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Moskau
Fast 15 Millionen Einwohner zählt Moskau, die Stadt ist damit deutlich größer als London oder Paris. Rund 20 Prozent aller Russen leben im Großraum Moskau. Und die Stadt ist die zukünftige Ausrichterin der nächsten FIFA Fußballweltmeisterschaft in 2018. Schon in 2017 werden mit dem FIFA Confederations Cup die ersten Spiele gespielt, um alle relevanten Infrastrukturen, die sich teilweise jetzt noch im Bau befinden, zu testen. Damit die WM nicht nur zur Strohfeuer wird, will die Stadt sich als offene und gastfreundliche Metropole zeigen, ähnlich wie dies zur WM 2006 in Deutschland der Fall war. Doch die politischen Rahmenbedingungen sind gegenwärtig alles andere als zuträglich. Die Konflikte in der Ost-Ukraine und in Syrien werden jetzt schon lange Schatten auf die Events. Auch die wirtschaftliche Situation in Russland ist durch die westlichen Sanktionen angespannt. Es wird interessant werden, wie diese Situation zukünftig gelöst wird.

Moskau als Stadt für den Tourismus

Die Touristen, die wegen der WM kommen werden, können weit mehr Erlebnisse als nur Fußball wahrnehmen. Moskau ist die russische Majestät in Sachen Tourismus. Eine Stadt mit herausragender Geschichte und mit herausragender Architektur. Mit imposanten Bauwerken wie dem Kreml, dem GUM (das große russische Einkaufsparadies am Roten Platz), der Basilius-Kathedrale. Sieben nahezu identische Gebäude (im Volksmund Stalins Kathedralen oder Stalinfinger genannt) stehen majestätisch über die Kernstadt verteilt. Viele hochwertige Museen prägen das Stadtbild. Allerdings auch eine nicht enden wollende Masse an Blechlawinen, die sich jeden Tag durch die Stadt wühlen. Überall weht der Wind der vielfältigen und spannenden Geschichte Russlands. Zahlreiche Lokale, Restaurants, Vergnügungseinrichtungen unterschiedlichster Art, Erlebnis-Zentren wie der "Island of dreams"-Freizeitpark (rund zehn Millionen Besucher pro Jahr) und andere hochwertige Freizeitparks sowie zahlreiche Großevents wie z. B. eine große Stadt-Illumination bieten jede Menge Unterhaltung. Der Umbau der WM-Stadien kommt gut voran. Im Grunde (zumindest für den Innenstadtbereich) eine Bilderbuchstadt für den Tourismus.

Steigende Tourismuszahlen, aber noch keine touristische Champions League

Die russische Tourismus-Industrie-Union berichtet, dass ausländische Touristen zwischen Januar und September 2015 2,53 Millionen Reisen nach Russland unternahmen, das ist das höchste Niveau seit 2008. Stärkste Besuchergruppe waren die chinesischen Touristen (ca. 500000 Gäste, die allein nach Moskau reisten), vor den Deutschen, die im Vorjahr den ersten Rang belegten. Moskaus internationaler Tourismus ist im Vergleich zu anderen Metropolregionen recht gering. Von den rund 17 Millionen übernachtenden Gästen kamen rund 15 Millionen aus dem Inland. Insgesamt stehen in Moskau rund 860 klassifizierte Hotelbetriebe mit etwa 15000 Gästezimmern und fast 230 Hostels zur Verfügung. Von den Hotelbetrieben sind fast hundert Betriebe geeignet, um große Gruppen aufzunehmen. Die abgelaufene Sommersaison 2016 ist laut Auskunft der Moskauer Stadtregierung hervorragend gelaufen. Nach deren Angaben lag die durchschnittliche Auslastung in der Hauptsaison bei rund 80 Prozent. Und die WM 2018 soll nachhaltig dafür sorgen, dass die Tourismuszahlen auch weiterhin steigen.

