Magazin CHEXX am Dienstag, den 12. November 2019
Erster Gewerbe-Pulsschlag für Berlin
Die Gewerbesiedlungs-Gesellschaft GSG Berlin hat die Mietdaten ihrer fast 50 Objekte mit insgesamt rund einer Million Quadratmeter zusammengetragen und gemeinsam mit den Immobilienmarkt-Analysten Bulwiengesa und Savills den ersten Gewerbe-Pulsschlag für Berlin erarbeitet. Die Studie, die kürzlich erstmals präsentiert wurde, soll nun jährlich fortgeschrieben werden. Im Gewerbe-Pulsschlag vergleichen die Experten die Miethöhen, liefern Zahlen zum gewerblichen Neubau, zur Nachfrage und zur Mieterstruktur der Gewerbeflächen in den Berliner Bezirken.

Bei der fundierten Beschäftigung mit dem Berliner Gewerbemarkt haben die Experten spannende Erkenntnisse zu Tage befördert: Denn neben dem reinen Wachstum ist es auch der Wandel der Berliner Wirtschaft, der zu der beobachteten hohen Nachfrage in den innerstädtischen urbanen Quartieren führt. Der Schritt vom Unternehmenstypus Tüftler oder Druckerei zum Unternehmenstypus digitales Start-up hat binnen fünf Jahren zu einem Sprung der durchschnittlichen Gewerbemiete bei Neuvermietungen um 10,00 Euro pro Quadratmeter in Friedrichshain-Kreuzberg geführt, heißt es dazu im Gewerbe-Pulsschlag. Ausschlaggebend für die starke Entwicklung der Mieten an den innerstädtischen Standorten wie Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg oder Pankow ist der Wandel in der Nutzung der Gewerbeflächen und der starke Anstieg der Bürobeschäftigten im Zentrum der Stadt, denn in den vergangenen fünf Jahren kamen überwiegend in der Innenstadt rund 110.000 Beschäftigte neu hinzu - vor allem aus dem Bereich der Digitalunternehmen, die in den letzten fünf Jahren durchschnittlich 25,8 % des jährlichen Gewerbeflächenumsatzes verantwortet haben. Die Start-ups mit 9 % Nachfrage hinzugenommen, wird mehr als jeder dritte Quadratmeter Gewerbe vom neuen Gewerbetypus Digitalunternehmen nachgefragt. Und diese Unternehmen wollen nach Mitte oder nach Friedrichshain-Kreuzberg, wo sich Wohnen und Arbeiten aus ihrer Sicht zeitgemäß kombinieren lässt.

Die Studie beweist auch, dass trotz der hohen Nachfrage noch günstiger Gewerberaum zu bekommen ist - allerdings überwiegend außerhalb des S-Bahn-Rings. Dafür stehen aber etwa in Marzahn-Hellersdorf Flächen ab 4 Euro je Quadratmeter zur Verfügung. Zudem rechnen die Autoren des Gewerbe-Pulsschlags damit, dass sich angesichts von rund 1,5 Millionen Quadratmetern neugebauter Bürofläche zwischen 2019 und 2021 der Büroleerstand nur minimal erholt und im Modell von heute 1,5 % auf 1,6 % in 2021 ansteigt. Bei den Mietpreisen sehen die Immobilienanalysten eine anhaltende, allerdings verlangsamte Zunahme.