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. veröffentlicht unter Reisen
Fotos: Ronald Keusch
Eindrücke einer Pressereise in die Hauptstadt Russlands und zum Goldenen Ring auf Einladung von Visit Russia .

Unverzichtbarer Vorspann:

"... Fragen und Unverständnis entstehen, wenn man sieht, WAS in Deutschland über Russland geschrieben wird und WIE es geschrieben wird. Nicht von ungefähr habe ich das WIE hervorgehoben. Denn die Fakten, die Anlass zur Kritik bieten, stammen ja oft aus der Realität oder werden aus russischen Zeitungen übernommen. Übrigens treten russische Zeitungen zuweilen sogar kritischer auf als die ausländischen. Beim aufmerksamen Blick auf die Flut von Veröffentlichungen in Deutschland wird man jedoch schwer den Eindruck wieder los, als ob man es mit einer gezielten Kampagne zu tun hat, als ob alle aus einer einzigen Quelle schöpften, die eine Handvoll Thesen enthält (in Russland gebe es keine Demokratie; die Meinungsfreiheit werde unterdrückt; eine arglistige Energiepolitik werde durchgesetzt; die Machthaber drifteten immer weiter in Richtung Diktatur ab - und so weiter und so fort.) Diese Thesen werden in verschiedenen Tonarten wiederholt. Die Zeitungsmacher scheinen auch keinerlei Interessen jenseits dieser Aussagen zu haben ..."

Diese Worte wurden bereits im Jahr 2008 explizit an die deutschen Journalisten gerichtet, nicht von irgendwem, sondern von einem Russen, der für Deutschland und seine Bewohner sehr viel getan hat, Michail Gorbatschow (Offener Brief von Michail Gorbatschow an die deutschen Medien, Petersburger Dialog, Moskau März 2008). An dieser von Gorbatschow beschriebenen Situation hat sich nichts geändert. Keine einfachen Zeiten für eine Russland-Reise. Das scheint für alle aus deutschen Landen zu gelten, für Politiker wie Manager der Wirtschaft, für Journalisten - aber auch für Touristen?

Foto von Ronald Keusch, August 2015

Die nationale Tourismus-Agentur in Deutschland Visit Russland hat im Juni in Berlin ihre erste Auslandsvertretung eröffnet. "Wir sind hier, um eine Botschaft des Willkommen zu senden. Kommt zu uns nach Russland, deutsche Urlauber, schaut Euch mit eigenen Augen unser Land an und informiert Euch vor Ort", so Maria Pushkarewa, die Leiterin der Repräsentanz. Zu den ersten Vorhaben von Visit Russia gehört eine Road-Show durch Deutschland mit Stationen in Berlin, München und Frankfurt, Presseinformationen sowie kurze Reisen für Journalisten. Wir fahren nach Moskau und zum Goldenen Ring.

Hürdenlauf zum Visum

Dass der deutsche Tourist nicht nach Barcelona oder Amsterdam reist, wird ihm bereits richtig deutlich, wenn er sich um sein Visum nach Russland kümmern muss oder Reiseveranstalter für beachtliche Gebühren beauftragt. Zuallermeist verwöhnt durch das Reisen innerhalb der EU-Länder in Europa kann es recht kompliziert werden, alle Papiere und Informationen zur Erteilung eines Visum zu besorgen. Beispielsweise ist eine Auslandskrankenversicherung vorzulegen und der Nachweis, ein regelmäßiges Einkommen in Deutschland zu besitzen. (Da reicht übrigens der deutsche Rentenausweis.) Wer weiß von den darüber verblüfften deutschen Touristen, dass bei deutschen Stellen dieser Nachweis bei der Erteilung des Visums für Russen seit langem eingeführt und selbstverständlich ist.

Alltag auf dem Roten Platz

Foto von Ronald Keusch, August 2015

Eine der am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten ist der Rote Platz vor den Toren des weitläufigen Geländes der Kreml-Festung. Am südlichen Ende des Rotes Platzes steht auch die berühmte Basilius-Kathedrale, errichtet aus Anlass des Sieges über die Tataren. Überall Spuren der Geschichte und natürlich haben viele Besucher die Bilder von Aufmärschen und Militärparaden unterschiedlicher Epochen im Kopf. Doch heute im Alltag - und das vermutet nicht jeder ausländische Besucher - ist der Platz zum Anfassen. Auf dem Platz ist eine große Bühne aufgebaut, auf der eine Band mit einer Sängerin auftritt und sich im großen Halbkreis die Zuschauer versammelt haben. Nur ein paar Dutzend Meter weiter beginnt eine lange Kette von Verkaufsständen einer Buchmesse, es werden vor allem Kunstbücher gehandelt. Und mittendrin und zwischendurch Familien mit Kinderwagen, Spaziergänger jeden Alters, einzelne fotografierende Pärchen und immer wieder ein Touristen-Pulk, die Normalität einer Großstadt, die mittlerweile offiziell mehr als 12 Millionen Einwohner zählt.

