Magazin CHEXX am Sonntag, den 16. Juni 2019
100-jähriges Bestehen
Vor 100 Jahren begann die Erfolgsgeschichte der GeWoSüd Genossenschaftliches Wohnen Berlin-Süd eG, die aus dem Zusammenschluss der Gemeinnützigen Landerwerbs- und Baugenossenschaft Dahlem-Schmargendorf sowie der Genossenschaft Siedlung Lindenhof hervorging. Ebenfalls vor 100 Jahren zogen die ersten Bewohner in den Lindenhof in Schöneberg ein, dem mit 1.262 Wohnungen bis heute größten von insgesamt zwölf Wohnstandorten der GeWoSüd. Gerade in Zeiten, wo die Mieten durch die Decke steigen, ist das genossenschaftliche Wohnen gefragt wie nie. Und deshalb bewährt sich bis heute das Modell, bei dem die Bewohner keine Miete zahlen, sondern Nutzungsgebühren. Aktuell haben Aufsichtsrat und Vorstand festgelegt, dass die Nutzungsgebühren im gesamten Wohnungsbestand der Genossenschaft 0,50 Euro unter dem Mietspiegel liegen oder darunter. Dies gilt auch für Neuvermietungen. So beträgt die Nutzungsgebühr im Mittel lediglich 5,75 Euro je Quadratmeter.

Sogar Neubauwohnungen kosten bei der GeWoSüd durchschnittlich nur 8,45 Euro pro Quadratmeter. Und gebaut hat die Genossenschaft viel: In den letzten 25 Jahren wurden 44,6 Mio. Euro in den Neubau, 83,3 Millionen Euro in Modernisierungen und 41,9 Millionen Euro in Instandhaltungen investiert - macht zusammen 169,8 Millionen Euro. Seit 2005 wurden im Lindenhof mit einem Gesamtumfang von 26,3 Mio. Euro 373 Bestandswohnungen umfassend modernisiert und 50 neue Dachgeschosswohnungen errichtet. Selbst unter den strengen Vorgaben des Denkmalschutzes konnte der spezifische Wärmebedarf dieser 100 Jahre alten Gebäude von 296 auf 69 kWh pro Jahr gesenkt werden. Dass für diese umfassenden Maßnahmen keine Modernisierungsumlage erhoben wird, gehört seit vielen Jahren zur Strategie der GeWoSüd.

Doch nicht nur bei der Wohnraumversorgung, sondern auch in Bezug auf die Gemeinschaft ist die GeWoSüd ein Vorbild: So stehen den Mitgliedern an den Standorten Schöneberg, Tempelhof, Weißensee und Neukölln Gästewohnungen für bis zu vier Personen zur Verfügung, die für 40 Euro pro Tag angemietet werden können. Bereits zur Jahrtausendwende errichtete die GeWoSüd ein Mehrgenerationenhaus in Tempelhof-Schöneberg mit 32 barrierefreien Seniorenwohnungen, Gemeinschaftsräumen, 23 familiengerechten Wohnungen, Gästewohnung, Sozialstation und Arztpraxis. In zwei Waschhäusern und an drei weiteren Standorten können die Mitglieder für wenig Geld selbst waschen und hilfsbedürftige Bewohner werden im Rahmen der Initiative "Helfer im Kiez" bei Herausforderungen des Alltags wie Arztbesuchen unterstützt, aber auch beim Einkaufen oder bei Spaziergängen begleitet. Zwei Mitarbeiter im Sozialbereich beraten und unterstützen die Mitglieder in sozialen Belangen, zudem organisieren sie Veranstaltungen und Feste zur Stärkung der Gemeinschaft. Ebenso organisieren die Mitarbeiter für die Mitglieder, deren Wohnungen modernisiert werden, den Umzug in eine Umsetzwohnung innerhalb der Genossenschaft. Nach Abschluss der Arbeiten ziehen die Mitglieder in aller Regel wieder zurück in ihre modernisierte Wohnung. Verdrängung findet nicht statt. An vier Standorten betreibt die GeWoSüd zudem Nachbarschaftstreffs, die von den Mitgliedern für selbstorganisierte Aktivitäten genutzt werden, und bietet im Café am See ein günstiges Mittagessen. Zudem überlässt die GeWoSüd seit 2017 Flüchtlingen Wohnungen und kümmert sich zusammen mit den Nachbarn um die neuen Genossenschaftsmitglieder.