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. veröffentlicht unter Boulevard
Alexandra J. Frölich
Bei der Premiere am 8. April ging das Deutsch-Jüdische-Theater (DJT) an seinen Gründungsort zurück. Bereits 2001 spielte man unter Leitung des unvergessenen Intendanten Dan Lahav im Theater Coupe. Es befindet sich am Fehrbelliner Platz in Berlin-Wilmersdorf. Als Dan Lahav 2016 verstarb, befand sich das DJT in unmittelbarer Nähe des Kudamms. Dort schloss es die Pforten und startete nunmehr mit aktiver Unterstützung des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf im Coupe. Zur Premiere zeigte man das Werk "Benjamin-wohin?" Die wahre Geschichte dieses Stückes bietet allein schon genügend Stoff für eine eigene Aufführung. Im Jahre 1928 war das "Moskauer Jüdische Akademietheater" auf Gastspielreise in Deutschland. Dabei zeigten die Künstler aus Moskau dem Berliner Publikum am 16. Mai 1928 im "Theater des Westens" das Stück "Benjamin-wohin?" Geschieben hat es Mendele Mocher Sforim. Er kam 1836 im Zarenreich Russland zur Welt und verstarb dort 1917. Bei der Berliner Aufführung stammte das Bühnenbild von Marc Chagall. Unter den damaligen Premierenpublikum traf man auch den Theaterregisseur Max Reinhardt an, der sich vom Stück und den mitwirkenden Künstlern begeistert gezeigt hatte. Hermann Sinsheimer fügte Teile des Werkes für ein Bühnenstück im Auftrag des "Jüdischen Kulturbund" für ein Rahmenprogramm zusammen. Erstmals zu sehen war das Werk 1938. Die menschenverachtenden Nazis hatten den jüdischen Mitbürgern den Besuch aller deutschen Schauspielhäuser und Opern verboten. Einzig der Jüdische Kulturbund durfte in seiner Spielstätte noch für Juden Stücke aufführen. Sinsheimers zwei Töchter leben in Berlin und ließen mitteilen, sie wünschen der Premiere am 8. April im Coupe viel Erfolg. Aus Altersgründen konnten sie nicht an der Premiere teilnehmen. Hermann Sinsheimer macht das Theaterpublikum mit dem Buchhändler Mendele Mocher Sforim bekannt. Der reisende Buchhändler trifft im Wald Alter Jaknas, der ebenfalls reisender Buchhändler von Beruf ist. Ihm erzählt er die Geschichten von Benjamin. Eine sehr große Rolle nimmt dabei das kleine Nest namens Tunejadowka ein. Es liegt "abseits von der Poststraße und von der Welt." Kommt ein Fremder einmal dorthin, öffnen sich unverzüglich alle Fenster und Türen. Die Einwohner von Tunejadowka wollen den Ankömmling bestaunen. Im Coupe führte Evgenija Rabinovitch Regie. Die Musik lag in den Händen von Alexander Gutman. Das Bühnenbild entwarf Peter Werner. Andrea Kurmann sah man in der Rolle des Benjamin. Alexander J. Frölich und Joachim Kelsch waren ihre Bühnenpartner. Unter den Gästen bei der Premiere traf man Norbert Kopp (CDU) an. Der ehemalige Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf teilte mit: "Man hat ein beeindruckendes Werk erleben dürfen. Ich wünsche dem DJT viel Erfolg, ich selber werde weitere Stücke mir auf jeden Fall hier ansehen." Dr. med. Halima Alaiyan ist Gründerin der Talat-Alaiyan-Stiftung. Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes sagte: "Man kann es nur so ausdrücken: Ganz großes Theater. Ich werde im Freundes- und Kollegenkreis auf die ganz großen Leistungen des DJT hinweisen und anregen, sich das Stück anzusehen." Michael Schulz gehörte von 2006 bis 2016 der BVV Reinickendorf an. Der Bundesvorsitzende der Partei DIE GRAUEN wurde am 7. April zum Spitzenkandidaten für die 2019 stattfindende Europawahl gewählt. Er erklärte: "Großartig, nur so kann ich es ausdrücken. Ich freue mich, dass das DJT, dem ich mich schon seit geraumer Zeit sehr verbunden fühle, hier einen sehr zentral gelegenen Spielort gefunden hat und wünsche Toi, Toi, Toi." Besonders Künstler beäugen ja angeblich sehr kritisch die Leistungen ihrer Kolleginnen und Kollegen. Hier kann aber unisono verkündet werden, es regnete nur Lob für alle Beteiligten des DJT! Im Publikum traf man auch den Regisseur und Dramaturg Hermann Höcker an. Der Künstler teilte mit: "Eine gelungene Premiere im Coupe, ich möchte mich an dieser Stelle bei meinen Kolleginnen und Kollegen für diesen sehr unterhaltsamen Abend bedanken." So sieht es auch die Schauspielerin Judith Steinhäuser. Man kennt sie beispielsweise aus dem Kinofilm "Silvi", der auf der Berlinale gezeigt worden ist. Die Darstellerin betonte: "Benjamin-Wohin?" wirkt als leichtes, seichtes Stück für das Publikum. Es sind aber gerade die heiteren Werke, die in Wort und Mimik exakt auf den Punkt gebracht werden müssen. Chapeau, kann ich da nur nur sagen! Allen Kollegen und Kolleginnen ist es einwandfrei gelungen, Wort und Mimik genaustens zu timen.“ Weitere Vorstellungen werden von April bis Juni stattfinden.

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Von Timo Würz