Neue Hotels in Moskau

Foto von Ronald Keusch, August 2015

Seit vielen Jahren hat die größte Stadt Europas immer noch zu wenige Hotels für ihre Besucher. Im hochpreisigen Segment sind neue attraktive Häuser an den Start gegangen. Dazu zählt das im Jahr 2013 eröffnete St. Regis Moscow Nikolskaya der Luxushotelmarke Starwoods. Dieses 5-Sterne-Hotel im Herzen von Moskau liegt ganz zentral, direkt am Lubjanka-Platz und nur zehn Gehminuten vom Kreml entfernt. Von den 210 Zimmer und Suiten im Stile der Belle Epoque bieten einige sogar eine Aussicht auf den Kreml und den Roten Platz. Die exklusive Ladenfront des Hotels, das früher als Residenz des Grafen Orlow-Dawidow diente, war einst das Aushängeschild der berühmten Parfümerie Koeller und zahlreicher exquisiter Chocolatiers. Die Annehmlichkeiten des Hotel-Services schließen auch ein, Swimmingpool und Sauna rund um die Uhr 24-Stunden zu nutzen.

Weitere Informationen findet man unter stregismoscow.com/ru.

Übrigens gleich um die Ecke befindet sich das am Ende des 19. Jahrhunderts gegründete legendäre 5-Sterne-Hotel "Metropol". In seinem berühmten Restaurant "Savva" wird seit kurzem von dem bekannten Chefkoch Andrei Shmakov aus Estland aufgetischt. Er offeriert recht erfolgreich "moderne russische Cuisine", die die traditionelle russische mit der nordischen Küche kombiniert.

Foto von Ronald Keusch, August 2015

Ein weiteres historisches Schmuckstück der Stadt hat den Touristen seine Tore vor drei Jahren geöffnet. Das Petroff Palace Hotel, gebaut im späten 18. Jahrhundert, diente den herrschenden Zaren als Zwischenstation auf dem Weg zum zehn Kilometer entfernten Kreml. Heute haben es die Hotelgäste bequemer. Ganz in der Nähe des Hotels befindet sich die Metro-Station Dinamo. Die Metro, Wagen und Stationen wie aus dem Ei gepellt und fast unanständig sauber, bringen die Fahrgäste schnell und bequem in das Zentrum der Stadt. Das Petroff Palace ist im romanisch gotischen Stil erbaut. Die rote und weiße Farbgebung der Palastgebäude mit seinen Türmchen ist charakteristisch für eine traditionell russische Bauweise. Lange Zeit diente der Komplex nach wechselhafter Geschichte als Gästehaus der Regierung. Hotel-Manager Nikolai Glodin präsentiert stolz die liebevoll hergerichteten Säle und Räume. Dabei vergisst er nicht zu erwähnen, in welchem Zimmer Katharina die Große bei ihren Besuchen nächtigte und an welchem der großen Fenster einst Napoleon stand und auf das brennende Moskau geschaut haben soll.

Weitere Informationen findet man unter petroffpalace.mos.ru.

Klöster aus der Zarenzeit

Wie alle Großstädte in Europa und überall auf der Welt belegt auch Moskau, dass selbst sechs Autospuren in eine Richtung zu bestimmten Zeiten das Stehen im Stau oder das Zuckeln im Schritttempo nicht verhindern. Die Straßen in den Nordosten von Moskau führen zu einer Reihe von alten russischen Städten mit unzähligen Kirchen und Klöstern, in denen das traditionelle, das zaristische Russland seinen Ursprung hat. Beeindruckend ist für mich bei den russisch-orthodoxen Kirchenbauten, dass sie weniger Pracht-Architektur sein wollen, die Macht ausstrahlt, sondern eher ein menschliches Maß finden, fast einen häuslichen Charakter aufweisen.

Foto von Ronald Keusch, August 2015

Die Kuppeln der vergoldeten Kirchtürme leuchten im Sonnenschein weit ins Land und prägten den Begriff "Goldener Ring". Der Weg führt uns zunächst nach Sergiev Posad, berühmt durch das Kloster der Dreifaltigkeit und des Heiligen Sergius. Der Mönch Sergius gründete das Kloster im 14. Jahrhundert. Es überstand alle Stürme der Zeit, die Zerstörung durch Mongolen, Anbauten späterer Jahrhunderte und auch die Ära der Sowjetunion. Heute bewohnen hunderte von Mönchen die restaurierte Klosteranlage, deren Ensemble sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO befördert wurde.

Renaissance tiefer Gläubigkeit

Hier ist einer der bedeutendsten Wallfahrts-Orte der russisch-orthodoxen Kirche. Es kommen nicht nur viele Pilger aus ganz Russland, sondern sehr viele Touristen werden von den unzähligen Ikonen angezogen. Allerdings sind die Touristen in der Kirche in der Minderheit. Ein ständiger Strom von russischen Gläubigen ergießt sich in den Kirchenraum, darunter eine erstaunlich große Zahl junger Menschen. Es wird inbrünstig und lange andauernd gebetet. Für nicht wenige ausländische Besucher und auch für mich ist diese so offen manifestierte tiefe Gläubigkeit der russischen Bevölkerung schon erstaunlich. Die Religion hat eine Renaissance erlebt. Ein unbestrittener Höhepunkt des goldenen Ringes sind die unzähligen goldenen und vielfarbigen Kirchenkuppeln in Suzdal. Hier scheinen die Touristen wieder mehr unter sich. Ich höre eine ganze Reihe deutscher Stimmen aus Reisegruppen. Aber häufig im Blickfeld sind eng beieinander stehende und laufende Touristen-Gruppen aus Asien. "Leider sind aus Westeuropa in letzter Zeit etwas weniger Touristen zu uns gekommen", sagt mir Maria."Aber die leicht rückläufige Zahl wird zum Teil durch Besucher aus China ausgeglichen."

