Magazin CHEXX am Montag, den 19. August 2019
James-Simon-Galerie - das neue Entree für die Museumsinsel
Die James-Simon-Galerie - das zentrale Empfangsgebäude der Museumsinsel Berlin - hat am vergangenen Wochenende mit einem großen Besucherfest die Pforten geöffnet. Fertiggestellt nach einem zwanzigjährigen Planungsprozess und zehnjähriger Bauzeit. Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte zur Einweihungszeremonie ausnahmsweise ganz entspannt zu Fuß kommen. Sie wohnt direkt gegenüber und hat das spektakuläre Bauwerk seit 2009 wachsen sehen. Wie es nicht anders sein kann, gab es im Laufe der Zeit bautechnische Probleme und Verzögerungen. Als besonders heikel erwies sich der Bau der Fundamente im Grundwasser. Wegen einer eiszeitlichen Auswaschung im Baugrund mussten Taucher für ein stabiles Fundament 1200 Pfähle in den schlammigen Boden rammen. Auch das trieb die Kosten von anfangs geplanten 71 auf 134 Millionen Euro hoch. Aber nun ist alles vergessen und die Freude über das gelungene Bauwerk groß.

Für Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ist die Eröffnung ein historischer Moment. Vor allem auch, weil damit die seit langem überfällige Ehrung eines großen Mäzens einen würdigen Rahmen erhält. Ohne James Simon (1851 - 1932), einem großen Philanthropen und jüdischen Weltbürger, wären die Berliner Museen nicht das, was sie heute sind. Geboren in Berlin als Sohn einer wohlhabenden Textildynastie, steht Simon für ein kulturelles und soziales Engagement, das seinesgleichen sucht. So förderte er nicht nur die Bildung breiter Schichten und half den sozial Schwachen, er stiftete als leidenschaftlicher Kunstsammler den Königlichen Museen auch an die 10.000 bedeutende Kunstobjekte, die bis heute zu den größten Schätzen der Berliner Sammlungen zählen, darunter das Ischtar-Tor und die Nofrete.

Auch für Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, ist die James-Simon-Galerie mehr als nur ein Tor zur Berliner Museumsinsel. Er findet das Bauwerk "atemberaubend schön",  ein Juwel, das neben der rein praktischen Bedeutung vor allem eben auch eine Hommage ist an James Simon und das untergegangene jüdische Bürgertum Berlins. Er wünscht sich, dass die große Freitreppe  zur "Spanischen Treppe" Berlins wird, wo sich "Berlinerinnen und Berliner mit Gästen aus aller Welt treffen und ins Gespräch kommen über die weltberühmten Kunst- und Kulturgüter, die in den Sammlungen im Herzen Berlins zu entdecken sind."

Foto von Ingrid Müller-Mertens

Das nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield entstandene zentrale Empfangsgebäude der Museumsinsel Berlin bietet mit einer Fläche von 10.900 qm Service, Orientierung und Aufenthaltsqualität. Neben einem Sonderausstellungsbereich und Auditorium, großzügig angelegten Ticket-, Info- und Garderobenbereichen sowie einem Shop, Café und Restaurant leitet die James-Simon-Galerie direkt in den Rundgang im Pergamonmuseum sowie über die Archäologische Promenade in das Neue Museum. Für den Stararchitekten ein "großes Abenteuer", denn es stand nur noch eine langgezogene, schmale Baufläche zur Verfügung, direkt am Kupfergraben: "Normalerweise ist der Inhalt klar, wenn man ein Gebäude bauen soll", so Chipperfield.  Hier aber gab es eine "Shopping-Liste" mit Wünschen für ein Auditorium, mehr Ausstellungsfläche, Zugänge für vier der fünf Museumsgebäude der Insel, die "bisher ohne echten Empfangsbereich" daherkamen, oder schlicht mehr Toiletten, von denen es gerade im Neuen Museum zu wenige gibt. Der Bau von David Chipperfield ist ein moderner Schlussstein, ein architektonischer Gegenpol zu den fünf historischen Häusern und greift doch in seiner Ästhetik und Eleganz die Elemente der umgebenden historischen Architektur auf.  Gemeinsam mit der Archäologischen Promenade bildet er das Herzstück des Masterplans Museumsinsel, der 1999 entwickelt wurde, um das UNESCO-Welterbe zu bewahren und gleichzeitig zu einem zeitgemäßen Museumskomplex umzugestalten. Die Galerie hat eine Nutzfläche von 4.600 Quadratmetern und wird in einigen Jahren Bode-, Pergamon- , Neues und Altes Museum über eine unterirdische "Archäologische Promenade" verbinden.

Das über das untere Foyer der James-Simon-Galerie zugängliche Auditorium bietet Platz für rund 300 Personen und kann für interne und externe Veranstaltungen genutzt werden. Das von der BMB-Gruppe geführte Café und Restaurant bietet täglich von 9.30 bis 23 Uhr mit einer nach Entwürfen von David Chipperfield Architects konzipierten Inneneinrichtung Platz für rund 90 Personen in seinem Innenraum sowie für 80 Personen auf seiner direkt an der Spree gelegenen Sonnenterrasse - von der man auch auf das Wohnhaus der Kanzlerin sehen kann -  werden im Café Speisen und Getränke für ein breites Publikum, abends im Restaurant gehobene Küche mit thematischen Bezügen zu den Sammlungen und Ausstellungen geboten. Der Museumsshop ist mit rund 300 qm der größte und zentrale Shop der Museumsinsel Berlin.

Von Berliner Umschau mit Fotos von Ingrid Müller-Mertens