Magazin CHEXX am Montag, den 09. Dezember 2019
170 Tage in Nanking - Die Tagebücher von John Rabe
Der 1955 geborene chinesische Komponist Tang Jianping schuf die Oper "170 Tage in Nanking - Die Tagebücher von John Rabe". Diese Oper beruht auf geschichtlichen Tatsachen, die für China bis heute mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden sind. Am 3. Juli konnte man dieses Werk in der Berliner Staatsoper Unter den Linden erleben. Inszeniert worden ist die Oper von der jungen Regisseurin Zhou Mo in Zusammenarbeit mit dem Jiangsu Theatre for the Performing Arts. In Hamburg kam John Rabe 1882 zur Welt und erlernte den Beruf des Kaufmanns. Im Jahre 1908 ging er nach China. Von 1911 an arbeite Rabe als Repräsentant der Firma Siemens in Nanjing. Damals war es die chinesische Hauptstadt und rund zwei Millionen Einwohner lebten dort. 1931 wurde der Deutsche zum Geschäftsführer der chinesischen Siemens Niederlassung ernannt. Rabe war glühender Anhänger von Hitler und trat früh in die NSDAP ein. Er hatte aber das später gezeigt, was manche Nicht-Parteimitglieder nie an den Tag gelegt hatten in der Zeit der Schreckensherrschaft der Nazis: Humanismus! Bis heute wird John Rabe als der "Oscar Schindler Chinas" verehrt. Japanische Truppen nahmen Nanjing im Dezember 1937 im Rahmen des japanisch-chinesischen Kriegs ein und errichteten ein Terrorregime. Es kam zu Ermordungen, Vergewaltigungen und Plünderungen. Historiker gehen davon aus, dass 300.000 Chinesen ermordet worden sind in Nanjing. John Rabe und die wenigen verbliebenen Europäer und Amerikaner errichteten eine Schutzzone in Nanjing. Rabe wählte man zum Vorsitzenden des "Internationalen Komitees für die Nanjing sichere Zone." Rabe hisste auf dem Gelände der Schutzzone die Hakenkreuz-Fahne und machte dem japanischen Oberbefehlshaber klar, dass Deutschland und Japan Verbündete seien und diese Schutzzone diene den deutschen Interessen.

Man geht davon aus, dass John Rabe 250.000 Menschen das Leben gerettet hat. Im Februar 1938 hatte er Nanjing verlassen und ist nach Deutschland zurückgekehrt. Hier wollte Rabe die Nazi-Oberen auf die Massaker in Nanjing aufmerksam machen. Die NS-Führung hatte aber kein Interesse für die mahnenden und um Hilfe bittenden Worte des John Rabe. Er kam sogar kurzzeitig in Haft. Man hatte ihm auferlegt, über das Geschehene zu schweigen. Völlig verarmt ist er 1950 in Berlin verstorben. Unter dem Dirigenten Xu Zhong erlebte das Publikum in der Staatsoper Unter den Linden eine herausragende Oper im Bereich Dramaturgie, Regie, Bühnen- und Kostümbild. Ein schrecklicher Teil der chinesischen Geschichte kam zur Aufführung! Komponist Tang Jianping drückte es so aus: "Es ist mein Wunsch, dass das Publikum in diesem Drama die Brisanz der Menschheit erfährt, nicht den Terror des Mordens." Seine Oper ist einerseits ein Hilfeschrei gegen die Gräuel, anderseits eine Hommage an den Humanismus. Die Gesangs-Stimmlage des John Rabe ist ein Tenor, die der US-Bürgerin und Schulleiterin Minnie Vautrin ein Sopran. Die Gesangs-Stimmlage des US-Missionars John Magee (ganz herausragend gesungen von Hao Jiang!) ist ein Bass, die des jungen US-Chirurgen Dr. Robert Wilson (sehr beeindruckend war hier Tom Mulder) ein Tenor und als Bariton überzeugte Jose Rubio in der Rolle des Pastor Mills.