem und die Suiten in elegantem Stil. Die weitläufige Lobby schmückt sich mit Kult- und Heiligenbildern der russisch-orthodoxen Kirche. Wie gelingt es dem Team um die Hoteliers Tornivoukas, die Touristen auch außerhalb der Hauptsaison in großen Scharen anzulocken?

 

Im Resort wie zu Hause fühlen

 

Foto von Ronald Keusch, Juni 2015

 

"Die Maxime in unserem Resort besteht darin", so Hotel-Chefin Elina, "eine echte familiäre und freundliche Atmosphäre zu schaffen und sehr individuelle Angebote zu offerieren." Dafür hat das Familienunternehmen einige Voraussetzungen geschaffen. Während in der Touristik-Branche und anderswo mitunter viel über Team-Bildung schwadroniert wird, wurde hier im Resort dafür eine grundlegende Basis gelegt. Der Anteil an Stamm-Personal ist hoch, viele sind schon mehr als 20 Jahre im Unternehmen der Familien beschäftigt.

 

Die "Deutsche" an der Rezeption

 

Foto von Ronald Keusch, Juni 2015

 

Zu ihnen gehört der Oberkellner und Barmann mit mehr als 35 jähriger Zugehörigkeit zu der Hotel-Familie, der mit seiner Souveränität und seinem Mutter-Witz an einige Seiten der berühmten Romanfigaur Alexis Sorbas erinnert. Und da ist die "Deutsche" an der Rezeption Efrossini Chatziliadou. Sie hat sich perfekt die deutsche Sprache in einem mehrjährigen Studium am Goethe-Institut in Thessaloniki angeeignet. Jetzt zum Saisonanfang sind die Maschinen von easyjet und Air Berlin nach Thessaloniki schon gut gebucht. Mit ihnen kommen viele deutschsprachige Urlauber und dann ist Efrossini besonders gefragt. Heute begrüßt sie ein Ehepaar aus Graz, das schon einige Dutzend Male hier zu Gast war, mit großem Hallo, einer herzlichen Umarmung und einem Glas Sekt. Das Stammpersonal im Resort vermittelt mit seinen Erfahrungen und seiner Autorität diese Philosophie der familiären Gastlichkeit den Neuen im Hotel. Mit diesem Gütesiegel rangiert das Resort als eine attraktive bekannte Adresse mit bester Referenz in Griechenlands Hotelgewerbe und bei den Angestellten. Es scheint sich auch hier zu bewahrheiten, dass langjähriges Stamm-Personal für eine größere Zahl an Stammgästen sorgt.

 

Die Kameradinnen der Urlauber

 

Foto von Ronald Keusch, Juni 2015

 

Ebenfalls ein glückliches Händchen bewies das Management des Ehepaares Tornivoukas damit, zwei junge Frauen für eine direkte flexible und unbürokratische Betreuung der Gäste im Resort einzusetzen. Olga Mouratidou und Nina Balabanova, beide viele Jahre im Resort beschäftigt, sind die Kameradinnen für Familien mit ihren Kindern, für Paare wie auch für Singles. Sie regeln (fast) alle Hotel-Dinge ob die kostenlosen Shuttle-Touren nach Ouranoupolis oder Fragen rund um den Mietwagen, sind immer da bei Abflügen und Ankünften, klären auftretende Mängel in den Zimmern umgehend und scheinen jeden Gast persönlich zu kennen. Da kann es mal unter deutschen Urlaubern einige Aufregung um geringere Preise unterschiedlicher Reiseveranstalter geben. Doch Frühbucher-Preise (bis zu 30 Prozent Reduzierung) und Unterschiede bei Zimmergrößen und gebuchtem Service klären schnell alles auf. "Die Transparenz im Internet verbietet solche Hotelpreis-Manipulationen von vornherein. Und das ist gut so", unterstreicht Resort-Chef Konstantin Tornivoukas.

