ISSN 2701-6757 | Magazin CHEXX am Freitag, den 24. September 2021
Fotokünstler Marc Vorwerk - Das Warten auf den richtigen Moment

CHEXX Eigentlich bist Du Regisseur und Autor für Werbe- und Imagefilme. Du hast unter anderem bei der Harald Schmidt Show als Regisseur für Einspielerfilme mitgearbeitet. Warum der Wechsel zur Fotografie?

Marc Vorwerk Ursprünglich komme ich von der Fotografie und wollte nach dem Abi meine berufliche Laufbahn entsprechend aufbauen. Doch wie das so ist, verschieben sich bei einem jungem Menschen die Prioritäten und ich hatte Lust, meine Bilder mit längeren Geschichten zu füllen - der Film schien mir das geeignete Medium dafür zu sein. Über einige Umwege mit Stationen am Theater in Freiburg sowie Hamburg und einem Redakteurs-Praktikum bei SAT.1 habe ich dann Regie Werbefilm an der Filmakademie in Ludwigsburg studiert. Ich habe leidenschaftliche gerne Filme gedreht und war auf meinem Gebiet ganz erfolgreich, weil ich den einen oder anderen Preis gewinnen konnte. Mit dem 11. September 2001 hat sich auch in der Werbung jedoch vieles verändert. Die darauffolgenden Weltwirtschaftskrisen haben der Branche über fast zehn Jahre hart zugesetzt. Vielen Agenturen oder Werbefilmproduktionen fehlte leider der lange Atem, um über die Krise hinwegzukommen. Für mich war das auch ein Wendepunkt und ich habe meine langjährige, nebenberufliche Tätigkeit als Journalist weiter ausgebaut. Parallel habe ich auch noch Filme gedreht, wie zum Beispiel das Musikvideo "Urgestein" von Frank Zander im vergangenen Jahr. Aber nach über hundert Werbe- und Imagefilmen suche ich nicht mehr aktiv nach Regie-Jobs im Filmbereich. Und plötzlich stand mit dem Papstbesuch 2012 in Berlin wieder das Thema Fotografie ganz groß in meinem Fokus. Aber erst seit 2018 arbeite ich hauptberuflich als Fotograf.

CHEXX Was ist an der Fotografie interessanter?

Marc Vorwerk Ich glaube, das kann man nicht ohne weiteres so sagen, was einem besser gefällt. Ich habe beim Film unglaublich spannende Ereignisse, Menschen oder Länder kennengelernt. Zum Beispiel war ich mit meinem Team auf einer zehntägigen Reise für einen E-Plus Imagefilm durch Japan unterwegs. Genauso führt einen aber auch die Fotografie auf Events oder mit Menschen zusammen, die man vielleicht als Normalbürger so nicht treffen würde. Und auch der Blick hinter die Kulissen der Weltpolitik oder kultureller Veranstaltungen ist zumindest am Anfang atemberaubend. Beide Genres ähneln sich sehr, auch wenn es technisch ein paar gravierende Unterschiede gibt. Eine Gemeinsamkeit ist beispielsweise auch das Warten auf den richtigen Moment, das beste Licht, auf den Umbau der Technik oder der Beginn eines Konzerts. Als ungeduldiger Mensch ist das oft nicht einfach, weil ich immer in Bewegung sein möchte. In der Fotografie ist man jedoch öfters solistisch unterwegs und muss sich nicht mit einer ganzen Sammlung von Gewerken abstimmen. Das ist oft sehr befreiend, wenn man einfach mal loslösen und für sich ganz alleine losziehen kann.

Marc Vorwerk

CHEXX Mich beeindrucken immer wieder Deine Fotos der "Blauen Stunde". Was hat es damit auf sich?

Marc Vorwerk Zur Blauen Stunde, kurz vor Sonnenaufgang oder kurz nach Sonnenuntergang, bekommen Städte oder Landschaften etwas ganz Magisches. Ganz besonders abends kommt die Stadt zur Ruhe und entschleunigt von einem hektischen Tag. Plötzlich werden die Straßen leerer, der Verkehrslärm ebbt ab, nur noch wenige Vögel zwitschern, die Straßenlaternen gehen an und das letzte Sonnenlicht weicht einem warmen Blau. Die Zeit der blauen Stunden dauert, je nach Jahreszeit, nur wenige Minuten bis hin zu einer Stunde im Sommer. Und ganz ehrlich: selbst hässliche Städte bekommen dadurch etwas Schönes und Faszinierendes ... das ist wie so ein Instagram-/TikTok-Filter, da guckt man gerne hin!

