Eine wachsende Zahl von Touristen will per Schiff in ferne Regionen reisen. Deshalb haben große Kreuzfahrtschiffe dauerhaft Konjunktur. Zugleich bevorzugen es aber mehr und mehr Urlauber, fremde Länder authentisch und möglichst individuell zu entdecken. Ist das auf Kreuzfahrten mit dem Schiff möglich? Der kroatische Reiseveranstalter RIVA zeigt mit seiner Kreuzfahrt-Flotte auf der Adria, wie es geht.

 

Foto von Ronald Keusch, Juli 2016

 

Besuch der schönsten Buchten

 

Foto von Ronald Keusch, Juli 2016

 

"Unsere Schiffe fahren in die schönsten Buchten und dort können unsere Urlauber direkt von Bord über Badeplattformen und Leitern am Schiffsheck ungestört schwimmen - kein steiniger Strand und Gedränge", kommt Konsti Gaitanides ins Schwärmen.

 

Foto von Ronald Keusch, Juli 2016

 

Er ist Geschäftsführer der RIVA mit Sitz in München, denn der Anteil seiner Gäste aus Deutschland liegt bei 90 Prozent "Wenn tagsüber bei Sommerhitze die großen Kreuzfahrt-Pötte zu Tausenden in den Urlauberorten ihre Rundgänge machen, gehen unsere Gäste baden. Wenn dann die Massen an Passagieren zum Abendessen auf ihr Kreuzfahrtschiff zurück strömen, gehen unsere Urlauber bei angenehmen Temperaturen zum Stadtbummel an Land und genießen das Essen der regionalen Küche" ergänzt Konsti stolz sein Urlaubskonzept. Und dass in diesem Konzept die Touristen von RIVA abends nicht an Bord, sondern in den Restaurants an der Küste essen, kommt auch bei seinen Landsleuten gut an. Sein Unternehmen ist nachweislich erfolgreich. Während anfangs vor 20 Jahren etwa zehn RIVA Schiffe auf der Andria unterwegs waren, hat sich die Flotte mit gegenwärtig 22 Schiffen mehr als verdoppelt. Insgesamt sind heute pro Jahr 12.000 Urlauber bei RIVA an Bord - eine stolze Zahl. Doch der Ehrgeiz des Unternehmens bestehe auch darin, die schönsten Schiffe zu fahren. Deshalb werden in den Monaten außerhalb der Saison von November bis März die Schiffe ausgiebig wieder fit gemacht.

 

"Herzlich Willkommen an Bord"

 

Das Schiff MY Vita (MY steht für Motoryacht) hat im Hafen von Rijeka fest gemacht. Jeweils am Sonnabend werden die Gäste für eine Sieben-Tages-Tour erwartet. Gegen 12 Uhr sind alle 22 Passagiere der Vita an Bord. Kapitän Silvio Vukovic und seine Mannschaft stellen sich vor: "Ein Herzliches Willkommen an Bord". Die Kabinen auf Ober- und Unterdeck sind bezogen. Das Schiff verlässt den Hafen von Rijeka und erreicht seine betuliche Reisegeschwindigkeit von 10 Knoten (20 km/h). Auf dem Oberdeck sind Liegen, Liegestühle und kleine Sessel verteilt. Überall ist viel Platz. Ein Sonnendach schützt vor den schon am frühen Vormittag stechenden Sonnenstrahlen. Am Ufer zieht langsam die scheinbar endlose karstige Landschaft am Schiff vorbei, immer wieder unterbrochen durch kleine Buchten und vereinzelt am Ufer stehende kleine Häuschen.

