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. veröffentlicht unter Campus
Prof. Dr. Schaal
Prof. Dr. Schaal, Prodekan der EBC Hochschule Berlin und Tourismus-Experte, über ein neues Tourismus-Projekt in Moskau.

Rund 20 Prozent aller Russen leben im Großraum Moskau. Fast 15 Millionen Einwohner zählt Moskau, die Stadt ist damit deutlich größer als London oder Paris. Moskau ist jedoch auch die zukünftige Ausrichterin der nächsten FIFA Fußballweltmeisterschaft in 2018. Schon in 2017 wurden mit dem FIFA Confederations Cup - den die deutsche Nationalmannschft schließlich gewann - die ersten Spiele gespielt, um alle relevanten Infrastrukturen für das Großevent zu testen. Doch die Stadt will sich nicht nur auf temporäre Events verlassen, denn die wirtschaftliche Situation in Russland ist durch die westlichen Sanktionen immer noch angespannt. Es wird interessant werden, wie diese Situation zukünftig gelöst wird.

Moskau will sich mehr als Stadt für den Tourismus positionieren

August 2017

Die Touristen, die 2018 wegen der WM kommen werden, können weit mehr Erlebnisse als nur Fußball wahrnehmen. Moskau ist die wichtigste russische Stadt in Sachen Tourismus. Eine Stadt mit herausragender Geschichte und Architektur. Mit imposanten Bauwerken wie dem Kreml, dem GUM (das große russische Einkaufsparadies am Roten Platz), der Basilius-Kathedrale. Um die Positionierung erfolgreich umsetzen zu können, wurde ein ambitioniertes Projekt angegangen: Es heißt "Dream Island" und soll - so der Anspruch - eine Alternative zu einem Disney-Park werden. Mit einem großen Unterschied, der letztlich auch dem Klima Rechnung trägt. Es wird überwiegend ein Indoorpark. Weltweit gibt es insgesamt 13 Disney-Parks. Im flächenmäßig größten Staat der Welt steht davon allerdings keiner. Um jedoch ein ähnliches touristisches Produkt anzubieten, hat der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobyanin das ambitionierte Projekt seines Vorgängers übernommen. Und es wurden Investoren für einen Vergnügungspark gefunden, der das berühmte Vorbild Disney sogar in mancher Hinsicht noch übertreffen soll. Investieren wird der russische Immobiliengigant Regions Group. Insgesamt sollen es mindestens 1,5 Milliarden Dollar werden, die in den Park investiert werden. Auf einer Fläche von etwa einhundert Hektar wird südlich von Moskau in Nagatinskaya gebaut. Als leitendes Architekturbüro ist das britische Planungsunternehmen Chapman Taylor beauftragt worden. Die Landschaftsplanung liegt bei der italienischen Firma Land Milano.

Indoor-Erlebniswelt soll ganzjährigen Parkbetrieb sichern August 2017

Eine große Herausforderung eines Vergnügungsparks in Russland stellt das Klima dar: ein herkömmlicher Outdoor-Vergnügungspark könnte aufgrund der Wetters etwas mehr als vier Monate im Jahr öffnen. Das ist bei weitem zu wenig für eine ordentliche Rentabilität. Durch das Indoor-Park-Konzept wird "Dream Island" ganzjährig für Freizeitvergnügen sorgen. Der Indoorpark wird in einem einzigen, rund 35 Meter hohen Gebäude untergebracht werden. Anleihen an die Disney-Konzeptionen sind dabei nicht nur zufällig, sondern gewünscht. Das typische Märchenschloss der Disney-Parks zeigt sich architektonisch zwar anders, wird jedoch zu einem zentralen Thema des Parks. Das Mitglied des Aufsichtsrats der Region Group, Amiran Mutsoyev, meint dazu auf Russia Beyond the Headlines: "Alle Schlösser weisen gewisse Ähnlichkeiten auf, also können solche Vergleiche nicht gemieden werden. Der Hauptunterschied ist, dass Disneyland an Kinder gerichtet ist, während die Island für Besucher aller Altersgruppen ausgelegt ist."

August 2017

Fokus liegt auf russischen Charakteren

Es gibt deshalb auch große thematische Unterschiede zum Vorbild Disney: über 60 % des Parks werden nationalen Cartoon- und Animationshelden gewidmet sein. Großzügig unterstützt von Sony Pictures, einem der großen Konkurrenten Disneys. Die rund 40 Fahrgeschäfte und Attraktionen sind nur ein Teil des Parkkonzeptes. Zusätzlich werden eine große Konzerthalle, ein Multiplex-Kino, ein Vier-Sterne-Hotel, ein Yachtclub und eine Segelschule für Kinder auf dem Gelände integriert. Alles zusammen soll jährlich etwa vier bis sechs Millionen Besucher anziehen. Die Investoren gehen jedoch davon aus, dass es vor allem russische Bürger sein werden, die den Park besuchen. Natürlich sollen auch internationale Touristen kommen, der Heimatmarkt wird jedoch deutlich größere Dimensionen besitzen. Stärkste ausländische Besuchergruppe sind die chinesischen Touristen (gut 500.000 Gäste, die 2016 nach Moskau reisten), vor den Deutschen. Insgesamt stehen in Moskau gut 860 klassifizierte Hotelbetriebe mit etwa 15.000 Gästezimmern und fast 230 Hostels zur Verfügung. Ob die ausländischen Gäste den neuen Freizeitpark besonders gut annehmen werden bleibt abzuwarten.

August 2017

Ausbau der Infrastruktur im Stadtgebiet Moskau

Die Stadt wächst und wächst. Und damit auch die Infrastrukturen. Besonders der öffentliche Personennahverkehr entwickelt sich sehr schnell und in aufwändigem Maße. Jetzt schon werden täglich acht bis zehn Millionen Menschen im ÖPNV transportiert. Zu dem momentan bestehenden rund einhundert Kilometer langen U-Bahnnetz sollen bis 2020 unglaublich 75 Kilometer Netzstrecke hinzukommen. Ebenfalls entstehen im Stadtgebiet mehrere Fußgängerzonen und etwa 200 km Radwege. Die Skyline wird sich durch den Bau des dann höchsten Gebäude Europas, dem Federation Tower (374 m Höhe) verändern. Es ist nicht so ganz einfach mit der Einreise nach Russland. Ohne Visum keine Einreise. Da muss man sich insbesondere als Individualreisender sehr frühzeitig tätig werden. Für die Zeit der WM werden vereinfachte Visa-Verfahren für Fußballfans eingeführt. Durch eine spezielle Verfahrensweise wird das FIFA-Ticket zum Visum. Wer als normaler Gast ohne FIFA-Ticket nach Moskau reisen möchte, sollte sich am einfachsten an einen Reiseveranstalter wenden. Sich also schnell mal einen Russland-Urlaub planen und übers Wochenende mit einem Low-Cost-Carrier nach Moskau fliegen, das funktioniert nicht. Auch nicht zur WM. Trotz aller Beschwerlichkeiten: Moskau ist definitiv eine Reise wert.

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Marc Vorwerk
Marc Vorwerk ist einer der Hauptstadtfotografen in Berlin und stets ganz nah am Geschehen.
An dieser Stelle gibt es ab sofort im regelmäßigen Wechsel sein bestes Foto der Woche - exklusiv bei CHEXX.