ISSN 2701-6757 | Magazin CHEXX am Mittwoch, den 20. Oktober 2021
Der britische Musiker und Komponist Eddie Calvert, der von 1922 bis 1978 gelebt hatte, bescherte uns u. a. das Lied "Oh mein Papa". Nun leben wir heutzutage in einer Gesellschaft hierzulande, wo es Gendersternchen gibt, wo man das dritte Geschlecht nicht unberücksichtigt lassen darf und selbst geschlechtsbezogene Worte wie Muttermilch bei einigen Zeitgenossen sauer aufstoßen. Man kann ja auch "Milch vom weiblichen Wesen" sagen. Eine berechtigte Nachfrage ist ja: Ist es überhaupt gestattet "Man" zu sagen? Zu sehr könnte das maskuline Wort "Mann" ja mit "man" in Verbindung gebracht werden! Müssen wir nicht, möglichst sehr brutal, in unserer Kultur aufräumen? Eine Kulturrevolution sozusagen, von der der Genosse Mao, so er sie erlebt hätte, bestimmt begeistert gewesen wäre! Eddie Calvert hatte vor über 70 Jahren ja noch nichts von Gendersternchen, drittem Geschlecht und anderen Begebenheiten aus heutiger Zeit wissen können. Lebte der Brite heute noch und er hätte hiesigen Kulturverantwortlichen laut "Sorry" zugerufen und seinen Welthit umbenannt in "Oh mein Elternteil 1", wäre alles in bester Ordnung. Dann darf der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk es auch laufend "abnudeln" und satte GEMA-Tantiemen fließen für den Künstler. Bert Brecht war im Vorfeld nicht schlecht! Heißt doch eines seiner erfolgreichen Theaterstücke "Der gute Mensch von Sezuan". Leider trifft diese neutrale Bezeichnung nicht für alle Werke des großen Literaten zu! Aus "Mutter Courage und ihre Kinder" wandeln wir ein "Mensch Courage und Kinder".

Possessivpronomen sind natürlich Tabu, sobald es seine, ihre, sein, ihr lautet. Eine Zuordnung zu einem bestimmten Geschlecht ist nicht mehr zeitgemäß. Da dem so ist, werden wir schnellst möglichst auch Brecht-Werke wie "Das Leben des Galilei" und "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" textlich zum Neutrum verändern. Selbstverständlich wird das von dem Schweizer Autor Max Frisch verfasste Werk "Der andorranische Jude" auch neutral in "Jüdisches Wesen aus Andorra" verwandelt. Robert Musil, einst am Kudamm zu Hause, schrieb "Der Mann ohne Eigenschaften", daraus wird "Mensch ohne Eigenschaften". Es ist ganz einfach so zu regeln: Steht in dem Werk das Wort "Mann", wird es ersetzt zu "Mensch". Der von Ken Follett verfasste Roman "Der Mann aus St. Petersburg", das Lied von Thom Pace "Der Mann aus den Bergen"; das von Dale Wassermann, Mitch Leigh und Joe Darion erschaffene Musical "Der Mann von La Mancha" werden in "Mensch" umbenannt, wo jetzt noch fälschlicherweise "Mann" steht im Titel. Der von Wilkie Collins verfasste Roman "Die Frau in Weiß"; der von Hera Lind herausgebrachte Roman "Die Frau zwischen den Welten"; das von der Schriftstellerin Elke Schneefuß verfasste Werk "Die Frauen vom Alexanderplatz" wird von "Frau" bzw. "Frauen" zu "Mensch" bzw. "Menschen" abgeändert gegendert. Große Probleme bereitet da das Werk von Friedrich Schiller! Aus "Die Jungfrau von Orleans" wird gendergerecht geändert in "Das menschliche Wesen Nr. 2 aus Orleans"; ob es eine junge Frau oder eine Jungfrau ist, wird aus Datenschutzgründen nicht mitgeteilt. Hat eine Behörde, eine Firma eine Frauenbeauftragte in ihren Reihen, ist es nunmehr "Beauftragungsmensch für Geschlecht Nr. 2". Vergehen müssen stramm sanktioniert werden.

