ISSN 2701-6757 | Magazin CHEXX am Mittwoch, den 20. Oktober 2021
Tanja Arenberg über ihren Kiez Dahlem
In Österreich kam die Schauspielerin und Sängerin Tanja Arenberg zur Welt. Ihre Ausbildung erhielt sie in Wien an der Schauspielschule Prof. Krauss. An der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin bildete sie sich im Fachbereich Gesang weiter. Aus dem TV kennt man die Künstlerin unter anderem aus der im ZDF gesendeten Filmbiografie Egon Schiele. Auf der Bühne sah man Tanja Arenberg bereits im Theater in der Josefstadt in Wien sowie dort bei den Kammerspielen und Theater der Jugend. Ebenso trat sie in einem Gastspiel am National Theater in Tel Aviv auf. Mit ihrem Partner Günter Rüdiger leitet sie das Zimmertheater in der Bornstraße in Steglitz.

CHEXX Da sie seit langem mit ihrem Partner, dem Intendanten und Schauspieler Günter Rüdiger, im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wohnen und sie beide in Steglitz beruflich tätig sind, wie kommt dann Ihre besondere Liebe zu Dahlem zustande?

Tanja Arenberg Sie haben natürlich Recht. Ich habe in Dahlem weder gelebt noch gearbeitet. Dort bin ich auch nicht zur Schule gegangen. Als ich noch zwischen Wien und Berlin gependelt bin vor vielen Jahren, wohnte eine nette Kollegin in einer bescheidenen Wohnung in Dahlem. Als junge, angehende Künstlerin war man auf jeden, damals noch, österreichischen Schilling oder deutschen Groschen, angewiesen. Als Studentin war ich, finanziell betrachtet, nicht auf roten, dornenfreien Rosen gebettet. In Berlin übernachtete ich also bei meiner Freundin in Dahlem. Kam sie nach Wien, hat sie selbstverständlich ein paar Tage bei mir übernachtet.

CHEXX Was bedeutet Dahlem konkret für Sie?

Tanja Arenberg Dahlem ist für mich ein Stück Dorf und etwas Landleben um die Ecke! Es wohnen und wohnten in Dahlem viele kreative Leute, einige davon sind auch heutzutage begeisterte Besucher unseres Zimmertheaters. Auch einige Kollegen, wie zum Beispiel der Schauspieler und Regisseur und Zimmertheater Steglitz Ensemblemitglied, Markus Weiß, ist da jetzt zu Hause.

CHEXX Wie kommt es, dass der nicht gerade in Kudamm-Nähe gelegene Ortsteil es Ihnen noch so sehr angetan hat?

Tanja Arenberg Kam ich damals mit dem Fernzug am Bahnhof Zoo an, fuhr ich anschließend mit der U-Bahn bis zur Station Podbielskiallee, dort wohnte meine Freundin. Diese Dahlemer U-Bahnstation ist architektonisch betrachtet sehr reizvoll. Hier genau ist die Schnittstelle, also der Übergang von der U-Bahn zur Einschnittbahn. Die Züge fahren hier in Richtung Krumme Lanke in einer offenen, grabenähnlichen Vertiefung. Das Wort Untergrundbahn trifft ab der Station Podbielskiallee also gar nicht mehr zu. Für mich als Schauspielerin und als Sängerin sind Architekten unsere Kollegen. Sie sind in meinen Augen auch Künstler. Der Bahnhof ist im Stil einer Burg aus der Zeit des Mittelalters gestaltet worden. Der Architekt war der aus Schwaben stammende Heinrich Schweitzer. Für uns Künstler hat Heinrich Schweitzer eine große Bedeutung. Er baute kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs den Admiralspalast in der Friedrichstraße. Noch heute steht der Admiralspalast als Veranstaltungsort zur Verfügung. Ich durfte dort auch schon mehrfach auf der Bühne stehen. Der Architekt Heinrich Schweitzer erschuf fast zeitgleich auch das "Atelierhaus des Vereins der Berliner Künstlerinnen" im Tiergarten. Der "Verein der Berliner Künstlerinnen" ist glücklicherweise noch existent. Dort waren als Pädagogen Käthe Kollwitz und Max Uth tätig. Für mich als Schauspielerin ist der Begriff Doppelrolle ja fast Alltag. Die berühmte Käthe Kollwitz hatte sozusagen im "Atelierhaus des Vereins der Berliner Künstlerinnen" eine Doppelrolle inne. Bevor sie dort unterrichten durfte, wurde sie dort beschult. Käthe Kollwitz fing als Schülerin einst in dem Ateliershaus an. Jedes Mal, auch heute noch, wenn ich an der U-Bahnstation Podbielskiallee ankomme, betrachte ich ehrfurchtsvoll das Bauwerk. Die Hände des Architekten dieser Bahnstation schufen auch zwei andere namhafte Gebäude, die heute noch von vielen Künstlern aufgesucht werden. Dahlem ist mein Kiez, den ich auch gerne meinen Verwandten aus Österreich vorstelle, wenn sie mich in Berlin besuchen.

Bei Magazin CHEXX.de verwenden wir Cookies und andere Technologien. Durch Anklicken des Buttons Akzeptieren stimmen Sie der Verwendung zu. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie unter Datenschutzerklärung.