 

Das Wasser ist sauber und klar

 

Foto von Ronald Keusch, Juli 2016

 

Kapitän Silvio hat für seine Gäste die erste Bade-Bucht an der Insel Cres ausgesucht. Der Erste Offizier Slawen Cerni lässt laut rasselnd den Anker auf den Meeresgrund herunter. Ein dickes Tau wird am Ufer befestigt - eine zusätzliche Sicherheit für Schwimmer, die sich nicht so sicher fühlen. Wie jeden Tag sind ein bis zwei Stunden Baden, Schwimmen und Schnorcheln angesagt. Die Passagiere klettern auf Leitern oder springen in das Meerwasser des "Außenpools" der Adria von 31.000 Quadratkilometern - direkt vom Schiff, für ein großes Kreuzfahrtschiff undenkbar. Die Kinder haben Luftmatratzen und Schwimmringe dabei. Die Wassertemperatur mit 25 Grad ist angenehm warm und zugleich etwas abkühlend. Das Wasser ist sauber und klar. Auch ohne Taucherbrille kann man bei dem hellen Sonnenlicht in die Tiefe schauen und ab und an kleine Fischschwärme entdecken. Zurück zur Plattform am Heck des Schiffes warten kleine Duschen, um sich das Salzwasser abzuspülen.

 

Schiffsglocke ruft zum Mittagessen

 

Zur Mittagszeit läutet auf der Motorjacht eine Schiffs-Glocke - Mittagszeit. Auf dem an den Seiten offenen ersten Unterdeck servieren Kellnerin Doris und 1. Offizier Slawen das Mittagessen. Schiffskoch Martin und sein Küchengehilfe Mario bieten mit Vorsuppen, Hauptgang und Nachtisch eine abwechslungsreiche kroatische Küche mit viel Fisch und Salaten. Ein Freiluft-Mittagstisch, zu dem jeder Gast auch kroatische Biere und Weine sowie Espresso aus der italienischen Kaffeemaschine bestellen kann. In den nächsten Tagen macht MY Vita weitere Badestopps nahe der Inseln Skarda sowie Rava.

 

Entdeckungstour auf Landgängen

 

Foto von Ronald Keusch, Juli 2016

 

Am späten Nachmittag erreicht MY Vita einen der Häfen auf der Tour von Rijeka durch die Kvarner Inselwelt. Zu dieser Zeit ist die Sonne nicht mehr so heiß und in den nächsten Tagen stehen Landgänge auf dem Programm. Sie führen die Kreuzfahrer zu den einzelnen Reisestationen wie den Orten Mali Losinj, Cres, Krk, den Fischerort Sali auf der Insel Dugi Otok und die berühmte Stadt der Kirchtürme Rab mit ihrer frühromanischen Architektur und ihrer jährlichen Anzahl von Sonnenstunden fast wie in einer Wüste. In all diesen Orten ist es für die Passagiere, die an der Rehling stehen, immer wieder spannend, vom Oberdeck genau zu verfolgen, wie Kapitän Silvio seine MY Vita an die Hafenmauer bugsiert und seine Mannschaft das Schiff vertäut. Dann geht es auf Entdeckungstour. Und die Neugierigen finden beispielsweise in dem kleinen Küstenort Sali nach ein paar hundert Meter Anstieg vom Fischereihafen ein bäuerliches Garten-Restaurant. Hier kann der Gast zuschauen, wie sein bestelltes Fleisch knusprig gegrillt wird. Niemand hier wünscht sich da, an einem exklusives Büfett auf einem großem Kreuzfahrtschiff in der Schlange zu stehen.

 

28 Jahre auf der Adria unterwegs

 

Foto von Ronald Keusch, Juli 2016

 

Das Schiff MY Vita bewegt sich langsam durch die phantastische Inselwelt der Kornati. Der 50jährige Kapitän Silvio Vukovic kennt sich sehr gut aus. Er entstammt einer Familie von Seefahrern. Schon sein Großvater steuerte ein Frachtschiff mit Segeln auf der Adria. Auch sein heute 90jähriger Vater Ante steuerte Segel- und Motorschiffe. Sie transportierten auf Frachtschiffen vornehmlich Baustoffe. Mit sechs Jahren, nachdem der kleine Junge Silvio schwimmen gelernt hatte, stand er bereits auf den Schiffsplanken. Heute befördert Silvio nicht mehr Sand und Steine, sondern hunderte Touristen. Die Küstengewässer der Adria sind ihm so vertraut, weil er hier nunmehr seit 28 Jahren unterwegs ist, davon 22 Jahre als Schiffskapitän. Insgesamt 18 Jahre steuerte er das RIVA Motorschiff Mirabela und seit 2014 ist er Kapitän der Motoryacht Vita, die ihm gehört, wie er betont. Und dann fügt er augenzwinkernd hinzu, ein bisschen gehört sie auch der Bank und dem Reiseunternehmen RIVA. Das Familien-Schiff

