ISSN 2701-6757 | Magazin CHEXX am Freitag, den 30. Oktober 2020
Nachgefragt
Die Schauspielerin, Dramaturgin und Autorin Alexandra J. Frölich kennt man vom DJT, dem "Deutsch-Jüdischen Theater" in Berlin. CHEXX sprach mit ihr über die Pandemie und die dadurch verursachte Krisensituation für die Kulturschaffenden.

CHEXX Wie steht es aktuell um das DJT?

Alexandra J. Frölich Meine Kollegen und ich sind tieftraurig. Zum 30. April wollte das Ensemble mit einer Premiere aufwarten. Die Premiere fand, Corona-bedingt, nicht statt. Ein Werk des russisch-jüdischen Schriftstellers Salomon An-Ski sollte aufgeführt werden. Der Autor kam 1863 zur Welt und ist im November 1920 verstorben. Im Dezember 1920, also einen Monat nach seinem Tod, wurde sein berühmtestes Werk "Der Dibbuk" in Warschau uraufgeführt. Wir wollten es jetzt zum 100-jährigen Doppeljubiläum auf die Bühne bringen.

CHEXX Worum geht es in dem Stück?

Alexandra J. Frölich In dem Werk geht es um folgendes: Lea ist die Tochter eines reichen Rabbiners und soll standesgemäß verheiratet werden. Was ihr Vater nicht ahnt: Die junge Frau hat bereits anderweitig zarte Bande zu dem Talmudstudenten Chanan geknüpft, dessen Innerstes von der ersten Begegnung an ohne Worte zu ihr spricht. Als der junge Mann von der bevorstehenden Hochzeit seiner Geliebten mit einem anderen Mann erfährt, ist er des Todes. Seine Seele aber bleibt lebendig und fährt als Dibbuk, das ist im jüdischen Volksglauben ein Totengeist, in den Körper der jungen Braut.

CHEXX Was können Sie noch zum DJT aktuell sagen?

Alexandra J. Frölich Als weiteren Punkt meiner Traurigkeit, ja Bestürzung, ist zu erwähnen: Die neue gesetzliche Regelung, die Theater bis zum 31. Juli geschlossen zu halten und sie damit "die Saison beenden" zu lassen, ist nicht durchdacht. Man hat die privaten Veranstalter nicht berücksichtigt. Private Kultureinrichtungen unterliegen ganz anderen zeitlichen Abläufen als staatliche Häuser.

CHEXX Schauspieler und Dramaturgen können im Theater weder auftreten noch proben. Kommt da nicht Langeweile auf?

Alexandra J. Frölich Unser Homeoffice, wenn ich es einmal so ausdrücken darf, sieht so aus: Wir bereiten unsere Eigenproduktion "Noten in Not - Das Mädchenorchester von Auschwitz" und "Shalom-Salam: Wohin?" vor. Die Buchhaltung muss weiterhin erledigt werden und neue musikalische Programme konzipieren wir. Privat sind wir auch aktiv. Wir bringen die Wohnung auf Hochglanz und misten altes Papier aus. Last, but not least: Wir hoffen, dass Corona unser Leben nicht mehr allzu lange im Griff hat, sondern wir zur Normalität zurückkehren können.

CHEXX Gibt es Ihrerseits eine Möglichkeit, die Verdienstausfälle zu kompensieren?

Alexandra J. Frölich Wie vielen anderen kulturellen Einrichtungen setzt uns, dem Deutsch-Jüdischen Theater, Corona mit seinen Auswirkungen schwer zu. Um den Schaden etwas abzufedern, haben wir eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Unsere erste übrigens. Da geht tatsächlich jeder gespendete Euro an uns! Man würde uns sehr weiterhelfen, wenn alle die Kampagne bei Freunden und Bekannten, die sich für Kultur interessieren, empfehlen würden. Den Link per Mail weiterschicken oder auf Facebook und Instagram teilen und liken und wieder teilen würde, wie auch immer. Freikarten geben wir als Dankeschön für die Hilfe sehr, sehr gerne - denn irgendwann werden wir auch wieder spielen und uns hoffentlich mit einem erleichterten Lächeln an diese ungewöhnliche Zeit erinnern.

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