ISSN 2701-6757 | Magazin CHEXX am Montag, den 12. April 2021
Meine Pandemie mit Professor Drosten - ein Enthüllungsbuch
Wohl niemand kann bestreiten, dass die Corona-Pandemie ein sehr komplexes und bislang nur schwer durchschaubares Geschehen darstellt. Erfassen kann es nur, wer es aus verschiedenen Richtungen in den Blick nimmt. Zu der absoluten Minorität der Journalisten, die ihrem Publikum auch widersprüchliche Positionen in verständlicher Form nahebringen, zählt Walter van Rossum mit seinem aktuellen im Februar 2021 erschienenen Buch "Meine Pandemie mit Professor Drosten" (Rubikon Verlag). Sein Buch fördert den heutzutage überlebensnotwendigen Wissenschaftspluralismus. Und es zeigt sehr deutlich den Unterschied von Journalismus und von Public Relation (früher auch Propaganda genannt), die allein die eingeengte und eingezäunte Sicht des jeweiligen Auftraggebers, in diesem Fall der Regierenden vermitteln soll. Es muss noch etwas anderes geben als Corona-Leugner und Corona-Paniker. Der Meinung sind auch viele Leser. Im aktuellen Ranking der Bestsellerlisten ermittelt von buchreport im Auftrag des Spiegel stand das Enthüllungsbuch mit seinen 253 Seiten in der Sparte Paperback Sachbuch in den ersten zwei Wochen an 2. und dann 5. Stelle.

Schon in seinem einleitenden Kapitel kommt der Autor van Rossum auf eines der Probleme des Wissenschaftspluralismus zu sprechen: die Experten. Er wählt sich dazu den mittlerweile im ganzen Land bekannten Christian Drosten aus, den Chef der Virologie an der Berliner Charité. Drosten hatte sich im Jahr 2003 als Entdecker des SARS-Coronavirus profiliert und gilt seitdem als Experte für Coronaviren. Und der Autor spürt eine verblüffende Kontinuität über knapp 20 Jahre auf. Drosten ist der Mann, "der fast immer zur Stelle war, wenn im 21. Jahrhundert eine Pandemie aus der Taufe gehoben wurde und dessen Warnungen - manchmal bis aufs Komma gleichlautend - sich zuverlässig als falsch erwiesen" (Seite 14). Allerdings räumt van Rossum ein, dass Drosten in keiner Weise die Federführung bei der weltweiten Pandemie innehat, sondern er dient dem Autor "als eine Art roter Faden", um die Chronik der Pandemie zu beschreiben. Denn es gibt zahllose Schauplätze, unzählige Akteure und eine längere Vorgeschichte. Und hier kommen wir zu einem der riesigen Vorzüge dieses Buches. Da hat einer der profiliertesten Autoren in Deutschland in mühevoller akribischer Arbeit das Bild der Corona-Infektionen unter die Lupe genommen, die von einer Allianz aus Seuchenwächtern, Medien, Ärzten und Pharmalobby als höchst gefährliche Pandemie dargestellt wird.

Zu den großen Stärken des Buches zählt zunächst, dass der Leser mit überzeugenden Fakten und Zahlen aufgefordert wird, bestimme Legenden und Mythen rund um SARS-Covid-2 zu hinterfragen. Hier nur eins von unzähligen Beispielen - der PCR-Test, der maßgeblich von Professor Drosten entwickelt wurde. Völlig unverantwortlich wurde der Umgang mit dem Test, weil er lediglich ein paar winzige Nukleinsäure-Sequenzen jenes Virus-Genoms anzeigt, aber keineswegs notwendig ein infektiöses Virus nachweist. Mit anderen Worten, ein positiv Getesteter ist nicht zwangsläufig ein Infizierter. Genau das aber behaupten fast sämtliche am Pandemie-Management Beteiligte bis heute - und selbstredend sämtliche Medien (Seite 32). Das Buch geht auch darauf ein, dass der Test noch nie einen Virus-Direktnachweis geliefert hat und spricht die Heinsberg-Studie an: "Die einzig seriöse Zahl zur Fallsterblichkeit, die bis heute, also neun Monate nach den ersten Corona-Meldungen, in Deutschland veröffentlicht wurde, verdanken wir der sogenannten Heinsberg-Studie von Hendrik Streeck im März/April 2020. Das Ergebnis: 0,37 Prozent (Seite 168).

Um die Gemengelage rund um die Corona-Pandemie besser zu begreifen, lohnt auch der Blick des Autors zurück in die letzten Jahrzehnte. Besonders in den zwei Kapiteln "Der Lärm der Pandemie und das Schweigen der Epidemien" sowie "Veteran aller Pandemien: Christian Drosten" lässt der Autor noch einmal Revue passieren: SARS 2003, Vogelgrippe 2004, Schweinegrippe 2009/10 und Mers 2013. Anhand von einer Vielzahl von Quellen kann sich jeder ein Bild machen, wie gefährlich diese Infektionen wirklich für die Bevölkerung waren und Vergleiche zur Gegenwart anstellen. Denn damals wie heute werden vom Autor benannte Infektionswachtürme aktiv, die dann, so eine weitere Kapitelüberschrift "Big Picture" malen, um Impfoffensiven zu starten. Das alles geht einher mit dem "Medialen Wettrüsten", wo dann in einem weiteren Kapitel "Professor Drosten geht auf Sendung" ausführlich die Person in der Analyse seiner Podcasts zu Worte kommt, die dem Buch seinen Namen gegeben hat.

