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Die Wohnkompanie
Auf dem Areal der ehemaligen Reemtsma-Tabakfabrik entsteht der neue Campus "Go West!" für Start-ups, Theater, Kino, Gastronomie und Hotels. Riesige, leere Hallen, Tabakgeruch in der Luft und kein Mensch anzutreffen - das Areal der ehemaligen Reemtsma-Fabrik in Berlin-Wilmersdorf lag lange im Dornröschenschlaf. 2012 hatte Reemtsma seinen Fabrikstandort in Berlin aufgegeben und die Produktion nach Polen und Niedersachsen verlagert. 2014 erwarb "Die Wohnkompanie" Berlin die leerstehenden Industriegebäude und öffnete den Zugang zum Gelände. So haben zum Beispiel Street-Art-Künstler während des Berlin Mural Festivals zahlreiche Außenwände mit Kunstwerken verziert und auch die Studenten der Filmschauspielschule Berlin bevölkern das Areal und ziehen mit ihren Theateraufführungen Besucher an.

Nach vier Jahren Planung hat Stephan Allner, Geschäftsführer der "Die Wohnkompanie", Ende 2018 seine neuen Pläne für das Areal vorgestellt: Unter dem Namen "Go West" soll ein neuer Gewerbe- und Bürostandort entstehen. Die aktuellen Planungen sehen fast 185.000 qm Gewerbeflächen vor, die auf dem circa 74.000 qm großen Grundstück zwischen der Mecklenburgischen Straße im Süden und der Forckenbeckstraße im Norden entwickelt werden und Raum für 10.000 Arbeitsplätze bieten sollen. Fast ein Jahr dauern die Abrissarbeiten, die im Januar 2019 starten. Für die Gesamtentwicklung hat Allner etwa sechs Jahre vorgesehen. Bis dahin investiert "Die Wohnkompanie" knapp eine Milliarde Euro in das Projekt.

Allners Vision ist es, das einstmals abgeschottete Areal wieder für die Bevölkerung zu öffnen: Herzstück wird ein zentraler Stadtplatz mit Theater, Kino, mehreren Restaurants, Cafés und kleinen Läden für den täglichen Bedarf. An diesem zentralen Platz in Größe des Charlottenburger Walter-Benjamin-Platzes soll auch die bereits auf dem Areal angesiedelte Filmschauspielschule ein dauerhaftes Zuhause finden. Ein Hotel der Zwei-Sterne-Kategorie sowie eines im Vier-Sterne-Segment mit Tagungsmöglichkeiten wird später hier Gäste empfangen. Bestehen bleibt das Bürohaus, in dem "Die Wohnkompanie" Berlin sowie diverse Architektur- und Planungsbüros bereits heute ihren Sitz haben, sowie die umgebende Produktionshalle im westlichen Grundstücksteil. Dort soll, laut Allner, ein Handwerkerhof eingerichtet werden, in dem sich klassische Handwerksbetriebe und Manufakturen, vom Möbeltischler und Elektriker bis hin zum Schlosser und Oldtimer-Restaurator, ansiedeln können.

Ebenfalls erhalten bleibt das 26 Meter hohe Hochregallager, das nach Plänen der Architekten Axthelm Rolvien zu einem 12.000 qm großen Start-up-Inkubator mit großem Atrium und gläsernen Balkonen umgestaltet werden soll. Ein bis zwei Kitas sorgen für kurze Wege für die Eltern. Zudem entstehen mit "Go West" diverse Büro- und Gewerbegebäude und ein Rechenzentrum. Innovativ wird es aber nicht nur später im Inkubator zugehen, sondern auch schon beim Bau der Häuser: So entstehen auf dem Areal mehrere Null-Energie-Bürohäuser, also Gebäude, die keinerlei Primärenergie mehr verbrauchen. Eines der Bürohäuser ist ganz in Holzbauweise geplant, einige der Fensterfronten sollen mit Fotovoltaik ausgestattet werden und Strom produzieren. Auf den Hausdächern wird Platz für Urban Gardening angeboten und eine 60-Zentimeter-Erdsubstratschicht auf den Dächern dient dazu, Regenwasser zu speichern und ökologisch versickern zu lassen. Zwei riesige Zisternen speichern das Regenwasser und geben es in Trockenperioden wieder ab. Vorgesehen ist, dass die Preise für die zukünftigen Mieter bei zehn bis 20 Euro den Quadratmeter liegen werden.

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Von Timo Würz