 

Foto von Ronald Keusch, Juli 2016

 

In den Sommermonaten präsentiert sich die Vita als Familien-Schiff. Die Söhne von Silvio, der 18jährige Wladimir und der 17jährige Peter, die beide eine Seefahrt-Schule besuchen, haben große Ferien und gehen ihrem Vater bei den Anlegemanövern des Schiffes zur Hand. In der ersten Juliwoche ist auch Silvios Ehefrau Maria und sein jüngster Sohn, der neunjährige David mit an Bord. Gewissermaßen sind die Passagiere bei der Familie Vukovic zu Gast.

 

Früher Kabine ohne Klima-Anlage

 

Ein wenig Wehmut kommt bei Silvio schon auf, wenn er an seine ersten Schiffstouren vor einem Viertel Jahrhundert zurück denkt. "Damals hatten wir weder eine Toilette, noch eine Dusche in der Kabine, natürlich keinerlei Klimaanlagen und Doppelstockbetten in den engen Kojen", erinnert sich Silvio. "Dafür saßen wir alle zusammen an Deck, redeten viel, sangen und tranken miteinander bis in die Nacht." Heute stelle er Wifi an Bord zur Verfügung und nicht wenige Urlauber, so Kapitän Silvio, hätten meist ihre Nase über Laptop und Notebook, Smartphone und iPhone und schauen ins Internet.

 

Foto von Ronald Keusch, Juli 2016

 

Dennoch räumt Silvio ein, wohl kaum jemand träumt heute von alten Zeiten, wenn sich auf dem Schiff 25 Passagiere zwei Toiletten und drei Duschen teilen müssten. Silvio und seine Familie sind allerdings froh, noch einen Teil dieser früheren Urlaubs-Stimmung in die neue Zeit hinüber gerettet zu haben. Auch wenn das nicht so einfach ist, wenn die MY Vita mit anderen Schiffen manchmal eng am Kai im Hafen liegt. Zu den Folgen des Massentourismus zählt leider auch, dass es in der Hoch-Saison in den noch weiter südlich gelegenen Küstenorten Split und Dubrovnik über Nacht mit Party-Musik und Techno-Konzerten mitunter recht laut werden kann. "Doch glücklicherweise", so Kapitän Silvio, "ist unsere Adria-Küste lang, exakt 1777 Kilometer lang."

 

"Wunderbare Freundlichkeit"

 

Foto von Ronald Keusch, Juli 2016

 

Manuela und Stefan Scherzer aus Plauen im Vogtland verbringen bereits zum sechsten Mal Ihren Urlaub in Kroatien und waren auch schon mehrere Mal an Bord von RIVA Schiffen. Für die Anreise nach Rijeka, dem Ausgangshafen ihrer diesjährigen Schiffstour, haben sie sich dieses Mal für den Flug zum Urlauber-Flughafen Rijeka Krk entschieden. Manuela Scherzer muss nicht lange überlegen, wenn man sie fragt, warum sie mit ihrem Ehemann immer wieder nach Kroatien kommt und an Bord der RIVA Schiffe geht. "Es ist diese wunderbare Freundlichkeit, auf die wir im Land und auf den Schiffen treffen. Und auf den Schiffen sind wir Urlauber und die Besatzung eine große Familie. Das gefällt uns."

 

Weitere Informationen findet am unter idriva.de und kvarner.hr/deu/tourismus.

 

Text und Fotos von Ronald Keusch