ISSN 2701-6757 | Magazin CHEXX am Donnerstag, den 29. Oktober 2020
Ein deutsches Leben
Eine der zahlreichen Premieren im Schlosspark Theater in Steglitz fand am 10. Oktober statt. Brigitte Grothum stellt in diesem Einpersonenstück unter der Regie von Philip Tiedemann die gebürtige Berlinerin Brunhilde Pomsel dar. Das war die Sekretärin von Propagandaminister Joseph Goebbels. Grundlage des Werks von Christopher Hampton ist ein Interview, das die 1911 geborene Berlinerin mit 102 Jahren gab. Sie ist 2017 im Alter von 106 Jahren verstorben. Brigitte Grothum teilte mit: "Das Stück ist zwischendurch lustig, aber auch furchtbar". Man frage sich, ob die ehemalige Sekretärin uns Lügen auftische, verdränge oder wirklich nichts von den Verbrechen der NS-Zeit gewusst habe. Es geht in diesem Einpersonenstück darum: "Wie viel Pomsel ist in uns allen?" Brigitte Grothum spielt die Sekretärin des Reichspropagandaministers so beeindruckend gut, dass man im Zuschauerraum den Eindruckt gewinnt, die echte Brunhilde Pomsel ist zu hören und zu sehen. Ein kleines Rädchen im Getriebe der Nazis. Nichts will sie mitbekommen haben von all den Grausamkeiten der Nazis. Herr und Frau Goebbels waren doch immer so nett. Pomsel durfte sogar einmal bei diesen lieben Leuten nachmittags nach Schwanenwerder ganz privat zum Kaffeetrinken kommen und spielte mit den Goebbels-Kindern. Nach Kriegsende konnte sie gar nicht begreifen, warum sie, die doch von den Gräueltaten nie etwas mitbekommen haben wollte, sich in sowjetischer Gefangenschaft befunden hatte. So schlimm war es aber gar nicht. Die Grausamkeiten, die man der Roten Armee von deutscher Propagandaseite nachgesagt hatte, musste Pomsel nie erfahren. Dass es nach dem Ende des schrecklichen Zweiten Weltkrieges von Leuten wie Brunhilde Pomsel nur so wimmelte in beiden Teilen Deutschlands, darauf weist Brigitte Grothum auch hin. Kaum einer hatte etwas von den Verbrechen der Nazis mitbekommen. Man selber hatte auch niemals die NSDAP gewählt - das waren die Anderen. Brigitte Grothum steht seit über 65 Jahren auf der Bühne. Da zeigt sich bei jeder Geste, bei jedem von ihr gesagtem Wort, all ihr Erfahrungsschatz als eine der ganz großen Schauspielerinnen, die wir haben. In diesem Jahr finden Vorstellungen am 16., am 30. November und am 19. sowie 26. Dezember statt. Weitere Aufführungen sind dann im Januar 2021 zu sehen.

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