 

Die Briten baden lieber im Pool

 

Eine angenehme Atmosphäre im Resort wird auch, so der Hotel-Chef, durch eine ausgewogene Mischung der internationalen Gäste ausgestrahlt. Keine Nationalität sollte überwiegen und der höchste Anteil 20 Prozent nicht überschreiten. Das Resort steuert das recht erfolgreich mit gezielten Werbe-Kampagnen. In der Vorsaison kommt der größte Urlauberanteil aus angloamerikanischen Ländern und meist gleich dahinter rangieren die deutschsprechenden Urlauber. Aber in das Resort kommen auch Gäste aus dem Balkan und Russland, aus Frankreich, Italien, Belgien und Skandinavien. Es gibt bei den Nationalitäten auch unterschiedliche Vorlieben. Die Deutschen baden lieber im Meer, die Engländer sind auf dem Meer lieber mit dem Boot unterwegs und baden lieber im Hotel-Pool.

 

Kloster-Halbinsel ohne Frauen

 

Foto von Ronald Keusch, Juni 2015

 

Einer der spannendsten Ausflüge beginnt 10 Autominuten vom Resort entfernt im Hafen des kleinen Ortes Ouranoupolis. Eine Schiffs-Tour führt an dem mehrere Dutzend Kilometer langen Küstenstreifen der Mönchs-Republik Athos entlang. Hier thronen, meist in die Felsen gehauen, Jahrhunderte alte Klöster, umgeben vom Grün. An der Schiffs-Reling haben sich die Urlaubs-Bildermacher versammelt, um die imposanten Klosterbauten für das Fotoalbum zu Hause aufzunehmen, darunter selbstverständlich auch einige Frauen. Der Zutritt zur Insel ist für alles Weibliche streng verboten, doch auf dem Schiff sind sie berechtigt, sich bis auf etwa 200 Meter zu nähern. Es ist noch nicht so lange her, da durfte die orthodoxe Welt mit dem heiligen Berg Athos auch nur vom Bart tragenden Mann betreten werden. Doch diese Regel wurde von den orthodoxen Glaubensbrüdern inzwischen abrasiert.

 

Wartezeit mit Eiskrem

 

Ein Shuttle-Bus vom Resort bringt die Gäste zum Hafen. Dieses Mal begleitet Nina die Touristen. Beim Abholen gibt es einen kleinen Stau. Einige Gäste-Familien und Paare müssen auf die Rückkehr des Hotel-Busses warten. Nina geht kurzentschlossen in eine kleine Gasse in ein Eiscafe, kommt mit mehreren Portionen Eiskrem zurück. Alles sind freudig überrascht. Dann beordert Nina mit Charme die Wartenden aus der schon recht stechenden Mittagssonne in den Schatten des byzantinischen Turmes an der Hafenmole. So geht familiärer Service.

 

Der Bootname Christina und Ismini

 

Foto von Ronald Keusch, Juni 2015

 

Von Saison zu Saison gibt es auf der weitläufigen Anlage immer wieder etwas Neues. Dazu zählt das im letzten Jahr angeschaffte Motor-Schnellboot, das an der Mole des Hotels festgemacht hat. Es trägt einen Doppelnamen: Christina und Ismini. So heißen die beiden Töchter der Hoteliers, die vierte Generation, die nach Abschluss von Jura- und Wirtschaftsstudium eines Tages das Familienunternehmen übernehmen werden. Wenn der 36jährige braun gebrannte Kapitän Wasili mit dem 360 PS starken Motorboot seine Schiffs-Tour hinüber zur Insel Amouliani macht, dann fährt er auch an dem mehrstöckigen Haus vorbei, in dem er mit, Ehefrau, Eltern, Cousins und Neffen, der ganzen Familie, zusammen wohnt. Neben großen langen Stränden sind hier auch viele kleine romantische Buchten zu finden. Die Lieblings-Bucht von Wasili heißt Tourkolimano. In der Vorsaison jetzt im Mai sind sie noch menschenleer. Die Urlauber können auch ein kleines Boot mieten und selbst zu den phantastischen einsamen Stränden, den kleinen Restaurants und Strandbars der Insel schippern.

