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Carillon-Skandal

. veröffentlicht unter Boulevard
Jürgen Hilbrecht. Foto von Volkert Neef
In Sachen Kultur kennt sich der Volksschauspieler, Sänger, Kabarettist, Regisseur und Autor Jürgen Hilbrecht bestens aus. Der in Köpenick lebende Künstler ist als "Hauptmann von Köpenick" weit über die Grenzen der Bundeshauptstadt bekannt. Im Jahre 1906 kaufte sich der mehrfach vorbestrafte Schuster Wilhelm Voigt beim Trödler eine gebrauchte Uniform. Als Hauptmann verkleidet ließ er mehrere Soldaten, die ihm begegneten, nicht nur strammstehen. Er gab ihnen sogar den Befehl, sich seinem Kommando zu unterwerfen für eine sehr geheime Angelegenheit. Der 1849 geborene Wilhelm Vogt hatte aber nur eines im Sinn: Sich im damaligen Rathaus von Cöpenick, das sich noch mit C schrieb, einen Pass ausstellen zu lassen. Was der Halunke jedoch nicht bedacht hatte: Amtliche Papiere wurden damals in Teltow bei Berlin ausgestellt. Also nahm er im Cöpenicker Rathaus die Kasse mit. Das brachte dem Ganoven bald wieder viele Jahre Zuchthaus ein.

Der Schriftsteller Carl Zuckmayer schrieb das berühmte Werk "Der Hauptmann von Köpenick." In Berlin wurde es auf der Theaterbühne 1931 uraufgeführt. Jürgen Hilbrecht, mittlerweile 75 Lenze jung, trat am 15. Oktober 2018 gleich an zwei Vorstellungen auf die Bühne. Einmal erfolgte am Nachmittag eine Aufführung, dann noch eine am Abend. Jürgen Hilbrecht will damit auch dem Theater, dem "Hauptmanns - Klub 103,5" in der Wendenschloßstraße 103 in 12557 Berlin-Köpenick, seinen alten Glanz zurückgeben. In den letzten Jahren schlummerte das Köpenicker Theater vor sich hin. Das soll geändert werden. Regelmäßige Auftritte von Jürgen Hilbrecht und anderen Künstlern sollen dafür Sorge tragen, dass sich diese Bühne mehrmals monatlich dem Publikum öffnet. Ein guter Anfang wurde am 15. Oktober mit der wahren Lebensgeschichte des Wilhelm Voigt, genannt "Der Hauptmann von Köpenick" gemacht. Das Stück trug den Titel "Das Schlitzohr von Köpenick - Schuster, Hauptmann, Vagabund."

Geschrieben haben das Werk Felix Huby und Hans Münch. Regie führte Rainer Gohde. Die musikalische Begleitung am Akkordeon lag in den Händen von Kurt Fritsche. Jürgen Hilbrecht spielte gleich 15 Rollen. Der Mime sagte auf der Bühne: "Budapest, Berlin, Wien, überall führte es mich hin; nirgends hielt es mich fest." Jürgen Hilbrecht stellte beispielsweise Voigt als Kind dar, ebenso dessen Vater, er trat auch in der Rolle eines preußischen Polizeikommissars auf und als Zuchthäusler sowie Zeitungsverkäufer. CHEXX fragte den Schauspieler Jürgen Hilbrecht: Lebt das Berliner Volkstheater noch? Der Volksschauspieler Jürgen Hilbrecht gab offen und ehrlich zu, dass Stücke mit Berliner Mundart und typischem Berliner Bezug "in letzter Zeit sehr rar geworden sind. Diese Berliner-Mundart-Stücke und das Berliner Volkstheater leben, ja sie leben immer noch. Bedauerlicherweise leben sie im Verborgenen. Daher sehen meine Kolleginnen und Kollegen es ja auch als ihre Aufgabe, ja ihre Berufung an, in dieser Köpenicker Spielstätte hier die bisher so kleine Flamme des Berliner Volkstheaters zu einem sehr hellen Schein umzuwandeln. Allen Beteiligten ist klar, dass es ein langwieriger Weg ist, den wir Künstler da gehen müssen. Zumindest die ersten Schritte sind ja nun gemacht worden. Im nächsten Jahr feiert man den 200. Geburtstag von dem in Brandenburg geborenen Schriftsteller Theodor Fontane. Er verstarb ja bekanntermaßen 1898 in Berlin. Das 200. Fontane-Geburtsjahr im nächsten Jahr wird sicherlich auch für einen gehörigen Schub von Berliner Werken in Berliner Mundart sorgen." Wer Jürgen Hilbrecht wieder in Köpenick auf der Bühne erleben will, hat dazu am 4. November um 16 Uhr Gelegenheit. Dann erinnert der Berliner Volksschauspieler an den Sänger, Komponisten und Komiker Otto Reutter.

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Der letzte Henker

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Von Timo Würz