Magazin CHEXX am Mittwoch, den 16. Oktober 2019
Der Oktober im Deutsch-Jüdischen Theater
Die gebürtige Dresdnerin Alexandra J. Frölich gehört als Dramaturgin, Schauspielerin sowie Autorin dem Ensemble des Deutsch-Jüdischen Theaters an, dessen Aufführungen im "Coupé Theater" am Fehrbelliner Platz am Hohenzollerndamm 177 in Berlin-Wilmersdorf stattfinden. Das "Coupé Theater" ist ein kleines, gemütliches Theater, das 1994 nach den Entwürfen des Malers und Bühnenbildners Professor Viktor Müller-Staedt im Gebäude des Bürgeramtes und der Kommunalen Galerie realisiert wurde. Volkert Neef fragte für CHEXX Alexandra J. Frölich, was im Oktober aufgeführt wird.

CHEXX Was werden wir im Oktober im Deutsch-Jüdischen Theater an Aufführungen sehen?

Alexandra J. Frölich Das Deutsch-Jüdische Theater führt am 17. Oktober die erste Vorstellung des laufenden Monats auf. Wir lassen sowohl am 17. als auch am 18. Oktober jeweils um 19 Uhr unsere Road-Movie-Helden Benjamin und Senderl zurückkehren. Das Werk von Hermann Sinsheimer trägt den Titel "Benjamin-Wohin?" Dabei handelt es sich um eine Komödie. Die Helden ziehen nicht aus, um das Fürchten zu lernen, sondern um dieses hinter sich zu lassen.

CHEXX Kishon steht auch auf dem Programm?

Alexandra J. Frölich Ja. Am 19. Oktober dann kann man sich an Kishons intimen Geständnissen erfreuen. Meine Kollegen Xenia Wolfgramm und Joachim Kelsch geben die intimen Geständnisse Kishons preis.

CHEXX Was steht noch auf dem Programm?

Alexandra J. Frölich Einen Tag später dann, also am 20. Oktober, erlebt man auf der Bühne in Wilmersdorf unsere bekannte Aufführung "Shabat Shalom". Das Stück reagiert jährlich auf die jeweils aktuelle Situation in Deutschland, wo neben aller Weltoffenheit neuer Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit und Rassismus im Allgemeinen das Bild bestimmen. Eva Maria Kölling und ich umgarnen den virtuosen Klavierspieler Alexander Gutmann am 23. und 24. Oktober um 19 Uhr in "Wenn die beste Freundin mit der besten Freundin..." Am 25. Oktober ist Kabarett bei uns angesagt im "Kabarett Größenwahn-Das verlorene Paradies". Dort, wo heute das Kranzler Eck steht, befand sich in den Zwanzigern eine andere Berliner "Institution", eine Bühne, auf der Stars wie Marlene Dietrich, Margo Lion und Blandine Ebinger ihre ersten Erfolge gefeiert haben. Die Musik von Friedrich Hollaender und Mischa Spoliansky gelangte dort zu erstem Ruhm. Die Inszenierung erzählt eine von vielen Geschichten dieser Blütezeit deutsch-jüdischer Kultur vor 1933. Am 26.Oktober geht es dann märchenhaft und orientalisch zu mit "Rosinen aus Bagdad". Eva Maria Kölling und Ciwan Tengezar bringen die getrockneten Weintrauben auf die Bühne.

CHEXX Auch "Panzerkreuzer Potemkin" steht auf dem Programm.

Alexandra J. Frölich Ja. "Panzerkreuzer Potemkin" steht am 29. Oktober bei uns im Deutsch-Jüdischen Theater im Mittelpunkt. Der sowjetische Propaganda-Stummfilm des jüdischen Regisseurs Sergei Eisenstein stammt aus dem Jahre 1925. Es gibt bei uns im Theater eine Übersetzung sowie Werkeinführung und Live-Begleitung durch den Komponisten Alexander Gutman am Klavier. Am 31. Oktober erleben wir Anna Moik-Stötzer mit "Der politische Stefan Zweig". Man geht der Frage nach: "Der politische Stefan Zweig - ein Europäer erinnert sich; was macht ein Jude, der ein überzeugter Europäer ist, wenn der 1.Weltkrieg seine Welt auf den Kopf stellt?" Das alles bieten wir dem Publikum im Oktober.