Magazin CHEXX am Samstag, den 20. Juli 2019
Robbin Juhnke über seinen Kiez Buckow
Die Bundeshauptstadt Berlin mit ihren 3,6 Millionen Einwohnern weist eine Größe von annähernd 900 Quadratkilometern auf und besteht als Bundesland Berlin aus 12 Bezirken mit 96 Ortsteilen. CHEXX lässt mit dieser neuen Serie Menschen aus den 96 Bezirken zu Wort kommen, die ihren Ortsteil, ihren Kiez vorstellen.

Robbin Juhnke stellt seinen Kiez Buckow vor.

Der CDU-Politiker Dr. Robbin Juhnke (52) gehört seit 2006 dem Berliner Abgeordnetenhaus an. Er ist direkt gewählter Parlamentarier im Berliner Bezirk Neukölln, Ortsteil Buckow. Robbin Juhnke ist kulturpolitischer Sprecher seiner Fraktion und Mitglied des Präsidiums des Preußischen Landtags. Seinen Kiez Buckow beschreibt der Abgeordnete wie folgt: "Hier am Rande der Stadt gehen die Uhren ein wenig anders. Das hektische und um den letzten Schrei bemühte Leben der Innenstadt schaltet hier ein paar Gänge herunter. Fährt man von hier ins Zentrum, dann fährt man "in die Stadt". Zu diesem Vorstadtcharakter trägt sicherlich nicht zuletzt das viele Grün bei. Neben Einfamilienhausgebieten ist auch die Bebauung mit Mehrfamilienhäusern aufgelockert und mit einem hohem Grünanteil versehen. Dazu kommen auch viele Kleingartenkolonien und natürlich der "Britzer Garten". Dieser ist eine sehr gepflegte Grünanlage, die jeder mit geringem Eintritt besuchen kann. Sie wurde 1985 als Bundesgartenschau angelegt. Seither ist sie ein Kleinod, welches jährlich mit der dichter werdenden Vegetation und dem Wachstum der Bäume an Erholungswert gewonnen hat. Das historische Mühlenensemble, welches während der BUGA als Pressezentrum genutzt wurde, komplettiert das Ganze. Der Ortskern von Buckow, die alte Dorfaue, hat sich noch etwas von dem Charme des alten Dorfes bewahrt. Das einheitliche Erscheinungsbild der Häuser wird durch entsprechende Auflagen geschützt. Allerdings hat auch hier der dichter werdende Autoverkehr Einzug gehalten.

Das Gelände um den alten Dorfteich, der als eiszeitliche Toteissenke entstanden ist, ist aber immer noch ein Idyll. Ein Verein kümmert sich ehrenamtlich um die Pflege der Grünanlage. Direkt angrenzend steht mit der Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert eines der ältesten Gebäude Berlins. In dieser Kirche wurde ich, mein Vater und mein Großvater, getauft und konfirmiert. In den Jahrzehnten, die seitdem vergangen sind, hat sich natürlich sehr vieles verändert. Vor 100 Jahren gab es vielleicht das erste Automobil und in den fünfziger Jahren sind noch die Gänse über den Fahrdamm gewatschelt. Doch der dörfliche Charakter des Ortskerns ist trotz vieler Neubauten, die nach und nach auf den Feldern entstanden sind, noch erkennbar. Aktuell hat die Stadt beschlossen, das letzte noch landwirtschaftlich bewirtschaftete Feld zu bebauen. Damit geht eine Ära zu Ende. Aus den Landwirten von einst sind nunmehr Immobilienbesitzer geworden.

Die Bevölkerung ist rasant angewachsen. Der Ortsteil ist nicht direkt an den Schienenverkehr angebunden; die Busse übernehmen den Transport zur U- und S-Bahn. Die im Vergleich zur Innenstadt geringere Anonymität und Fluktuation der Einwohner führt zu einem stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt und Engagement. Seit einigen Jahrzehnten veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft der Geschäftsleute jährlich ein Straßenfest im Sommer und einen Weihnachtsmarkt in der alten Dorfaue. Viele örtliche Initiativen, Schulen und Vereine sind eingebunden und wirken dabei mit. Seit einiger Zeit bildet sich im Ort ein Schwerpunkt bei der ärztlichen Versorgung heraus. Rund um den Ortskern sind viele Arztpraxen, Physiotherapeuten und Sanitätshäuser ansässig. Die Funktion des überörtlichen Einkaufszentrums übernehmen die nur wenige Autominuten entfernten Gropius-Passagen direkt an der am nächsten gelegenen U-Bahnstation. Natürlich ist auch Buckow keine reine heile Welt oder gar Filmkulisse für ein unbeschwertes Landleben mehr, aber die Konflikte und Probleme bleiben trotz aller berechtigten oder unberechtigten Sorgen im Rahmen. Dazu trägt vor allem der schon beschriebene Zusammenhalt bei, von dem ich nur hoffen kann, dass auch die kommenden Generationen seinen Wert erkennen und zur Bewahrung eines lebenswerten Umfeldes zum Einsatz bringen."