Magazin CHEXX am Montag, den 19. August 2019
BER - Richtfest für zweites Terminal
Wenn etwas das Image der Hauptstadt dramatisch beschädigt hat, dann Pech, Pleiten und Pannen um den so dringend erforderlichen neuen Flughafen, auf den die Stadt, das Land und ja - man kann sagen - die Welt seit acht Jahren so dringend wartet. Schon einmal sollte er in Betrieb gehen. Die geplante Eröffnung für den 30. Oktober 2011 konnte nicht eingehalten werden. Auch der zweite im Mai 2012 erwies sich als Wunschdenken. Der bereits damals schon komplett fertiggestellte und auf das Modernste eingerichtete Airport "Willy Brandt" samt unterirdischem Bahnhof konnte wegen schwerwiegender sicherheitstechnischer Probleme in der Entrauchungsanlage nicht ans Netz gehen. Inzwischen wachsen Feldblumen auf dem weiträumige Rollfeld und die fertigen Gebäude von Terminal 1 dümpeln im Dornröschenschlaf vor sich hin, während emsig daran gearbeitet wird, alle Probleme irgendwie in den Griff zu kriegen. Auch die technische Ausstattung ist inzwischen schon total veraltet und muss aufwendig ausgetauscht werden. Alles selbstredend mit immensen Kosten, die von einst geplanten 1,7 Milliarden Euro mittlerweile auf 7,3, Milliarden Euro geklettert sind. Immerhin, so Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup optimistisch, laufen nunmehr die finalen Tests. An dem für 2020 angepeilten Eröffnungstermin soll nicht mehr gerüttelt werden.

Und da in den letzten Jahren sich die Welt weitergedreht hat und auch der Flugverkehr trotz Klimakatastrophe rasant gestiegen ist, erweisen sich inzwischen die Kapazitäten des noch nicht einmal eröffneten Flughafens als dramatisch unzureichend. Ein zweites Terminal musste in Angriff genommen werden, das nun - man höre und staune - schon nach nur rund zehn Monaten Bauzeit Richtfest feiern konnte . Und - was noch verwunderlicher ist - es soll bereits im Herbst 2020, also zusammen mit dem gesamten BER in Betrieb gehen. Der Bau ist für sechs Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt und dient als Terminal für Abflug und Ankunft vorwiegend für die Billig Airlines und stellt alle Funktionen von Check-in, Gepäckaufgabe und -ausgabe über Sicherheitskontrollen und Serviceeinrichtungen bis hin zu Einzelhandel und Gastronomie bereit.

Die Kapazität des BER wird damit auf 28 bis 30 Millionen Passagiere erhöht. Zusammen mit dem bisherigen Flughafen Schönefeld, der ab dem nächsten Jahr als Terminal 5 ein Teil des Flughafens Berlin Brandenburg wird, können am Standort dann über 40 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden. Aus dem Desaster hat man gelernt. "Es ist keine Kathedrale des Verkehrs", sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup gut gelaunt bei der Richtfestzeremonie für Terminal 2. Eine solche Kathedrale habe man schon mit dem Hauptterminal T1, das durch hohe gestalterische Ansprüche und zahlreiche Umplanungen so komplex wurde, dass niemand mehr die Haustechnik beherrschte. Statt Holzvertäfelung und Natursteinböden wie im T1 soll es im T2 Beton und freie Raumdecken geben, unter der die einfach gehaltene Technik hängt. 200 Millionen Euro fließen nach Flughafenangaben in das Zusatzterminal sowie in Wege, Bushaltestellen und ein Gebäude für die Bundespolizei. Auch Generalunternehmer Kurt Zech, der das Gebäude mit seinem Bauunternehmen schlüsselfertig liefern wird, ist zuversichtlich, dass der Eröffnungstermin diesmal gehalten wird und hat bereits Wetten angenommen. Man darf gespannt sein. Beim Richtfest sah jedenfalls alles recht gut aus. Und die Orientierungsschilder sind auch schon fertig.

Von Berliner Umschau mit Fotos von Ingrid Müller-Mertens