Magazin CHEXX am Dienstag, den 19. November 2019
Mein Armenien
Stepan Gantralyan kam in der ehemaligen UdSSR zur Welt. Der Liedermacher, Schauspieler, Regisseur und Sänger stammt aus Jerewan und ist daher mit der Sprache und Kultur Armeniens tief verwurzelt. Daher beherrscht er perfekt die armenische und russische Sprache. Natürlich spricht und singt er auch in deutscher, hebräischer, griechischer, französischer und englischer Sprache. Einst kam er aufgrund von zwei Goethe-Stipendien nach Deutschland. Von 1999 bis 2005 gehörte er dem Ensemble des "Theater an der Ruhr" bei Roberto Ciulli in Mühlheim an der Ruhr an. Nunmehr ist er als freischaffender Künstler mit Wohnsitz in Berlin-Pankow tätig. CHEXX begleitete Stepan Gantralyan am 4. Mai bei einem Konzert in den "Heckmannschen Höfen" in der Oranienburger Straße 32 in Berlin-Mitte.

Armenische Lieder aus den Bereichen Chanson, Volkslied, Bardenlieder und Eigenkompositionen brachte er den Gästen dar. Der mit bulgarisch-armenischen Wurzeln versehene Gitarrist Emil Georgiev begleitete Stepan Gantralyan. Liebeslieder müssen nicht unbedingt die Liebe zwischen Mann und Frau besingen. Das machte das Duett mit Liedern auf die Heimat deutlich. In einem Lied teilt ein Mann, der weit entfernt von Armenien arbeitet, traurig mit: "Ich würde sterben für die Prise aus den Bergen." Natürlich kommt in zahlreichen Liedern auch der Völkermord an den Armeniern im 1. Weltkrieg zum Ausdruck. Wer das Glück hatte, zu überleben, komponierte und textete im Ausland Lieder auf die Heimat Armenien. In dem Lied "Verlorene Heimat" heißt es unter anderem: "Ich wohne außerhalb. Ich erinnere mich an Namen von Freunden, Nachbarn, Städten, Straßen und Plätzen. Ich will zurückkehren, aber das Paradies ist zu." In einem anderen Lied hatte ein armenischer Komponist nach der Flucht mitgeteilt: "Die Sonne ist die gleiche. Aber unsere Erinnerungen sind verblasst und die Zukunft verspätet sich." Stepan Gantralyan und Emil Georgiev boten dem begeisterten Publikum Lieder dar, die erst kürzlich komponiert worden sind und Lieder bis hin zu einer Bandbreite von über 300 Jahren. Natürlich darf bei Künstlern aus Armenien ein Lied niemals fehlen. Das Lied ihres großen Vorbilds und einem Mann, der ein Weltstar war. Der Chansonnier, Liedtexter, Schauspieler und Komponist Charles Aznavour, der von 1924 bis 2018 gelebt hatte, konnte auf armenisch-französische Wurzeln blicken. Einer seiner Welterfolge war das Lied "La Mamma", wo er den Tod seiner alten Mutter beklagt. Stepan Gantralyan sagte: "Bis heute löst das Lied bei Emil und mir die Frage auf, darf man nach dem Singen und Spielen von "La Mamma" klatschen? Immerhin betrauert hier ein erwachsener Mann den Tod seiner sehr alt gewordenen Mutter. Daher sind wir wirklich nicht unglücklich, wenn Sie danach nicht klatschen würden." Das Publikum hielt sich an die Bitte des Künstlers Stepan Gantralyan.