Ausbau der Infrastruktur im Stadtgebiet Moskau

Die Stadt wächst und wächst. Und damit auch die Infrastrukturen. Besonders der öffentliche Personennahverkehr entwickelt sich sehr schnell und in aufwändigem Maße. Jetzt schon werden täglich acht bis zehn Millionen Menschen im ÖPNV transportiert. Zu dem momentan bestehenden rund einhundert Kilometer langen U-Bahnnetz sollen bis 2020 unglaublich 75 Kilometer Netzstrecke hinzukommen. Ebenfalls entstehen im Stadtgebiet mehrere Fußgängerzonen und etwa 200 km Radwege. Die Skyline wird sich durch den Bau des dann höchsten Gebäude Europas, dem Federation Tower (374 m Höhe) verändern. Damit ist die Stadt jetzt schon gut für das WM-Großevent gewappnet. Die Arbeiten an den Stadien liegen alle im Zeitplan und sollen schon deutlich vor dem FIFA Confederations Cup fertig sein. Herausragend wird sich das umgebaute Luzhniki-Stadion zeigen, in dem auch das WM-Endspiel stattfinden wird. 81000 Zuschauer werden hier Platz finden. In Stadionnähe werden innerhalb des Sportparks zusätzlich zahlreiche andere Sportarten eine neue Heimstatt finden. Auch was die grüne Situation der Stadt anbelangt hat sich einiges getan. 18 neue Parks wurden in den letzten Jahren neu angelegt.

Einreisebestimmungen

Es ist nicht so ganz einfach mit der Einreise nach Russland. Ohne Visum keine Einreise. Da muss man sich insbesondere als Individualreisender sehr frühzeitig tätig werden. Für die Zeit der WM werden vereinfachte Visa-Verfahren für Fußballfans eingeführt. Durch eine spezielle Verfahrensweise wird das FIFA-Ticket zum Visum. Wer als normaler Gast ohne FIFA-Ticket nach Moskau reisen möchte, sollte sich am einfachsten an einen Reiseveranstalter wenden. Sich also schnell mal einen Russland-Urlaub planen und übers Wochenende mit einem Low-Cost-Carrier nach Moskau fliegen, das funktioniert nicht. Auch nicht zur WM. Ein Direktflug von Frankfurt dauert knapp drei Stunden, von Berlin aus (z. B. mit Aeroflot von Flughafen Schönefeld) etwa zweieinhalb Stunden. Eurowings, die sonst regelmäßig nach Moskau flogen, bedient die Strecke nicht mehr. Nur von Reisespezialisten wird gelegentlich der Zug genommen. Die Russische Staatsbahn bietet seit Dezember 2016 eine neue Verbindung mit besonderen, zum Teil sehr luxuriös ausgestatteten Zügen mit Schlafwagen an. Die Fahrzeit von Berlin verkürzt sich um mehrere Stunden. Wöchentlich wird es zwei Fahrten geben: In Moskau geht es am Samstag und am Sonntag los; Berlin verlassen die Züge jeweils am Sonntag und am Montag.

Teures Image adieu: Heftiger Preisverfall in Russland seit 2014

Moskau galt lange als eine für Touristen teure Stadt. Lange waren insbesondere Übernachtungsdienstleistungen sehr teuer. Tourismus vor Ort ist meist einfach zu kalkulieren: Je höher das Lohnniveau und die Lebenshaltungskosten vor Ort sind, umso mehr verlangen auch die Hotels von ihren Gästen. Dieser Mechanismus ist in Russland besonders gut zu beobachten: Doch seit das Land spätestens seit 2014 mit heftigen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat. Der Rubel geriet in einen heftigen Sinkflug, man könnte es auch als Taumeln bezeichnen. Mittlerweile hat er sich wieder etwas stabilisiert. Für ausländische Touristen ist dies jedoch ein Vorteil, denn das macht wiederum - über den Wechselkurs - auch die Unterkünfte in Moskau attraktiv. Am 23. Dezember 2013 bekam man für einen Euro lediglich ca. 45 Rubel, im Dezember 2014 waren es zwischenzeitlich sogar 100 Rubel. Im Januar 2017 hat sich der Wert bei etwa 63 Rubel eingependelt. In Sachen Vergleichbarkeit wird schnell deutlich, wo Moskau preislich rangiert: im Mittelfeld. Gut für den Gast.

Was bringt 2017?

2017 ist da. Aber wohin geht der Tourismus in Moskau? Der Inlandstourismus wird sich wohl noch weiter verstärken. Der FIFA Confederations Cup wird dann zu einer ersten Generalprobe für die WM 2018. Die WM in 2018 soll insgesamt laut Wunsch der Moskauer Stadtregierung zahlreiche Erstbesucher ansprechen und Moskau als weltoffene Stadt zeigen, um auf diese Weise mehr den Tourismus in der Stadt nachhaltig zu fördern. Großes Vorbild ist dabei Deutschland, das mittels der WM im Jahr 2006 einen unglaublichen Fortschritt in der internationalen Beliebtheit für sich zählen konnte, was sich auch in den steigenden Tourismus-Zahlen der letzten Jahre niederschlägt. Ob dieser Fakt auch in Moskau wirksam wird, muss sich jedoch erst noch erweisen.

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