Marc Vorwerk

CHEXX Du hast als einer der "Hauptstadtfotografen" US-Präsident Barack Obama, Queen Elisabeth II., Papst Bendikt XVI. und viele andere Staatsgäste bei ihren Staatsbesuchen fotografiert. Wie ist es, bei solchen Ereignissen zu fotografieren? 

Marc Vorwerk Das erste Mal, als ich bei so einem Ereignis dabei gewesen bin, war ich wahnsinnig nervös und aufgeregt. Ich hatte mich noch nicht lange mit der Materie Digital-Fotografie beschäftigt und auch meine Ausrüstung war zwar gut, aber noch nicht ganz auf dem Stand eines echten Pressefotografen. Das ist schon eine ganz andere Hausnummer, als wenn man gewohnt ist in aller Ruhe ein paar Fotos zu machen. Erst eine lange Wartezeit, dann wird es plötzlich hektisch und man muss sich vor allen Dingen, unter Wahrung aller Anstandsregeln, auch gegen andere Fotografen durchsetzen können, um den besten Platz zu bekommen. Wer sich daneben benimmt fliegt in der Regel raus, da kennen die Sicherheitsleute kein Pardon! Obwohl ich auch Situationen erlebt habe, da haben sich die Fotografen brutal umgerannt, bis jemand blutend am Boden lag. Dagegen ist die Stierhatz in Pamplona ein beschwingter Sonntagsnachmittagsspaziergang. Zu der Zeit habe ich auch viele technische Fehler gemacht, leider. Denn das sind verpasste Chancen, die so nicht reproduzierbar sind. Doch man lernt über die Jahre zum Glück dazu und kriegt auch die Nervosität in den Griff. Heute ist alles viel entspannter, weil man mittlerweile auch die Abläufe kennt. Jedoch gibt es immer wieder unvorhersehbare Änderungen im Protokoll, so dass man eigentlich in vielen Fällen nichts planen kann. Aber leider ist durch die Routine auch ein bisschen der Thrill verlorengegangen ... und leider sind auch die Verdienstmöglichkeiten als Pressefotograf noch weiter zurückgegangen. Ein Grund dafür, dass ich das nicht mehr regelmäßig mache.

Marc Vorwerk

CHEXX Welche Staatsgäste haben noch den Weg durch Deine Linse genommen?

Marc Vorwerk Ich denke mal, dass ich mittlerweile den Großteil der Weltpolitik seit 2012 vor der Linse hatte. Beim G20-Gipfel in Hamburg war das natürlich ein großes Schaulaufen der Staatslenker. Selbst Donald Trump, der es ja bis heute nicht geschafft hat, mal auf einen Antrittsbesuch nach Deutschland zu kommen, konnte ich dabei ablichten. Aber die letzten zwei Jahre war es eigentlich nicht mehr so spannend. Mich würde es ja mal riesig freuen, wenn so Despoten wie Assad, Kim Jong Un oder Bolsonaro zu einem Staatsbesuch kämen. Menschen, die polarisieren, interessieren mich viel mehr als die oft weichgespülte Politelite.

CHEXX Gibt es dazu besondere Erinnerungen?

Marc Vorwerk Beim G-20 Gipfel in Hamburg gab es zahlreiche Protestveranstaltungen, die teilweise in extremer Randale und Gewalt eskalierten. Die Fotografen und Medienvertreter waren zu einem Termin mit allen Staats- und Regierungschefs in von der Polizei eskortierten Sonderbussen zur Elbphilharmonie chauffiert worden. Schon Stunden vor diesem Termin gab es die Sicherheitskontrollen, bei denen wir auch unsere Getränke abgeben mussten. Vor Ort an der Elphi gab es weder Getränke, Essen oder Toiletten. Die Zeit bis zum geplanten Terminende war zwar lang, aber auch einigermaßen überschaubar. Nachdem Trump und Co. uns ihre Aufwartung gemacht hatte, sollte es mit den Sonderbussen eigentlich wieder zurück zur Basis am Messegelände gehen. Doch dann überschlugen sich die Meldungen. So wie wir das von der Polizei heraushören konnten, gab es wohl auf der Fahrtstrecke auch Übergriffe auf die G20-Sonderbusse. Anscheinend gab es brennende Straßensperren, ein regelrechtes Horrorszenario. Deshalb konnten die Busse das abgesperrte Gelände in der Speicherstadt nicht verlassen, weil angeblich das Risiko zu groß gewesen wäre. Stunden vergingen, kein Essen, keine Toilette, wenigstens wurden ein paar Flaschen Wasser für uns aufgetrieben. Irgendwann wurde es uns zu bunt und vier weitere Kollegen und ich gingen das Risiko ein, uns auf eigene Faust in die Innenstadt durchzuschlagen, wovon uns die Polizei dringend abgeraten hatte. Da ich mal hinter dem Hamburger Michel eine Zeit lang gelebt hatte, kannte ich die Gegend noch wie meine Westentasche. So konnten wir uns ganz unbehelligt über ein paar Schleichwege und Nebenstraßen in "Sicherheit" bringen. War eigentlich halb so schlimm wie gedacht!

