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the haus berlin art bang
Das hat Berlin noch nicht gesehen und es ist kein Aprilscherz. Am Sonnabend, den 1. April, formierte sich eine lange Schlange mit hunderten Menschen vor einem heruntergekommenen fünfstöckigen Gebäude und wartete auf Einlass. Hier inmitten bester Westberliner Citylage in der Nürnberger Straße 68 ist einem fünfstöckigen ehemaligen Bankgebäude, das voraussichtlich im August auf seinen totalen Abriss wartet, noch einmal für zwei Monate Leben eingehaucht worden. Dafür sorgen rund 150 überwiegend junge Künstler, die ihre bizarren, brillanten und skurrilen Kunstkonzepte in diesem leer stehenden Bankhaus verwirklichen. Der besondere Kick besteht für Künstler wie Besucher darin, dass all diese unterschiedlichste Kunst geschaffen wird, um sie wieder zu zerstören.

April 2017

April 2017

April 2017

An der Fassade des Hauses ist, eingegrenzt mit Graffiti, die Losung angeschlagen: Berlin Art Bang. Und dann ist in allen Etagen, immerhin auf 12.000 Quadratmetern Fläche und in insgesamt 80 Räumen, eine äußerst bunte Mischung moderner Kunst zu bestaunen. Da ist die Straßenkunst mit Sprayer-Wänden, die Comicfiguren und Schriftzüge zeigen, genauso vertreten wie Installationen, Fotografie und Illustrationen, da sind Skulpturen und Videoinstallationen aufgebaut. Die Künstlergemeinde sprühte, malte und zeichnete nach Herzenslust, denn für die Beschaffung des Materials wurden Sponsoren gefunden. Ein Statement der Organisatoren unter der Projektleitung von Kimo von Rekowski wurde im Vorfeld so formuliert: Egal wer du bist, egal wie du heißt und was du machst, nimm' dir die Zeit, um Dinge zu schaffen und Geschaffenes wirklich zu erleben, bevor es zu spät ist.

April 2017

April 2017

April 2017

April 2017

Das Kunstwerk für die Endlichkeit - und mit leicht melodramatischem Unterton - geschaffen, um es zu zerstören, gilt natürlich nur für die Originale. Ein Hausfotograf wird die künstlerischen Arbeiten dokumentieren und in einem Bildband vor Ort verkaufen. Für die Besucher ist der Eintritt frei, aber das Fotografieren im Haus nicht gestattet. Das Hotel Berlin am Lützowplatz hatte die PR-Idee, sich als Home of the Haus und als Quartier für junge Künstler zu repräsentieren. Zum Dank hat jeder Künstler im Hotel auf einer kleinen Leinwand ein Gemälde kreiert, das nach dem Abriss des Bankhauses an den Hotelwänden zu bestaunen ist. Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer hat für das Projekt die Schirmherrschaft übernommen, die Kölner Projektentwickler Pandion schaffen gut Wetter für ihr Bauprojekt mit 75 Eigentumswohnungen und die Berliner Verkehrsbetriebe erhalten Anregungen, die Graffiti-Kunst weg von ihren Nahverkehrs-Zügen hin zu Kunstobjekten zu lenken. In jedem Fall bietet Berlin seinen Touristen wieder etwas Einmaliges.

The Haus, Nürnberger Straße 68/69. Dienstag - Sonntag, 10 bis 20 Uhr. Aus Gründen des Brandschutzes dürfen sich zur gleichen Zeit nicht mehr als 200 Besucher im Haus aufhalten. Führungen werden unter www.thehaus.de angeboten.

Text von Ronald Keusch mit Fotos von the haus berlin art bang

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Der letzte Henker

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Von Timo Würz