Magazin CHEXX am Donnerstag, den 18. April 2019
Die Yalda-Nacht
Andrea Röschke hat erfolgreich Journalismus studiert und sich auch als Buchautorin einen Namen gemacht. 2015 erschien ihr Werk "Iran selbst erlebt". Seit 2008 ist die Schriftstellerin und Journalistin mehrmals in den Iran gereist und hat sich dort jeweils mehrere Wochen aufgehalten. Beim in Berlin-Lichterfelde ansässigen "Hafis-Institut", einem Verein für Kultur und Dialog, ist sie ehrenamtlich als stellvertretende Vorsitzende tätig. Am 21. Dezember lud das "Hafis-Institut" zur Feier der "Yalda-Nacht" ein.

Warum feiert man die Yalda-Nacht? Was ist das konkret?

Andrea Röschke weis zu berichten: "In der iranischen Welt, aber auch in Ländern wie Tadschikistan und Turkmenistan beispielsweise, hat die Yalda-Nacht einen sehr hohen Stellenwert. Man kann durchaus sagen, was für uns Deutsche das Weihnachtsfest darstellt, ist für die Iraner und andere Völker die Yalda-Nacht. Man trifft sich zu Hause. So reisen Kinder und Enkel an und im Hause der Eltern oder Großeltern treffen sich zur Yalda-Nacht deren Kinder, Enkel und eventuelle Urenkel. Yalda steht für längere und hellere Tage, die uns nun bevorstehen. Die Yalda-Nacht, die normalerweise am 21. Dezember gefeiert wird, wenn wir uns nicht in einem Schaltjahr befinden, ist die längste und dunkelste Nacht des gesamten Jahres. Haben wir diese Nacht hinter uns gebracht, geht es sozusagen aufwärts. Die Nacht der Wintersonnenwende liegt hinter uns. Das hatte für die Menschen in früherer Zeit ja einen ganz anderen Stellenwert als im heutigen Industriezeitalter. Das elektrische Licht und Glühbirnen verfeinerte Thomas Alva Edison 1879. Lichtleitungen verlegte man in entfernt liegende Gegenden, übrigens auch bei uns in Deutschland, erst in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Lichtquellen waren nur die Sonne, der volle Mond oder spärlich die Sterne in der dunklen Zeit. Kerzen und Fackeln sind schon seit mehreren Jahrhunderten auf der Welt bekannt. Nur wer konnte sich das leisten? Das Volk wohl kaum oder nur sehr selten. Fackeln und Kerzen waren den Wohlhabenden vorbehalten. Für Bauern, deren Mägde und Knechte bestand in dunklen Winterabenden das Licht aus der Glut am lodernden Kaminfeuer. Damals war die Begrüßung auf hellere Tage, die es nach dem 21. Dezember regelrecht zu feiern galt, viel intensiver als heutzutage, wo man den Lichtschalter im Hause hat. Das Licht steht auch als Symbol für Liebe, Freundschaft und Mitgefühl. Daher ist es für uns Mitglieder des Hafis-Instituts und deren Freunde jedes Mal schön, sich in der Yalda-Nacht zu treffen und musikalische Stücke erklingen zu lassen, einige Gedichte des großen persischen Dichters Hafis, der von 1315 bis um 1390 lebte, vorzutragen und dann gemeinsam die Köstlichkeiten der iranischen Küche zu genießen. Da darf weder das Rosenwasser fehlen noch Gebäck und Kuchen mit Granatäpfeln ausgelassen werden."