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. veröffentlicht unter Boulevard
Foto von Ronald Keusch
An diesem ersten Sonntagabend im Juli scheint die Sonne auch nach 19 Uhr noch auf einen Teil der Sitzreihen auf dem Gendarmenmarkt. In diesem Licht kommen der französische und der deutsche Dom rechts und links vom Schauspielhaus besonders zur Geltung. Bei diesem Anblick hat kaum jemand Zweifel, dass der Gendarmenmarkt der schönste Platz der Stadt und vielleicht sogar in ganz Deutschland ist. Der Hamburger Musikproduzent und Musikmanager Gerhard Kämpfe hatte die geniale Idee, diesen exquisiten Standort als Bühne für ein Musikfestival unter freiem Himmel zu nutzen. Seit 1992 erleben nun die Berliner und ihre Gäste auf dem Prunkstück der Stadt Musikveranstaltungen. In den vergangenen 23 Jahren wurden mittlerweile 128 Konzerte gespielt.

Auch das Programm der diesjährigen Saison bietet wieder von Klassik, Filmmusik und Pop, über italienische Arien bis hin zum Sound der „Ohrwürmer“ von Frank Sinatra alles für ein breites Publikum. Am Sonntag, den 5. Juli, wurde eine französische Sommernacht veranstaltet. Der rekordverdächtig heiße Tag hielt die Besucher nicht davon ab, ihren Platz am Badesee etwas früher zu verlassen. Es gab nicht so viele frei bleibende Plätze auf dem Gendarmenmarkt wie bei der Hitze in der Stadt anzunehmen. Zur Tradition gehört, dass der Vater der Konzerte, Gerhard Kämpfe, zunächst einmal Sponsoren und Medienvertreter aufzählt. Das versammelte Publikum akzeptierte diese Eloge an die Sponsoren genauso wie den Fakt, dass das Orchester wie auch die Solisten nicht in der Champions-League, aber durchaus in der 1. Liga spielen. Das betrifft die Nürnberger Symphoniker mit Dirigenten Heinz Walter Florin genauso wie die dänische Sopranistin Lisa Tjalve und den rumänischen Tenor Remus Alazaroae. Nach einigen besonders beim Tenor am Anfang leichten Anlaufschwierigkeiten wurde ein hörenswertes Konzert für die Sommernacht geboten. Besonders hervorzuheben sind die drei Rollen, die sich Dirigent Heinz Walter Florin auferlegte. Er dirigierte mit Bravour die Nürnberger Symphoniker, spielte eigenhändig am Flügel eines seiner Lieblingstücke von Debussy (vielleicht nicht so geeignet für den großen Platz unter freiem Himmel) und führte mit einer angenehmen und kompetenten Moderation durch das Programm. Als er dann wiederholt vom Dirigentenpult zum Mikrofon für die Ansagen griff, war er ein wenig atemlos und fand trotzdem immer die richtigen Worte. Das Publikum dankte es ihm mit viel Beifall.

Aber an diesem Sonntag war im zweiten Teil des Abends auch die Champions-League in der Musik, speziell auf dem Gebiet des Chansons vertreten. Die große deutsche Künstlerin, geboren in Münster, mitunter im eigenen Land unzureichend gewürdigt, heute in New-York zu Hause, ist der große Star auf den Bühnen und in den Studios der Welt. Und diesen Ruf hat Ute Lemper einmal mehr auf dem Gendarmenmarkt voll bestätigt. Als die große Chansonette ihre erklärten Lieblings-Lieder von dem belgischen Sänger Jacques Brel in ihrer Lieblingssprache französisch vortrug, da war die französische Sommernacht komplett.

Ebenso professionell wie Ute Lemper agierten dann die Veranstalter von Classic Open Air. Dunkle Wolken eines schweren Gewitters rückten immer näher. Der Blick vieler Zuschauer richtete sich immer öfter auf die Wetter-Apps vom Handy. Gerhard Kämpfe bat um Verständnis dafür, dass der Weltstar ohne Zugaben ins Hotel fährt. Das Gewitter brach langsam los. „Kommt gesund nach Hause“ rief Veranstalter Kämpfe über den Platz. Es werden viele wieder kommen. Im nächsten Jahr feiern die Veranstalter das 25jährige Jubiläum ihrer Classic Open Air Konzerte mit viel Überraschungen.

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