Magazin CHEXX am Samstag, den 21. September 2019
Karls Enkel
Rot wie die Liebe und süß wie die Sünde, dafür steht symbolisch in vielen Ländern die Erdbeere, als Sinnbild der Wollust. Und wer kennt nicht den verträumten rauschhaften Welthit der Beatles "Strawberry Fields forever". Doch die Erdbeere kann auch als ein Symbol gelten für die faszinierende Familiengeschichte eines Obst- und Gemüsebauern. Karl Dahl kaufte 1921 einen Gemüsehof im Norden von Mecklenburg und belieferte mit dem Pferdefuhrwerk die Wochenmärkte in Rostock. Nach dem zweiten Weltkrieg zog die Bauernfamilie nach Ostholstein und gründete einen Hofbetrieb. Sie belieferten die naheliegende Marmeladenfabrik Schwartau - mit Erdbeeren. Aus dem kleinen Gemischtwaren-Unternehmen wurde ein Anbaubetrieb für Erdbeeren, der rasch expandierte. Heute steht in dritter Generation der 48-jährige Enkel Robert Dahl am Steuer des Familienbetriebes. Und er hat neben der Erdbeere als Kerngeschäft neue Geschäftsfelder erschlossen: den Aufbau und Betrieb von Familien-Freizeitparks mit dem Namen Karls Erlebnis-Dörfer. Insgesamt sind in Deutschland in den letzten Jahren bereits fünf solche Dörfer entstanden. ESDES.Pictures Wenn der Besucher nach Elstal nahe bei Wustermark kommt und in Karls Erlebnis-Dorf spaziert, begibt er sich sozusagen in die Heimat der Erdbeere. Die Frucht ist hier auf Schritt und Tritt allgegenwärtig. Ob bei den vielfältigen Attraktionen vom Tobeland mit Riesenrutsche, dem Traktor oder der Mini-Gokart-Bahn, dem Auto-Scooter, der Hüpf- und Kletterlandschaft oder der Bonbon-Manufaktur und der Gummibeeren-Fabrik oder Kaufladen und Bauernmarkt oder, oder - überall ist die Erdbeere visuell und gegenständlich ein in vielen Größen präsenter Begleiter. Natürlich kann man vom 4. Mai bis 8. September Karls Erdbeeren von den 400 Hektar großen Feldern rund um Rostock kosten und kaufen. Schließlich ist Karls-Erdbeerhof der größte Obstanbauer im Norden Deutschlands. Aber auch außerhalb der Erntezeit ist die fruchtige Erdbeere zu verkosten. Beispielsweise darf der Besucher vor einem Marktstand in einem der vielen Dorfgebäude dabei zuschauen, wie in der Marmeladenküche in großen Töpfen eine Mitarbeiterin Erdbeermarmelade kocht. Der kräftige aromatische Geschmack ist so beliebt, dass die Erdbeergläser nicht nur im Dorf verkauft, sondern auch den Gästen bis nach Hause geschickt werden. Ein online-Shop mit 12 Mitarbeitern schickt neben der Marmelade mehrere hundert Produkte in alle Ecken Deutschlands und sogar weit weg bis in die USA. Doch es gibt auch Erdbeer-Gummibärchen, eine Seifenküche mit Erdbeersorten, Erdbeer-Sahne-Bonbons und natürlich Erdbeer-Eis und vieles mehr. ESDES.Pictures Ein Markenzeichen des Familienunternehmens besteht darin, so erläutert der Karls-Repräsentant Frank Havemann, hier im Erlebnis-Dorf Elstal den Gästen immer wieder Neues zu bieten. Dazu zählt eine große Wasser-Erlebniswelt mit einem Wasserkarussell in Form eines Löffels, der durch einen riesigen Erdbeermarmeladentopf zu rühren scheint. Wagemutige lassen sich in einem Erdbeer-Drop per Seil auf eine acht Metern hohe Rampe ziehen, um dann mit rasantem Tempo und hoch aufspritzendem Wasser in ein Becken zu rutschen. Besonders spektakulär ist die Holzloren-Achterbahn, die seit dem April 2018 mit ihren Fahrgästen über einen Teil des Geländes donnert. Außerordentlich und eindrucksvoll ist die 4. Eiswelt, die größte Eisfiguren-Ausstellung Deutschlands, die noch bis zum 3. November 2019 auf dem Gelände in Elstal zu bestaunen ist. Immerhin haben 24 Künstler aus der ganzen Welt 20 Tage lang 300 Tonnen Eis mit Kettensäge und Meißel in Kunstwerke verwandelt. Ein eiskaltes Vergnügen. ESDES.Pictures Zum Markenzeichen der neu aufgebauten Erlebnis-Dörfer zählen viele kleine Details wie die rot-weiße Farbe bei Karussells wie früher auf klassischen Märkten, Feldsteine in asphaltierten Wegen, neue Gebäude mit verwitterten Seitenwänden, überall findet man dörfliches Ambiente. Eine Holzofen-Bäckerei soll ein Duftnoten-Marketing setzen. Hier soll der Besucher Abschied von der Hektik und der Moderne des Alltags nehmen. Es wird nur dann schwierig, wenn zu viele Gäste kommen. Zur Professionalität der Betreiber gehört auch, dass der Standort sehr gut angebunden ist. Mit dem Regionalzug Linie R4 ist Elstal direkt erreichbar, wo regelmäßig ein Shuttle-Bus wartet. Außerdem ist die Autobahn Berliner Ring A10 sehr nah. Und die Erlebnis-Dörfer haben bei freiem Eintritt ganzjährig geöffnet.

Es ist wenig überraschend, dass dieses quicklebendige innovativ aufgestellte Familienunternehmen keinen Stillstand kennt und viele Pläne hat. So soll nach dem ersten Hotelneubau im Erlebnisdorf Rövershagen in Holstein nun ab 2020 auch auf den Konversionsflächen in Elstal ein weiteres Hotel gebaut werden, um es zum 100-jährigen Geburtstag des Familienunternehmens im Jahr 2021 einzuweihen. Das neue Erdbeerhotel soll den Namen "Mieze Schindler" tragen, benannt nach einer besonders aromatischen Erdbeersorte.