Marc Vorwerk

CHEXX Bei Staatsbesuchen ist man ganz nah am Geschehen und den Akteuren des Zeitgeschehens. Ist das Fotografieren dann noch Arbeit oder ein Privileg?

Marc Vorwerk Es ist beides, denn neben der Arbeit gibt es unglaubliche Dinge zu sehen. Wenn beispielsweise der amerikanische Präsident mit seiner ganzen Entourage einfliegt, dann ist das ganz großes Kino. Da landen neben der "Airforce One" noch etliche weitere Transportmaschinen für die Delegation, den Fuhrpark wie das "Beast" und anderes technisches Gerät. Da fällt einem echt die Kinnlade runter. Wenn man das zum ersten Mal miterlebt, dann sollte man natürlich nicht vergessen auch seiner Arbeit nachzugehen.

CHEXX Auf was muss man achten? Welche Schwierigkeiten sind bei solchen Terminen zu überwinden?

Marc Vorwerk Als freiberuflicher Fotograf ist man immer auch Einzelkämpfer, dass heißt, dass man sich die Akkreditierungen zu solchen Events selber organisieren muss. Ich wollte immer mal eine Militärparade miterleben. Anlässlich des 70. Jubiläums zum Endes 2. Weltkriegs auf dem Roten Platz in Moskau bot sich da eine mega Gelegenheit. Da zu der Zeit aber politische Spannungen zwischen Nato, Europa und Russland wegen der Krimkrise herrschten, waren eigentlich keine westlichen Pressevertreter zur Parade zugelassen. Ich hatte mit fast allen In-stanzen vom Auswärtigen Amt, der deutschen und russischen Botschaft bis hin zum Kreml acht Wochen lang um eine Teilnahmemöglichkeit gekämpft. Zwei Tage vor Abflug kam dann endlich die Zusage. Außer mir gab es nur noch einen deutschen Kollegen vom ZDF. Und plötzlich steht man bei strahlendem Sonnenschein auf dem Platz, 16.000 Soldaten brüllen "Hurra", unzählige Panzer, Atomraketenträger und militärisches Gerät rumpeln an einem vorbei und über die Köpfe donnern Kampfjets, Hubschrauber und Transportflugzeuge. Und abends gab es eine Show mit tausenden Komparsen, historischen Kriegsfahrzeugen, unzähligen Balletttänzern, Kunstschnee und Feuerwerk! So etwas kannte ich bisher immer nur aus dem Fernsehen, nun stand ich mittendrin. Das war Gänsehaut pur. Am Ende haben sich die vielen Telefonate, Mails und schlaflosen Nächte doch sehr bezahlt gemacht.

CHEXX Ein Schwerpunkt Deiner fotografischen Arbeit ist das Portrait. Von Barack Obama, Frank Zander, Gregor Gysi und David Garrett hast Du hervorragende Portraits gemacht. Hand aufs Herz. Mit wem war es am schwierigsten?

Marc Vorwerk Am schwierigsten bin ich immer selbst, die Promis sind meistens total entspannt. Denn das machen sie ja nahezu tagein, tagaus. Aber ich mache mir immer wahnsinnig viele Gedanken, wie man die Fotos am besten umsetzen kann. Hinzu kommt dann oft auch ein großer Zeitdruck, unter dem die Fotos entstehen - da bleibt oft wenig Zeit zum Überlegen oder Improvisieren, falls mal etwas schief gehen sollte. Das sollte man aber sein Gegenüber aber auf gar keinen Fall spüren lassen. Selbst wenn die Titanic schon sinkt, dann spielt die Bordkappelle fröhlich bis zum Ende. Das ist mir zum Glück noch nie passiert und in der Regel sind meine Ängste oder Zweifel auch völlig unbegründet. Aber eine gute Vorbereitung hilft ungemein.

