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Martin Köster: Fasziniert von der Schönheit einer Stadt bei Einbruch der Dunkelheit

"Martin Köster ist fasziniert von der Schönheit, wenn sich eine Stadt bei Einbruch der Dunkelheit verwandelt. Autoscheinwerfer, die als Lichter in den Straßen tanzen, helle Restauranttüren, die die Bürgersteige erhellen."

Foto von Martin Köster
Foto von Martin Köster

Diese neugierig machenden Zeilen findet man auf der Webseite des Künstlers Martin Köster und sie versprechen nicht zuviel. Denn wer die außergewöhnlichen Bilder des aus Hannover kommenden Malers zum ersten Mal sieht, dürfte von der Tiefe und Kraft, die diese Bilder ausstrahlen, beeindruckt sein.

CHEXX Ihre Maltechnik finde ich überaus ansprechend. Wie nennt sich diese Technik?

Martin Köster Meine Maltechnik hat expressionistische Züge, lässt sich aber nicht ganz genau einer Stilrichtung zuordnen. Viele Spachtel, Pinsel und Malwerkzeuge baue ich mir selbst. Dadurch entstehen Abstraktionen an den Gebäudefassaden, die einzigartig sind.

CHEXX Warum diese Technik?

Martin Köster Ich mag es, wenn sich extreme Abstraktionen mit realistischen Elementen kombinieren. Bewusst gebe ich dem Betrachter nicht alle Details in meinen Bildern vor. Vielmehr soll der Betrachter Teile des Werkes mit eigenen Assoziationen ergänzen.

CHEXX Haben Sie Vorbilder in der malenden Kunst?

Martin Köster Ich mag William Turner sehr gerne. Seine Lichtspiele waren damals einzigartig. Ich versuche mich in den Städten auch auf das Licht zu konzentrieren. Es gibt daher Parallelen zu seinen und meinen Werken.

CHEXX In Ihren Bildern portraitieren Sie nur Städte. Chicago, New York, Hamburg, Kuala Lumpur, Berlin, … um nur einige zu nennen. Wie kamen Sie dazu, ausgerechnet Metropolen als Motiv zu nehmen?

Martin Köster Ich habe das Glück in sehr vielen verschiedenen Städten meine Werke ausstellen zu dürfen. Meist reise ich schon vor der Ausstellung in der Stadt an und male dann entweder direkt in der Stadt, oder ich mache Fotos und Skizzen von ihr, um sie später in meinem Atelier zu malen.

CHEXX Was reizt Sie so sehr an Städten als Motiv?

Martin Köster Ich bin ein Stadtromantiker. Dies spüre ich bei jedem Werk. Wenn der Betrachter dies auch empfinden kann, dann habe ich meine Aufgabe erfüllt.

CHEXX Auf Ihrer Webseite gibt es einen Film, in dem Sie mitten auf einer Licht durchfluteten Straße zwischen Hochhäusern eine Staffelei vor sich an einem Bild arbeiten. In einem anderen Film malen Sie auf einem Dach, die Stadt unter sich. Solche Arbeitsorte nutzen Sie eher selten, oder?

Martin Köster In letzter Zeit wird es immer häufiger. Früher war es schwer Genehmigungen auf Hochhäuser zu bekommen. Meine Kunst ist in den letzten Jahren bekannter geworden, dies hilft ungemein Genehmigungen für solche Malaktionen zu bekommen. Auch passiert es immer wieder, dass Privatpersonen oder Galerien, die meine Kunst mögen, mir solche Malabenteuer ermöglichen.

CHEXX Sie unternehmen Städtereisen, machen Fotos und Skizzen, um dann in Ihrem Studio in Hannover Ihre Bilder zu arrangieren. Bei einer Städtereise dürften sehr viele Motive zusammenkommen?

Martin Köster Ja ich habe mittlerweile eine so große Sammlung, dass ich nicht mehr alle Motive schaffen kann. Diese vielen Fotos und Skizzen helfen mir jedoch sehr beim Findungsprozesses eines neuen Werkes oder Serie.

CHEXX Sie haben sogar einen Helicopter genutzt, um an Motive zu kommen?!

Martin Köster Ja das war dieses Jahr in New York. Die Tür ist ausgebaut worden, sodass ich die ganze Stadt gut sehen konnte. Ein irres Erlebnis als der Heli dann direkt über Manhattans Hochhäusern schwebte. Viele der Fotos, die dabei entstanden sind, haben es später zu Gemälden geschafft.

CHEXX Anhand welcher Kriterien werden aus Ihren Skizzen und Fotos dann Ihre Bilder?

Martin Köster Dafür gibt es kein festes Regelwerk. Es ist ein Bauchgefühl. Meist erinnert mich das Foto oder die Skizze an schönen Moment oder einen besonderen Eindruck aus der Stadt. Dann bleibe ich stehen und hole Block und Bleistift raus.

CHEXX Wie lange arbeiten Sie an einem Bild?

Martin Köster Sehr unterschiedlich: Wenn es schnell geht, dann wird das Gemälde meist gut. Wenn es lange dauert (und das können manchmal Wochen sein), dann gefällt mir meist irgendwas an dem Werk nicht, sodass ich so lange daran korrigiere, bis ich zufrieden bin. Ich habe auch sehr viele Werke, die es nie zur abschließenden Unterschrift geschafft haben.

CHEXX Ihre Bilder finden sich in zahlreichen Galerien. Auch das muss man erstmal schaffen. Wie schwer ist es, in renommierten Galerien aufgenommen zu werden?

Martin Köster Bei mir war es wie eine Treppe, die ich gegangen bin. Am Anfang waren es nur ganz kleine Galerien, die mich ausstellen wollten. Aber mit Stufe für Stufe wurden es dann größere Galerien. Es hilft ungemein, wenn man international ausstellt. Dadurch wird man für viele Galerien erst interessant und sie geben einem eine Chance. Wenn sich die Kunst dann verkauft, dann wird man oft zu weiteren Galerien empfohlen. Es ist ein langer Weg, aber es macht Spaß!

CHEXX Welche Reaktionen aus der internationalen Kunstwelt gab es bislang auf Ihre Bilder?

Martin Köster Meist wird die Leuchtkraft der Farben und die Tiefe der Perspektive gelobt. Aber auch das gut abgestimmte Verhältnis von Abstraktionen mit realistischen Elementen findet Anklang.

CHEXX Gab es Ausstellungen mit Ihren Bildern?

Martin Köster Pro Jahr habe ich zwischen fünf und sieben Ausstellungen. Gute Mischung aus Gruppen- und Soloausstellungen.

CHEXX Welche Ziele habe Sie mit Ihrer Kunst? Wo soll es Sie und Ihre Kunst hinführen?

Martin Köster Am liebsten würde ich die ganze Welt malen. Ich bin erst in so wenigen Straßen und auf so wenigen Häusern gewesen. Da habe ich noch einiges vor mir …

Mehr Informationen zu Martin Köster gibt es unter martin-koester.com. Das Gespräch führte Bernd Elmenthaler, die Fotos sind von Martin Köster.

Marc Vorwerk ist einer der Topfotografen in Berlin und begeistert mit seinen Werken Wirtschaft, Politik und Kultur.
An dieser Stelle gibt es im Wechsel sein bestes Foto exklusiv bei CHEXX.

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