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Danny Morgenstern
James Bond ist vieles: Killer, Spion, Gentleman, aber vor allem Frauenschwarm. Der britische Geheimagent hat zahlreiche Vorlieben: So trinkt er seinen Wodka Martini fast immer geschüttelt und bevorzugt den Aston Martin als Fortbewegungsmittel. Doch welche Stellung 007 mit dem Bond-Girl auf der Rückbank des Flitzers wählen würde, war bisher nur den Frauen bekannt, die ihn durch seine heiklen Missionen begleiteten. Da die Bond-Girls meist nur in einem Film das Kopfkissen mit dem Agenten teilten, im Folgenden ersetzt wurden oder nicht überlebten, waren 007s sexuelle Vorlieben bisher Top Secret. Nun hat der deutsche James-Bond-Experte Danny Morgenstern einen Blick in James Bonds Schlafzimmer geworfen und das gut gehütete Geheimnis gelüftet.

"Bond ist zwar auf vielen Gebieten ein Allrounder, beim Sex zeigt er sich jedoch wenig kreativ", so Morgenstern, Autor von mittlerweile zehn James-Bond-Sachbüchern. Sein aktuelles Werk "007 XXS - 50 Jahre James Bond - Man lebt nur zweimal" ist vor Kurzem erschienen. Nach Analyse der über 50 James-Bond-Romane und der mittlerweile 24 Filme hat der Braunschweiger Bondologe herausgefunden, dass 007 nur selten die Lizenz zum Lieben voll ausspielt. Zwar kommt es in "GoldenEye" (1995) fast zur "Rossantilopen-Stellung", wie sie im Kamasutra beschrieben wird, als Xenia Onatopp sich an Bond klammert, mit dem Rücken an der Wand lehnt, Bonds Hüften fest mit ihren Schenkeln umschlingt und sich mit den Händen an seinem Rücken festhält, allerdings wirft er Xenia mit den Worten "Schluss mit dem Vorspiel" ab. "Die Stellung hätte durchaus funktioniert", so Morgenstern, "denn sie ist für leichtgewichtige Frauen und starke Männer sehr gut geeignet". Die Romane bieten zwar umfangreicher geschilderte Sex-Szenen als die Filme, darin werden aber anstelle von Positionen meist Gefühle beschrieben, schwitzende Körper erwähnt, oder Sätze wie "Das Tier mit den zwei Rücken machen" genannt.

In den Filmen ist und bleibt Bond Oldschool. Und tatsächlich hält es 007 bei Sex wie mit der Rasur (in "Skyfall" greift er auf ein klassisches Rasiermesser zurück) und bevorzugt die altbewährten Missionars-Stellung, bei der die Frau auf dem Rücken liegt und die Beine anwinkelt, während er sich auf sie legt. Zumindest sieht man Bond am häufigsten in dieser Stellung, bevor die Kamera aus den Gründen des Jugendschutzes in die uninteressanten Bereiche des Zimmers schwenkt. Schon Tiffany Case liegt in "Diamantenfieber" (1971) ansatzweise auf dem Rücken. Bond mag es offensichtlich bequem und da sich beide in einem unkomfortablen aus Plexiglas bestehenden Wasserbett die Zeit vertreiben, schont der Agent so noch seine Knochen. 007 ist erstaunlich oft oben auf: Die "erste Position" ist in "Golfinger" (1964) mit Pussy Galore der Einstieg in das Liebesspiel. Ebenso liegen Frauen in "Der Spion, der mich liebte" (1977), "Moonraker - streng geheim" (1979) und "Lizenz zum Töten" (1989) vis a fronte in Bonds Armen. Magda in "Octopussy" (1983) zieht allerdings es vor auf Bond zu liegen - er kann schließlich nicht immer die Oberhand gewinnen. Welche Stellung es im Stehen mit Stacy Sutton in "Im Angesicht des Todes" (1985) unter der Dusche ist, verschleiert der Duschvorhang.

007 kommt nicht immer zur Wunschposition: Als er in "Casino Royale" (2006) bei Vesper Lynd einen Vorstoß zur Löffel-Stellung wagt, weist sie ihn zurück. Ob nun im Stehen von hinten mit Patricia in "Feuerball" (1965) und Sévérine in "Skyfall" (2012), "Die Schraube des Archimedes" mit Jinx in "Stirb an einem anderen Tag" (2002) oder "Zikade auf der Seite" bei Elektra King in "Die Welt ist nicht genug" (1999), so groß ist die Abwechslung nicht. Bond vorzuwerfen, die Frauen seien nur fürs schnelle Vergnügen da, wäre vermessen, schlussfolgert Morgenstern. Zumindest wenn er die Ergebnisse seiner ungewöhnlichen Analyse vorlegt: "Die Missionarsstellung bietet im Vergleich zu anderen Positionen zwischenmenschliche Vorteile: Kaum eine Sex-Stellung ermöglicht es den Liebenden direkter auf die Mimik der Partnerin oder des Partners reagieren können." Da haben die Bond-Girls auch im kommenden Film, der 2019 mit Daniel Craig in der Hauptrolle in die Kinos kommen soll, sicher kaum Einwände und daher bliebt es statt des Dirty Talks auch in den meisten Fällen bei einem gehauchten "Oh, James!"

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Von Timo Würz