Marc Vorwerk

CHEXX Gibt es dazu Anekdoten? Stichwort Nähkästchen, Plaudern und so.

Marc Vorwerk Boah, da könnte ich Stories erzählen ... nee, Quatsch! Es gibt viele schöne, lustige, spannende und private Momente und Erlebnisse, aber die bleiben auch privat. Alles andere überlasse ich den Paparazzi von der Yellow Press ... denn ich bin zu gut erzogen worden, als dass ich aus dem Privatleben anderer öffentlich Kapital oder Aufmerksamkeit schlagen würde. Nicht nur Qualifikation, sondern auch Diskretion zeichnen einen guten Fotografen aus.

CHEXX Frank Zander ist ja ein Freund von Dir. Wie war die Arbeit mit ihm?

Marc Vorwerk Freundschaft ist vielleicht ein zu großes Wort, denn so lange kennen wir uns noch nicht. Es ist bestimmt nicht leicht, in dieser Branche tiefe Freundschaften zu knüpfen, auch wenn man sich das immer gerne wünscht. Uns verbindet ein freundschaftliches Verhältnis, in dem wir uns gegenseitig sehr respektieren und unsere Arbeit sehr zu schätzen wissen. Frank mag meine Arbeit sehr, was natürlich eine großartige Basis und ein Vertrauensvorschuss sind. Wenn man mit Frank arbeitet, dann ist auch der Spaß immer gleich mit vorprogrammiert. Und ich liebe es, wenn er aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz plaudert und seine Erlebnisse und Anekdoten mit uns teilt. Das bedeutet aber nicht, dass da nur Späßchen gemacht werden. Frank kann quasi auf Knopfdruck in einen Arbeitsmodus wechseln, so dass man tolle Ergebnisse erzielt, ein echter Profi und Urgestein.

CHEXX Was zeichnet einen guten Fotografen aus? Welches Rüstzeug wird benötigt?

Marc Vorwerk Früher hätte ich gesagt: ein gutes Auge, eine kreative Denkweise, eine empathische Ader für Menschen, Selbstbewusstsein und ein Feingefühl für Situationen. Heute würde ich sagen: neben Talent und den schon genannten Attributen noch eine Affinität zur Selbstvermarktung und vor allem eine große Leidensfähigkeit.

CHEXX Viele Fotografen leben gerade mal so am Existenzminimum. Du jedoch bist recht erfolgreich in Deiner Arbeit. Welche Namen finden wir in Deiner Referenzliste?

Marc Vorwerk Ich kann ganz gut von meiner Arbeit leben. Da ich aber immer mein Equipment auf dem neuesten Stand halte, um wettbewerbsfähig zu sein, fließt immer sehr viel Geld in neue Kameras oder Objektive etc. Frank Zander würde jetzt vielleicht sagen: "Da bleibt nicht mehr so viel für Whiskey, Weiber und Cha-Cha-Cha ..."

Marc Vorwerk

CHEXX Mit welchen Kameras arbeitest Du?

Marc Vorwerk Meine erste Kamera mit vierzehn war eine Canon. Dieser Marke bin ich bis vor drei Jahren auch treu geblieben. Doch dann passte das Spiegelreflex-System nicht mehr zu meinen Ansprüchen. Deshalb fotografieren ich seitdem mit einer spiegellosen Sony Alpha r7III und für Reportagezwecke nutze ich eine Sony Alpha 9.

CHEXX Was ist Dein Tipp für einen Fotografie-Anfänger?

Marc Vorwerk Fotografie ist ein ganz tolles Hobby und auch ein ganz spannender Beruf. Man sollte sich jedoch sehr genau überlegen, ob man diesen Berufsweg gehen möchte. Es sind nicht nur die Verdienstmöglichkeiten als Presse-, Konzert- oder Eventfotograf, die zum Teil wirklich sehr bescheiden sind, wenn man nicht mehr oder weniger fest für eine größere Agentur arbeitet. Auch die Arbeitszeiten, gerne am Abend oder auch am Wochenende sind teilweise gewöhnungsbedürftig, jedenfalls für die Partner ... Fotografen waren mal ganz angesehene Persönlichkeiten so wie Peter Lindbergh, Helmut Newton oder Sebastião Salgado. Heute werden einem Fotografen immer höhere Hürden gebaut, die fast nicht mehr zu überwinden sind.