CD-Verkauf in der Kathedrale

Foto von Ronald Keusch, August 2015

In der imposanten Kathedrale von Suzdal empfangen uns gregorianische Gesänge. Mehrere Frauenstimmen singen mit kräftiger und melodiöser Stimme und mit großer Ausdauer Choräle. Die mystische Stimmung mit ihrer musikalischen Symbolik erzeugt bei mir wie sicher auch bei anderen Touristen ein Gänsehaut-Gefühl. Nur wenig später verstummen die Frauenstimmen und fünf junge Mönche versammeln sich vor dem Altar und tragen mit gut geschulten Stimmen einen Psalmen-Gesang vor. Anschießend im Vorraum der Kathedrale präsentieren die jungen Männer, die meisten bartlos und gut rasiert, ihre CD Kollektion. Wegen der sehr guten Akustik werden ihre Gesänge im Kirchenraum aufgenommen. Ich kaufe ihre CD mit russischen Liebesliedern für 400 Rubel (ein Euro entspricht 60 Rubel).

Foto von Ronald Keusch, August 2015

Ein paar hundert Meter weiter erwartet die Touristen die nächste Station der russischen Marktwirtschaft. Auf dem Plateau mit bestem Blick auf das berühmte wunderbar gelegene Frauenkloster Maria Fürbitte kommt mancher Besucher auf die Idee: wo ist hier die Cafe-Stube, um einen Kaffee zu trinken. Bitte sehr, bitte gleich, ein fahrbarer Kaffee-Automat auf vier Rädern ist hier in Stellung gegangen.

Quartiere auf russischer Farm

Auf dem Rückweg vom goldenen Ring zwischen Wladimir und Moskau besuchen wir die Farm Petuschki. Hier wird eine Mixtur von einem Hof-Laden mit Spezialitäten von Fleisch, Wurst und Käse, bunter Freizeit-Unterhaltung und Urlaub auf dem Bauernhof geboten. Die Eröffnung und der Werdegang der Farm könnte einem Filmdrehbuch entnommen sein, ist aber Realität. Der britische Manager aus der Kohle und Stahlindustrie, John Kopiski, kommt 1992 nach Russland und verliebt sich in die schöne Russin Nina Kuzmicheva. Sie will ihre Heimat nicht verlassen und so wird John russischer Staatsbürger, das Paar heiratet in einer russisch-orthodoxen Kirche und sie bauen ihr Farm-Imperium auf.

Foto von Ronald Keusch, August 2015

Nina und John wollen den Touristen aus aller Welt, besonders aus den USA die Kultur des Landes näher bringen. "Russisches Leben lernt man nicht unbedingt in einer 5-Sterne-Unterkunft mit Air-Conditon kennen", meint John lakonisch. Mittlerweile haben sie 80 Zimmer für Urlauber zu bieten, in einem Hotel, Gästezimmer in einer früheren Dorfschule und in separaten Cottage-Häusern. Die Gäste dürfen ihre Tiere mitbringen, denn auf der Farm sind überall Tiere zu Hause. Der große Stolz von John ist seine "Sammlung" von 75 Pferden, mit denen die Besucher Kutschfahrten unternehmen. "Hat die Farm nicht Vorteile, wenn hervorgerufen durch die Sanktionspolitik des Westens der Bedarf an Agrarprodukten auf dem russischen Markt steigt?" Die Antwort vom Unternehmer John ist kurz und eindeutig: "Die Sanktionen der EU bringen allen in Europa nur großen Schaden."

Weitere Informationen findet man unter bogdarnya.ru.

Abschied auf der Moskwa

Foto von Ronald Keusch, August 2015

Am letzten Tag der Pressereise bucht der Reise-Veranstalter Visit Russia eine zweistündige Kreuzfahrt auf dem Schiff (900 Rubel p. Person, das entspricht rund 14 Euro) - der Abschied von Russland auf der Moskwa. An diesem Sonntagabend ist unser Schiff knapp zur Hälfte mit Gästen belegt. Wir befahren die attraktivste Strecke, die wie in London oder Berlin durch die Innenstadt führt. Das Wetter hat ein Einsehen, zieht am frühen Abend die Regenwolken beiseite. Wir erleben einen langen Sonnenuntergang, der die Kuppeln der Klöster und Kathedralen, den Kreml und die Brücken über den Fluss in ein anmutiges und feuriges Licht taucht. Wer von den Fahrgästen könnte da widerstehen, ehrlichen Herzens zu sagen: Moskau ist eine Reise wert.

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