Es darf keine Ausnahmen geben! So fand ich erst letzte Woche einen Zettel im Briefkasten vor mit dem unverzeihlichen Vermerk: "Der Schornsteinfeger kommt …" Nein, es muss heißen: "Der kaminkehrende Mensch erscheint am …" Nur so ist gewährleistet, es ist alles korrekt wiedergegeben worden! Ich habe ab sofort auch kein Vaterland mehr, ich besitze eine Heimat. Heimatland statt Vaterland, Deutsch ist meine Heimatsprache, nicht mehr meine Muttersprache! Unverzüglich werde ich mit meiner Alma Mater Kontakt aufnehmen. Auf der ekelhaften Diplomurkunde der Universität Hamburg steht doch tatsächlich zu lesen: "Der Präsident der Universität Hamburg" und "Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses". Das wird in geschlechtsneutraler Form gegendert, geändert. Ja, ich gebe es zu, ich gehöre nicht zu den Männern, die seinerzeit den Wehrdienst verweigert hatten. Zu einer Zeit, als Frauen in der Bundeswehr nur als Verwaltungskräfte ohne Uniform gearbeitet hatten. Auf meinen Urkunden aus dem Bundesverteidigungsministerium stehen auch männliche Titel. Da haben Generäle, Obristen, Majore etwas unterzeichnet. Hier schlage ich vor, dass die Frau Bundesministerin für Verteidigung, Annegret Kramp-Karrenbauer, einmal gegenzeichnet und sämtliche Urkunden von männlichen Betroffenen stempelt. So ist gewährleistet, zumindest ein weibliches Wesen hat sich auf diesen Urkunden auch verewigt. Solch ein Vorgehen spart Kosten und dient der Umwelt. Keine neuen Urkunden werden gedruckt, das spart Papier und Tinte. Wie gut, dass in weiser Voraussicht die Western-TV-Serie in "Die Leute von der Shiloh Ranch" benannt worden ist. Vorausschauend war auch der US-Literaturnobelpreisträger John Steinbeck. Der Roman lautet glücklicherweise "Von Mäusen und Menschen". Haben die strengen Kulturverwalter alles geändert, gegendert bezüglich der menschlichen Wesen, gibt es in der Tierwelt viel zu ändern und gendern. Sherlock Holmes und Dr. Watson haben es dann nicht mehr mit "Der Hund von Baskerville" zu tun. Arthur Conan Doyles konnte um 1900 ja nicht ahnen, dass es einmal "Der, das, die Hund aus Baskerville" lauten muss. Natürlich haben Tiere auch ein Anrecht auf gendergerechte Sprache. Das um 1930 von dem tschechischen Schriftsteller Josef Lada verfasste Kinderbuch "Kater Mikesch" weist eindeutig auf ein Geschlecht hin und wird daher in "Katzenoderkaterwesen Mikesch" geändert, gegendert. Da wir gerade bei der Literatur aus Böhmen sind: "Der brave Soldat Schwejk" von Jaroslav Hasek wird gegendert, geändert in "Das militärische Lebewesen Schwejk". Da der Schwejk ja Hundehändler von Beruf war und in dem Roman einige Hunde Namen tragen, die eindeutig auf ein bestimmtes Geschlecht hinweisen, müssen bei diesem Werk sowohl die Kulturreformer aus der Abteilung 1, die nur für Personen zuständig ist, als auch aus der Abteilung 2, die nur für Tiere zuständig ist, gemeinsam ans Werk und ändern, gendern. Auf der Fahrt von Prag nach Budweis zieht Schwejk bekanntermaßen ja die Notbremse. Die ziehe ich jetzt auch und lege eine alte Schellackscheibe auf! Das Lied von Eddie Calvert "Oh mein Papa" höre ich mir bei einem guten Mocca an. Noch in Nicht-gender Ausführung. "Man" möge es dem Redakteur verzeihen. Dann gönne ich mir Heinz Rühmann und Oliver Grimm in dem Film "Wenn der Vater mit dem Sohne". Besonders das dort von Heinz Rühmann gesungene Lied: "La Le Lu, nur der Mann im Mond schaut zu …" gefällt dem Artikelschreiber sehr gut.

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