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Dass das Durchschnittsalter der Zuschauerinnen und Zuschauer acht Jahre über dem der inzwischen 60 Jahre alt gewordenen "Abendschau" des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) liegen soll, verwunderte die anwesenden Pressevertreter bei der Vorstellung des neuen Studios dann doch. Aber es erklärte auch, dass die Nachrichten des rbb verjüngt werden sollen. Denn mit dem 1. September 2018 tragen alle Nachrichteninhalte des rbb den gleichen, Medien übergreifenden Absender "rbb24". Entsprechend heißen mit diesem Stichtag die bisherigen "rbb aktuell"-Sendungen im rbb Fernsehen "rbb24". Das gilt für die Nachmittagsausgaben und die Sendung um 21.45 Uhr ebenso wie für den Nachrichtenblock in "rbb UM6". Dazu einige Fragen an Gabriele von Moltke, Redaktionsleiterin der "Abendschau".

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CHEXX Warum braucht die "Abendschau" jetzt ein neues Studio?

Gabriele von Moltke Unser bisheriges Set war mal Avantgarde, aber in den elf Jahren haben sich die Sehgewohnheiten enorm verändert. Neuigkeiten sind schließlich unser "Geschäft" - da dürfen wir nicht stehen bleiben. Deshalb ist jetzt zum 60. ein Facelift fällig. Unser Botox heißt allerdings LED. Auf den großen Bildwänden werden aktuelle Fotos und Videos ihre ganze Kraft entfalten. Die Zuschauerinnen und Zuschauer werden sehen: Wir gehen ganz nah ran an die Menschen, an die Ereignisse.

CHEXX Was macht das neue Studio aus?

Gabriele von Moltke Designer Frank Cremers hat für uns einen coolen, urbanen Raum entworfen. Das ist Berlin. Es ist eben kein virtuelles Set, sondern ein offener Raum. Das Studio ist extrem wandelbar. Wir werden von dort nicht nur die "Abendschau", sondern auch unsere neue Spätausgabe "rbb24" um 21.45 Uhr senden. Auch Spezials, Late Night Talk und Wahlsendungen werden hier produziert. Und wir können endlich unsere Moderatoren befreien - weg vom Tisch, frei im Raum. Einen starken optischen Akzent liefert unsere bislang einzigartige LED-Wand, auf der wir Bilder über Eck zusammenstellen können. Zur Renovierung gehört auch ein neuer Vorspann. Für die Abendschau kann ich schon so viel verraten: Wir bleiben dem Brandenburger Tor treu. Doch unsere Stadt hat ja noch so viel mehr zu bieten. Wir nehmen ihr Tempo auf.

CHEXX Was ist für Sie das Besondere an der "Abendschau"? Was bietet sie, das die Berlinerinnen und Berliner nirgends sonst bekommen?

Gabriele von Moltke Ich sag es mal mit den Zuschauern: Wer in Berlin wissen will, was los ist, schaut die Abendschau! 60 Jahre Kompetenz und Verlässlichkeit sind etwas sehr Besonderes. Die Fähigkeit, sich ständig neu zu erfinden, auch. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das anhaltend gute Gespür, welche Themen die Berlinerinnen und Berliner bewegen. Die "Abendschau" ist der Seismograf für die Veränderungen und Entwicklungen der Stadt.

CHEXX Wo sehen Sie die "Abendschau" in den nächsten Jahren? Was sind die Herausforderungen?

Gabriele von Moltke Ich sehe die "Abendschau" als Nachrichtenjournal mit Biss: politisch, kritisch und nah dran an den Menschen. Die Stadt wird noch voller, die Gegensätze verschärfen sich weiter. Das werden wir begleiten. Die Meldungen und die wichtigsten Bilder des Tages haben unsere Zuschauer oft längst schon auf ihren Smartphones gesehen. Für uns kommt es darauf an, mit besonderem Blick zu erzählen, zu erklären, warum Dinge passieren, und Menschen vorzustellen, die Lösungen anstoßen. Die größte Herausforderung sehe ich in der Verjüngung unseres Publikums. Trotz zunehmender Fernsehabstinenz müssen jüngere Zuschauer uns in der Angebotsflut noch finden. Dazu gehört auch, unsere Geschichten schneller auf den verschiedensten Kanälen auszuspielen.

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CHEXX Was bedeutet Ihnen die "Abendschau" persönlich? Gibt es vielleicht ein besonderes Erlebnis, das Sie mit der "Abendschau" verbinden?

Gabriele von Moltke Der Anschlag auf dem Breitscheidplatz war sicher so ein Erlebnis. Der hat uns alle ins Herz getroffen. Und wie dann alle zur Stelle waren - Redaktion, Produktion, Kamera, Schnitt und Regie - das ist in all dem Horror auch zutiefst bewegend. Deshalb war es für uns ein Bedürfnis, am ersten Jahrestag des Anschlags live vom Gedenken auf dem Breitscheidplatz zu berichten. Und ganz persönlich ist die "Abendschau" meine journalistische Heimat - hier habe ich mal das Handwerk gelernt. Das Wichtigste ist das kreative, nervenstarke und herzliche Team. Die "Abendschau" wäre nichts ohne diese engagierten Kolleginnen und Kollegen.

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