CHEXX Was sind das für Hürden?

Marc Vorwerk In der Konzertfotografie dürfen wir in der Regel maximal die ersten drei Songs fotografieren. Meistens ist dann noch das Licht heruntergedimmt, wir stehen am anderen Ende der Halle oder die Band steht mit dem Rücken zum Publikum. Nach den drei Songs aber geht das Licht an, die Band fackelt ein Riesenspektakel ab und es wird ein Feuerwerk nach dem anderen abgebrannt ... leider ohne uns. Und auch in der Politik dürfen oftmals nur noch die "Big Five", also die großen Agenturen von Getty Images bis hin zu DPA bei den spannenden Terminen dabei sein. In meinen Augen ist das sehr unfair. Früher hatte man für die Standfotografen bei Film und Fernsehen sogar extra Tage eingeplant. Unter dem ganzen Zeit- und Kostendruck kann man froh sein, wenn man am Ende einer Szene vielleicht 30 bis 60 Sekunden Zeit eingeräumt bekommt. In der Regel ist das viel zu wenig, um sauber und qualitativ arbeiten zu können. Das ist sehr schade, weil diese Fotos ja als Marketinginstrument für Werbemaßnahmen eingesetzt werden. Ich hoffe, dass da mal wieder ein Umdenken stattfindet.

CHEXX Gibt es auch Anfeindungen? Stichwort "Lügenpresse"?

Marc Vorwerk Als Fotograf braucht man mittlerweile ein dickes Fell und auch taube Ohren, wenn man journalistisch unterwegs ist, da man als Störfaktor oder sogar als "Feind" betrachtet wird. Von "Lügenpresse" bis hin zu "Goebbels mit Kameras" oder "Regimesklaven" gibt es da alles zu hören. Wir machen doch auch nur unseren Job!

CHEXX Wie sind die Zukunftsaussichten?

Marc Vorwerk Die Technik hat sich rasant und eklatant verbessert, so dass es auch viele sehr gute Amateure gibt, die den Berufsfotografen die Jobs für wenig Geld und ein bisschen "Fame" wegnehmen. Hinzu kommt noch die Geiz-ist-geil-Mentalität der Kunden, die nicht nur die Preise drücken wollen, sondern auch oft Hobby-Knipser bei ihren Hochzeiten etc. fotografieren lassen. Oft geht so was in die Hose. Von einem Fotografen wird es quasi erwartet, dass er seine Fotos auch Zufallsbegegnungen bei Events kostenlos zuschickt. Dass Fotos im Internet geklaut und illegal verwendet werden gehört zum Alltag. Dazu gehört auch, dass viele Kunden "vergessen" Pressefotos zu bezahlen. Große Bildagenturen bieten Verlagen Sonderkonditionen an, wenn Sie im Abo oder bestimmte Stückzahlen bestellen. Diese Abreden gibt es aber oftmals nicht mit den Fotografen selber. Mir macht es erstaunlicherweise immer noch sehr viel Spaß und ich möchte keinen Tag davon missen. Wenn Ihr jetzt immer noch die gleiche Leidenschaft und Neugierde habt Fotograf zu werden, ich habe Euch gewarnt! Aber einen konstruktiven Tipp darf ich noch mit auf den Weg geben: seid immer neugierig und versucht jedes Mal wieder besser zu sein. Es gibt so tolle Tutorials auf youtube etc., in denen man großartige Ratschläge zum Fotografieren oder für die Bildbearbeitung bekommt. Nicht nur durch das Fotografieren entstehen starke Bilder, sondern auch durch die Bildbearbeitung. Wer seine Kamera, Photoshop und Co. beherrscht ist auch in Extrem-Situationen klar im Vorteil.

CHEXX Welche Frage wolltest Du Dir schon immer mal selbst stellen?

Marc Vorwerk Wann gewinne ich endlich im Lotto und wann darf ich Portraits mit Ringo Starr und Paul McCartney machen? Dann wäre meine rastlose Fotografen-Seele erfüllt!

Mehr Informationen zu Marc Vorwerk gibt es unter marcvorwerk.de

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