Natürlich ist das Impfen und der Impfstoff im Buch ein Thema. Dabei bleibt der Autor nicht bei kosmetischen Fragen stehen wie etwa "Wer wird zuerst geimpft und warum ist nicht mehr Impfstoff da?" Es wird auch nicht wissenschaftlich disputiert, ob ein Schnelltest zwei oder drei Mal in der Woche beim Einkaufen abzulegen ist oder wie viel Hektar Park ausreichend sind, um darin ohne Maske spazieren zu gehen oder zu joggen. Zur Diskussion gestellt wird das große Narrativ mit solchen Fragen: Braucht es überhaupt eine Impfung gegen eine Krankheit, die bei den meisten symptomfrei verläuft und die über 99 Prozent aller Erkrankten überleben? Und was sind die Risiken des Impfstoffs? (Wer mehr zum Thema Impfen erfahren will, sollte sich dieses 90 Minuten Gespräch von drei Medizinern anschauen https://www.youtube.com/watch?v=pk7F-kPx3u8 ).

Spannende Lektüre kann der Leser dann erwarten, wenn der Autor politische Hintergründe dokumentiert und die Rolle von internationalen Institutionen aufdeckt, z. B. dem Londoner Imperial College unter Leitung von Neil Ferguson, das seit langer Zeit auf das engste mit der Pharmaindustrie zusammenarbeitet. Die ständig auftretenden medialen Experten hätten sich daran erinnern können, dass Neil Ferguson eine lange Karriere als Falsch-Modellierer hinter sich hat, bei jeder sich bietenden Gelegenheit Millionen Tote prognostizierte und sich regelmäßig um den Faktor 100.000 oder 10.000 verrechnete (Seite 195). In diesem Zusammenhang vermisst der Autor jedwede offizielle Berechnungen, unter welchen Umständen es zu einer Überlastung des Gesundheitswesens überhaupt kommen könnte. "Offenbar hatten der Gesundheitsminister und seine Behörden auch keine Lust, sich an solchen Berechnungen die Finger zu verbrennen. Bei redlichem Gebrauch der vorliegenden Zahlen war man meilenweit von jeder prognostizierten Überbelastung entfernt - dann aber hätte auch der Lockdown keinen Sinn mehr ergeben" (Seite 197).

Schließlich entlässt der Autor uns nicht, ohne die nach den Pandemie-Ferien von Professor Drosten angekündigte zweite Welle einzuschätzen. Mittlerweile ist nach Redaktionsschluss bereits die dritte Welle vorhergesagt. Das letzte Kapitel mit dem Titel "Arbeit am Neustart" ist insofern interessant, weil hier ganz direkt auf die Agenda "Great Reset" von dem Wirtschaftswissenschaftler und Gründer des WEF (World Economic Forum), Klaus Schwab, eingegangen wird. Anhand von sehr aussagekräftigem Quellenmaterial werden die Ziele globaler Interessengruppen offengelegt und mit Zitaten z. B. von Schwab belegt. "Jetzt ist der historische Augenblick da, nicht nur um das eigentliche Virus zu bekämpfen, sondern auch, um das System gemäß den Bedürfnissen umzuformen, die im Zusammenhang mit Corona entstanden sind" (Seite 236). Ein Kommentar des Autors van Rossum zu Schwab: "Von Ferne erinnert er an den von dunklen Visionen getriebenen Colonel Kurtz in dem Film "Apokalypse Now" von Francis Ford Coppola" (Seite 236). Aber natürlich geht es in diesem Epilog des Buches weder ausschließlich um Klaus Schwab, wie im gesamten Buch auch nicht nur um Professor Christian Drosten. Vielmehr stehen die globalen Netzwerke im Mittelpunkt, die über Jahrzehnte entstanden, ständig gewachsen und jetzt scheinbar unaufhaltsam erfolgreich sind.

Aussagekraft und Glaubwürdigkeit eines Enthüllungsbuches hängt ganz maßgeblich vom Autor ab - eine Binsenweisheit. Walter van Rossum hat Studien der Romanistik, Philosophie und Geschichte in Köln und Paris absolviert und einen Doktortitel aufzuweisen. Als freier Autor war er viele Jahre in den etablierten Medien von WDR bis DLF und von ZEIT bis FAZ unterwegs. Er nutzte seine Fähigkeiten und sein Image, um sich mit dem Fernsehtalk von Sabine Christiansen oder mit der Hauptnachrichtensendung Tagesschau der ARD kritisch und im brillanten Stil auseinanderzusetzen. Er scheut sich ganz augenscheinlich auch nicht, unbequem zu sein und hat sich in seinem Buch als Prolog-Satz auf einer separaten Seite eine kühne Vision ausgewählt: "Die Zukunft gehört den Mutigen." Da sollten sich auch andere Zeitgenossen in Plenarsälen, Amtsstuben, Krankenhäusern und Redaktionen angesprochen fühlen.

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