 

Viel Sympathie für Griechenland

 

Die ausgedehnten Terrassen-Restaurants mit dem Blick aufs Meer laden die Hotelgäste zum entspannten Essen und Trinken ein. Ein Thema ist natürlich auch Griechenland in den Spitzenmeldungen der Weltnachrichten. Gerade in deutschen Boulevard-Zeitungen werden die Griechen mit viel unsachlichen Vorbehalten und Häme überschüttet. "Die deutschen Urlauber, die zu uns kommen, bringen viel Sympathie mit in unser Land", erzählt Elina. "Hinzu kommt, dass sie spüren: die allermeisten Griechen mögen die Deutschen. Außerdem sind viele Urlauber überrascht, wie wenig hier vor Ort von der Krise in unserem Land mit Europa zu spüren ist."

 

Das Olivenöl wächst nebenan

 

Foto von Ronald Keusch, Juni 2015

 

"Die Urlauber wünschen sich in unserem Resort die griechische Küche und wir beherzigen das natürlich. Wir pflegen enge Lieferbeziehungen mit Produzenten aus der Region beispielsweise in unserem Restaurant Kalmares, unserem Fisch-Restaurant Armyra", sagt Kostantinos. Nicht weit vom Hotel entfernt befindet sich ein kleiner Olivenhain des Resorts mit hundert Bäumen. Nach der Ernte im Spätherbst wird das Olivenöl von nebenan in den großen Restaurant-Küchen eingesetzt. "Aber die Gäste können natürlich auch internationales Essen genießen", ergänzt Konstantinos, "wie eine Auswahl an Sushi in unserem Restaurant Washi mit japanisch-asiatischer Küche." Eine Überraschung für die meisten Besucher sind die Weine aus der Region. Es werden viele Weinproben, sowohl außerhalb aber auch innerhalb vom Resort im eigenen Weinkeller organisiert. Die Hoteliers empfehlen besonders die Weine von Gerovasiliou aus dem Norden Griechenlands. Berühmt sind die hoch klassischen Weine aus dem Weingut Kir Yianni. Dieses Weingut gründete die lebende Weinlegende Yiannis Bouraris, der heutige Bürgermeister der Stadt Thessaloniki. Übrigens ist auch für den " Wein-Muffel" gesorgt. An der Hotel-Bar wird das bekannte Bier "Septem" ausgeschenkt sowie das frisch gebraute Bier "Voreia" aus dem Norden. Beide griechische Biere können durchaus einen Vergleich mit deutschen Klasse-Marken aufnehmen.

 

Foto von Ronald Keusch, Juni 2015

 

Neue Villen für Familien

 

Foto von Ronald Keusch, Juni 2015

 

Die Plätze auf der Terrasse in der Abendsonne sind auch ein Ort für Pläne für die Zukunft: Das neue Projekt der Familie Tornivoukas heißt Eagles Villas. Es werden an der lang gestreckten Küste insgesamt 40 neue Villen mit unterschiedlicher Größe von 65, 80 bis zu 100 Quadratmeter entstehen. Die Zufahrt, eine Betonbrücke vom Hotel, steht schon. Der Baubeginn ist für den Herbst dieses Jahr datiert und schon zwei Jahre später sollen die ersten Urlauber, vornehmlich Familien mit Kindern die unterschiedlich großen Villen beziehen. Die Bauherren Elina und Konstantinos haben angesichts künftig wachsender Gästezahlen keine Sorge. "Unser Strand hier auf Chalkidiki ist so groß, wir haben für alle sehr viel Platz." Weitere Informationen sind unter eaglespalace.gr zu finden.

 

Text und Fotos von Ronald Keusch mit einem Foto von macedonianhotels.