Magazin CHEXX am Samstag, den 14. Dezember 2019
Erinnerungen an Heinrich Zille
Mit seiner Totenmaske, den Grabkarten, der originalen Staffelei und anderen ganz persönlichen und einzigartigen Objekten wird an Heinrich Zille (1858 - 1929), einen der bekanntesten Berliner Künstler anlässlich seines 90. Todestages am 9. August gedacht. Wo sonst, als in dem kleinen aber feinen Zille-Museum im historischen Nikolaiviertel könnte man das sprichwörtliche "Berliner Herz mit Schnauze" so liebevoll präsentiert finden. Auf der rund 250 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche veranschaulichen Grafiken und Fotografien aus Heinrich Zilles Schaffen sowie biografische Dokumente das vom "Pinselheinrich" so typisch und akribisch eingefangene "Berliner Milljöh". Seine Zeichnungen über das Leben in den Berliner Hinterhöfen zur Kaiserzeit und in den 1920er Jahren beeindrucken noch heute mit seinem ungewöhnlichen Blick auf den Lebensalltag und die entsetzlichen sozialen Missstände dieser Zeit. In der Sonderausstellung zu Zilles 90.Todestag gibt es nun zwei besondere und berührende Erinnerungsstücke zu sehen: Heinrich Zilles Totenmaske und seine Originalstaffelei - exklusiv für diesen Anlass von Zille-Urenkel Hein-Jörg Preetz-Zille zur Verfügung gestellt.

Die Totenmaske, eine Gipsstatuette von August Kraus (1897), wie auch die Staffelei mit Zeichenbrett, Zeichenstock und Hocker sind für ihn sehr persönliche Erinnerungsstücke an den Urahnen, die sonst ihren ständigen Platz zu Hause in einer liebevoll angelegten "Zille-Ecke" haben und sonst nicht ausgeliehen werden. Doch: "Gerade die originale Totenmaske findet an so einem Tag der Würdigung eine besondere Bedeutung. Mit den wertvollen Relikten an exponiertem Ort möchten wir erreichen, einmal kurz innezuhalten, um über den Geehrten zu resümieren. Mit der Staffelei, dem originalen Arbeitsplatz seines unendlich fleißigen Schaffens, gibt es die Möglichkeit, sich auf den Menschen Heinrich Zille einzulassen", begründet der Urenkel die einmalige Leihgabe dieser Kostbarkeiten an das Museum. Der unvergleichliche Berliner "Milljöh"-Maler und Chronist gehört zu Berlin wie kaum ein anderer. Er ist Berlin. Auch wenn er in Sachsen geboren wurde. Umso bedauerlicher, dass die Stadt ihrem großen Sohn und 80. Ehrenbürger der Stadt so wenig Reverenz erweist.

Das ärgerte auch den beliebten Volksschauspieler und Zille-Darsteller Walter Plathe, der 2002 die Initiative zur Museumsgründung ergriff, um zusammen mit Heinrich Zilles Urenkel Hein-Jörg Preetz-Zille, dieses bedeutende künstlerische und kulturhistorischen Erbe der Nachwelt zugänglich zu machen. Unverständlich, dass es bis heute von der Stadt Berlin keine finanzielle Unterstützung gibt und das Museum nach wie vor nur dank dem Heinrich-Zille-Freundeskreis, dem Enthusiasmus seiner Mitarbeiter und privaten Zuwendungen existieren kann. Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) versprach zwar im Januar 2018 anlässlich des 160. Geburtstags von Heinrich Zille - , den er als "unvergessen" und "identitätsstiftend" würdigte - : "Wir gucken, was wir tun können, um zu helfen." Leider ist es bis heute beim "gucken" geblieben.

Mehr Informationen zur Sonderausstellung "Erinnerungen an Heinrich Zille" anlässlich des 90. Todestages von Heinrich Zille gibt es im Zille-Museum Berlin, Probststraße 11, 10178 Berlin-Mitte.

Von Berliner Umschau mit Fotos von Ingrid Müller-Mertens